Nonnen räumen Kloster für zahlungskräftige Senioren

Von: Robert Esser
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Kloster und Kirche verkauft: Hinter den den denkmalgeschützten Mauern plant der neue Eigentümer zwischen Lousbergstraße und Nizzaallee den Neubau von bis zu 45 hochwertigen Seniorenwohnungen. Foto: Jaspers

Aachen. Mit Millionenaufwand will der neue Eigentümer des Klosters der Karmelitinnen bis zu 45 exklusive Seniorenwohnungen zwischen Lousbergstraße und Nizzaallee bauen. Derzeit leben in dem 1869 errichteten Klostergebäude noch 13 Ordensschwestern - zwölf von ihnen über 70 Jahre alt.

Sie wollen nun in einen Gebäudetrakt der Schervier-Schwestern am Lindenplatz umziehen. Mit dem Immobilienerlös soll die Pflege der Nonnen finanziert werden. Gekauft wurde das rund 5000 Quadratmeter große Gelände inklusive Kirche vom Berliner Petruswerk. Dies hat das Generalvikariat am Montag bestätigt.

Priorin Mechthild und der Bischöfliche Beauftragte für diesen Karmel, Prälat Dr. Herbert Hammans, hatten über ein Jahr nach einem Käufer für das Kloster gesucht.

„Den Karmelitinnen war es wichtig, dass die künftige Verwendung nicht nur den äußeren Bedingungen des Denkmalschutzes entspricht, sondern auch der inneren Herkunft als Ort des Gebetes”, erklärte Bistumssprecher Franz Kretschmann. Der Investor, das Berliner Petruswerk, ist seit 2004 in der Hand von Dr. Douglas Fernando.

Der Religionswissenschaftler und Wirtschaftsberater aus Sri Lanka hatte die katholische Wohnungsbaugesellschaft mit hunderten Wohnungen und hohen Schulden kurz vor der Insolvenz vom hoch verschuldeten Erzbistum Berlin erworben - und die Diözese danach auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt. Seitdem entwickelt Fernando bundesweit im großen Stil Projekte mit Seniorenresidenzen.

So baut man etwa im Süden Berlins in den Klostergarten von Alt-Lankwitz knapp 100 Seniorenwohnungen für rund 20 Millionen Euro. „Wir wollen auch in Aachen die ursprüngliche Klosteratmosphäre in Einklang mit hochwertigen Wohnformen für Senioren bringen”, sagte der Petruswerk-Geschäftsführer auf Anfrage der Aachener Zeitung.

Realisiert wird der Umbau des Karmelitinnen-Klosters vom Aachener Architekturbüro Kada & Wittfeld. „Wir sind froh, dass der Investor keine Maximalüberbauung des Grundstücks im Sinn hat”, betonte Gerhard Wittfeld. Klostermauer und Kirche will man erhalten, zudem Wohnungen und Pflegeräume in den sanierungsbedürftigen Klostertrakt integrieren.

Lukrative Mieterlöse sollen aber vor allem bis zu 45 Neubauwohnungen in Größen zwischen 45 und 80 Quadratmetern in dem jetzigen Klostergarten garantieren.

„Wir haben uns für eine kleinteilige Bebauung mit Einzelhäusern entschieden”, erläuterte Architekt Wittfeld. „Somit kann der Blick auch von der Nizzaallee noch durch die Bebauung fallen, und der typische Charakter des Kloster-Ensembles bleibt erhalten.”

Hinfällig sind damit die Bemühungen einer Nachbarschaftsinitiative um den Architekten Dietmar Spiegel. Er hatte versucht, auf privater Ebene einen Pflegedienst für die Karmelitinnen zu organisieren und damit deren Umzug, den Klosterverkauf sowie die Bebauung des Klostergartens zu verhindern. Der erste Spatenstich soll dort noch dieses Jahr folgen.
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