Aachen - Notruf gibt auch Behinderten eine Stimme

Notruf gibt auch Behinderten eine Stimme

Von: Esra Güner
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Aachen. Laut einer aktuellen Studie erlebt etwa jede zweite Frau mit Behinderung sexualisierte Gewalt in Kindheit, Jugend oder als Erwachsene. Alarmiert von diesem Ergebnis hat sich der Frauennotruf Aachen zum Ziel gesetzt, sich mit Einrichtungen der Behindertenhilfe aus der Region zu vernetzen.

„Viel zu selten finden Frauen mit Handicaps den Kontakt zu Beratungsstellen“, beschreibt Mitarbeiterin Agnes Zilligen die momentane Situation.

Die ersten Bausteine für die aktive Vernetzung wurden bereits 2014 gelegt. Im Laufe des Jahres sollen weitere Kooperationen und Projekte folgen. In Vorbereitung sind beispielsweise kleine Informationsfilme in Gebärdensprache, die ab dem Sommer auf der Homepage des Frauennotrufs zu sehen sein werden.

Neben diesem besonderen Beratungsangebot hat der Verein im vergangenen Jahr aber auch einen weiteren Schwerpunkt gelegt, wie der neu veröffentlichte Jahresbericht 2014 zeigt. Seit Herbst bietet die Einrichtung Unterstützung für Frauen und Männer aus der Städteregion an, die einen Antrag für den „Fonds Sexueller Missbrauch“ der Bundesregierung stellen möchten. Die aus dem Fonds finanzierten Maßnahmen wie Therapiestunden, aber auch Unterstützung in der beruflichen Weiterbildung, sollen dabei helfen, die Folgen des Missbrauchs zu mindern. Ein Weg, der sich lohnt, findet Gisela Görres vom Frauennotruf; sie kennt aber auch die Schwierigkeiten. „Für viele Betroffene stellt die Antragstellung eine große Herausforderung dar, da sie sowohl umfangreich ist als auch Angaben zum Tathergang beinhaltet.“ Eigens dafür wurden deshalb die Mitarbeiter geschult. Gerd Kohl, Richter außer Dienst, unterstützt darüber hinaus männliche Betroffene.

Auch die Sparkasse steht dem Frauennotruf zur Seite. Seit Jahren unterstützt sie die Arbeit der 23 Mitarbeiterinnen mit einer Geldspende. Die intensive Kooperation mit dem Verein ist Karl-Heinz Stockem, Sparkassen-Geschäftsstellenleiter in der Theaterstraße, wichtig. „Wir freuen uns, wenn wir so einen Beitrag zum Kampf gegen sexuelle Gewalt leisten können“.

Mit großen und kleinen Spenden wird die Arbeit des Vereins überhaupt möglich gemacht. Im 34. Jahr des Bestehens ist der Wille weiterhin ungebremst, etwas für Opfer von Gewalt zu tun. „Vor allem verdanken wir das auch unseren 18 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die im letzten Jahr insgesamt mehr als 1000 Stunden in Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit und vielen anderen Bereichen abgeleistet haben“, stellt Zilligen heraus. Die Nachfrage von betroffenen Frauen und Mädchen ab 15 Jahren, aber auch von Angehörigen, Bezugspersonen und Fachkräften ist nach wie vor groß: Allein 2014 wurden 287 Personen beraten. Der Großteil der Betroffenen wandte sich an den Frauennotruf wegen Vergewaltigung oder sexuellen Missbrauchs. Für Informationen und persönliche Beratungstermine ist das Team des Frauennotrufs erreichbar unter Telefon 542220.

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