Nur 111 Fahrzeuge tanken Strom: Fährt keiner auf Elektroautos ab?

Von: Robert Esser
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Handwerk fährt voraus: Die Ba
Handwerk fährt voraus: Die Bauunternehmer Steffes, Braun, Philippen und Schleicher werben für und auf ihren auffälligen Elektrofahrzeugen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. In Scharen strömen die Aachener nicht gerade zu den 20 Elektroladestationen. Dabei „tanken” Stawag-Kunden hier sogar kostenlos. Das gilt bis Ende 2013 - und so oft man will. Aber es will kaum einer.

Die Zahl der Elektroautos in der Stadt, die sich stolz „Elektromobile Modellregion” nennt und in der ab 2013 der „Streetscooter” in Serie gehen soll, ist verschwindend gering.

181 Elektrofahrzeuge zählt das Straßenverkehrsamt der Städteregion im Oktober 2012, 111 davon in der Stadt Aachen. Das sind zwar knapp 70 E-Mobile mehr als vor einem Jahr. Aber bei insgesamt 267 500 angemeldeten Autos (Stadt: 104 973) stagniert der Elektromobil-Anteil bei 0,07 Prozent.

Dabei gibt es durchaus gute Argumente für das rein elektrisch betriebene Stadtfahrzeug. Der schlanke Zweisitzer Renault Twizy rollt zum Beispiel ganz locker zwischen Pollern durch - und eignet sich deswegen prächtig für Abkürzungen in Aachen. Was Dachdecker Christian Schleicher natürlich niemals ausnutzen würde.

Zwei Elektroautos gehören zum Fuhrpark seiner Firma - eines sogar mit gelb-orangen Warnlicht auf dem Dach. „Das Auto ist flott, wendig und erregt unglaublich viel Aufmerksamkeit, wenn ich durch Aachen zu unseren Baustellen fahre”, sagt Schleicher. „Das ist wirklich ein hervorragender Werbeträger, unschlagbar”, lobt er.

Mehrere Handwerkskollegen - meist Bauunternehmer - sind mittlerweile ebenso elektrisiert. Ralf Philippen von der gleichnamigen Tiefbau GmbH kurvt regelmäßig zu den Einsatzorten seiner Mitarbeiter. „Die Leute reißen sich darum, mit dem E-Mobil zu fahren”, freut sich der Chef.

Und rechnet vor: „100 Kilometer kosten mich exakt 1,58 Euro aus meiner Steckdose”, sagt er. Er zahlt keine Kfz-Steuer, die Vollkasko-Versicherung gibts für rund 350 Euro pro Jahr. „Das ist konkurrenzlos günstig”, stellt Philippen fest.

Mit einer Reichweite von 120 Kilometern, gut 80 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit und einer Akkuladedauer von 3,5 Stunden sei der nur 2,34 Meter lange und 1,19 breite Elektrowinzling absolut alltagstauglich, bescheinigt der Unternehmer.

Er ist auf den Geschmack gekommen und will sich jetzt auch einen Hybrid-BMW aus Leichtmetall und Kohlefaser anschaffen. „Umwelt und Portemonnaie schonen - besser gehts wohl kaum”, erklärt Philippen. 329 Hybrid-Fahrzeuge mit Benzin- und Elektromotor surren derzeit durch die Städteregion, 152 davon gehören Aachenern. Hinzu kommen sechs Diesel-Hybrid-Pkw.

Ein ausgewachsener BMW-Hybrid kostet allerdings ein Vielfaches des rund 8000 Euro teuren Twizy. Überhaupt seien die - noch - relativ hohen Anschaffungskosten wohl die größte Hürde für den elektromobilen Durchbruch auf der Straße, vermutet Stawag-Sprecherin Corinna Bürgerhausen.

Der Energieversorger unterhält mit 46 Elektroautos - vom Fiat über Mitsubishi, Renault, Citroen, Opel, Smart bis zum Mercedes - sowie zehn Elektrorollern und fünf Pedelecs eine der größten E-Fahrzeugflotten Deutschlands. „Wir sind fest davon überzeugt, dass Elektromobilität schon in wenigen Jahren ganz erheblich an Bedeutung gewinnt”, sagt Bürgerhausen.

Deswegen legt sich die Stawag mächtig ins Zeug. Neben 20 Ladestationen mit 50 Steckdosen unterhält man in Kooperation mit Stadt und Deutscher Bahn drei Pedelec-Verleihstationen mit 15 Elektrofahrrädern. Die summen allerdings gerade Richtung Winterschlaf.

Ganz ausgeschlafene Elektrofahrzeug-Interessenten sparen übrigens nicht nur beim Strom. Die Stawag schießt ihren Ökostrom-Kunden beim Kauf eines Elektrorollers 100 Euro, für „Plug-in-Hybride” 250 Euro und für rein elektrisch betriebene Autos 500 Euro zu.

Zehn E-Autos, 17 Roller und immerhin 673 E-Fahrräder von Privatleuten und Firmen hat die Stawag bereits cofinanziert. Außerdem forciere die Stawag mit Partnern aus Hochschulen und der Industrie das Forschungsprojekt „econnect Germany”, erklärt Bürgerhausen. Um die Elektromobilität auf der Straße anzuschieben, investiert man Millionen Euro.

In ferner Zukunft soll sich das auszahlen - wenn sich Autos um Stromsteckdosen scharen und den Sprit-Tankstellen der große Zapfenstreich gespielt wird. Heute kommen auf jede Steckdose etwa zwei E-Autos. Hierbei hat man Benziner jedenfalls weit abgehängt.
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