Notbremse: Stadt wollte Autos nicht auf Tankstelle lassen

Von: Robert Esser
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Stinksauer: Erst rührt die St
Stinksauer: Erst rührt die Stadt jahrelang keinen Finger am völlig maroden Straßenbelag der Lütticher Straße, jetzt sollte plötzlich innerhalb weniger Tage saniert werden. Die Vollsperrung würde Herbert Schütts Esso-Tankstelle komplett vom Verkehr abschneiden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Prädikat mangelhaft: Das gilt für den Belag der Lütticher Straße genauso wie für den Plan der Abteilung „Straßenunterhaltung” des Stadtbetriebs. Nachdem man die Hauptverkehrsachse jahrelang verrotten ließ und die überfällige Sanierung immer wieder auf die lange Bank schob, sollte jetzt alles ganz schnell - aber auf Kosten der Anwohner - gehen.

„Da standen plötzlich ein paar Leute von der Stadt in meiner Tankstelle und haben mir mitgeteilt, dass ich nächste Woche dicht machen kann”, erklärte Pächter Herbert Schütt am Montag. „Die haben gesagt, dass die Straße ab Montag eine Woche lang voll gesperrt wird, damit endlich ein neuer Asphaltbelag aufgebracht werden kann - und ich komplett vom Verkehr abgeschnitten werde. Unfassbar! So etwas habe ich in 21 Jahren meines Betriebs noch nicht erlebt”, zeigte sich der Unternehmer stinksauer. Eine Tankstelle ohne Zufahrt für Autos - da habe man ihm Urlaub empfohlen. „An den Verdienstausfall denkt da wohl keiner! Und dass man nur wenige Tage Zeit hat, sich auf so eine einschneidende Maßnahme vorzubereiten, finde ich arrogant und unverschämt.”

Von Mund zu Mund sprach sich die Nachricht vom „Plan” des Stadtbetriebs im Viertel herum. Ärzte in der Nachbarschaft mussten ihre Patienten über die drohende Sperrung informieren. Die Bäckerei und Konditorei Mannebach erfuhr per Zufall von der geplanten Vollsperrung und stellte die Stadt zur Rede. Anwohner sollten offiziell erst am Dienstag über eine Postwurfsendung der Stadt über die geplante Baumaßnahme in Kenntnis gesetzt werden. Tagelang wären Zufahrten und Garagen nicht anzusteuern - auf hunderten Metern der Lütticher Straße 54 bis 204 zwischen den Einmündungen Limburger Straße und Amsterdamer Ring. Außerdem hätte die Stadt wohl zig Autos abschleppen lassen, da man mit dreitägiger Vorwarnzeit ein „temporäres Halteverbot” verfügen kann. Und viele Anwohner, die jetzt ihren Urlaub in der Ferne genießen, hätten bei ihrer Heimkehr wohl ihr Auto schmerzlich vermisst und die entsprechenden Strafen und Gebühren nach geltender Rechtsprechung aus eigener Tasche berappen müssen.

Um das drohende Chaos und die Wut der Bürger zu umgehen, zog der zuständige Dezernent Dr. Lothar Barth am Montagnachmittag die Notbremse. „Wir haben entschieden, die Baumaßnahme zu verschieben”, erklärte Stadtsprecher Hans Poth auf Anfrage der Aachener Zeitung. Da sei in Sachen Kommunikation und Information der Bürger wohl einiges „nicht optimal gelaufen”. Es sei offensichtlich, dass man den Anwohnern derartige Einschränkungen nicht so kurzfristig zumuten könne - was eigentlich auch der Abteilung „Straßenunterhaltung” klar gewesen sein müsste.

Spätestens Mitte der Woche will die Stadt bekanntgeben, wann der Belag der Lütticher Straße, auf der täglich bis zu 15.000 Autos rollen, erneuert wird - wahrscheinlich in zwei bis drei Wochen, hieß es. Und: Barth will prüfen lassen, ob eine Vollsperrung während der Baumaßnahme tatsächlich unumgänglich ist - oder ob man die beiden Fahrspuren nacheinander asphaltieren kann. „Das komplette Prozedere steht jetzt auf dem Prüfstand”, teilte Poth mit. Dabei sollen auch mögliche Umleitungen in die Überlegungen einfließen.

Unstrittig sei aber weiterhin, dass die Lütticher Straße noch in diesem Sommer auf Vordermann gebracht werden müsse. „Darauf warten wir schließlich schon Jahre”, sagte Schütt. Das wisse auch die Stadt, sagte Poth. „Aber das muss man natürlich vernünftig planen, damit sich alle rechtzeitig darauf einstellen können”, fügte er hinzu.

Dann gilt auch für die Lütticher Straße endlich: Prädikat wertvoll.
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