Aachen - Noch ganz dicht? Hausbesitzern drohen Kosten

Noch ganz dicht? Hausbesitzern drohen Kosten

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Rechnungen müssen noch nicht in diesem Jahr beglichen werden, in manchen Aachener Stadtteilen sogar erst in gut zehn Jahren. Aber: Sie werden kommen.

Denn gemäß einem Landesgesetz sind alle Grundstückseigentümer in NRW verpflichtet, ihre privaten Abwasserleitungen sachkundig auf Dichtheit überprüfen zu lassen. Und das kostet.

Die Prüfung kostet „nur” ein paar hundert Euro, doch wenn nicht alles dicht ist, kann eine Sanierung schnell richtig teuer werden. Wie teuer, hängt vom Einzelfall ab. Aber je nach Grundstücksgröße, Länge und Beschaffenheit der Leitungen sowie Art des Schadens könnten die Kosten dann leicht „von 1000 bis 20.000 Euro” reichen, schätzt Klaus Beyer, Abteilungsleiter in der städtischen Bauverwaltung. Schließlich seien von dem Gesetz „alle Schmutzwasser führenden Leitungen - auch unter der Bodenplatte - betroffen”.

Beyer und seine Kollegen haben sich zuletzt intensiv mit der Dichtheitsprüfung privater Abwasserkanäle befasst. Ein erster Beleg dafür flattert nächste Woche den rund 64.000 Haus- und Wohnungseigentümern in Aachen mit den Grundabgabenbescheiden in den Briefkasten: ein Flyer, der neben ersten Infos über das für Hausbesitzer leidige Thema auch eine bunte Übersichtskarte enthält. Sie zeigt, wer wann „dran” ist. Denn während für die ersten Grundstücke die Untersuchungsfristen bereits Mitte 2012 ablaufen, haben die letzten Hausbesitzer bis Ende 2023 Zeit.

Das Gesetz gibt zwar eine Frist bis Ende 2015 vor, doch können die Kommunen dies per Satzung ändern - und den Zeitrahmen in sensiblen Bereichen verkürzen und anderswo verlängern. In Aachen sind deshalb die Wasserschutzzonen als erste an der Reihe: Hausbesitzer in Lichtenbusch, Oberforstbach, Sief und Schmithof werden Mitte des Jahres erneut Post von der Stadt erhalten, die sie darüber informiert, dass ihre Frist bereits im Juni 2012 abläuft. Schließlich ist es das Hauptziel des Gesetzes, die Verschmutzung des Grundwassers durch schadhafte Abwasserleitungen zu vermeiden. In Laurensberg und Richterich, aber auch in Brand, Kornelimünster, Schleckheim und Walheim werden die Fristen erst zehn bzw. elf Jahre später auslaufen.

„In jedem Fall werden wir uns immer ein Jahr vor Ablauf bei den Betroffenen melden”, verspricht Eckard Larosch, Leiter der Bauverwaltung. Mit dieser frühzeitigen Information und der langfristigen Gesamtplanung könnten sich die Bürger besser auf die bevorstehenden Kosten einstellen. „Und vor allem bei kleineren Schäden werden wir sehr moderat mit den Leuten umgehen”, ergänzt Beyer. Wo die höchsten Schadensraten zu erwarten sind, mag man nicht prophezeien. Generell werde dies in Innenstadtbereichen mit über hundert Jahre alten Leitungen eher der Fall sein als in Neubaugebieten, meint Larosch.

Doch vor der Sanierung steht die Prüfung an, und da warnt die Stadt sowohl vor dubiosen Haustürgeschäften mit „Kanalhaien”, als auch vor übereiltem Vorgehen. „Zunächst besteht kein akuter Handlungsbedarf”, betonen Beyer und Larosch. Erst wenn die Stadt die Frist mitteile, müsse man tätig werden.

Aktuelle Listen der zugelassenen sachverständigen Prüfer gibt es bei IHK, Handwerks- und Ingenieurkammer. Städtische Kanalbaumaßnahmen will man überdies „wo das möglich ist” mit den privaten Untersuchungsfristen abstimmen. „Dann bieten wir den Bürgern auch an, ihre Hausanschlüsse kostengünstig mitzuüberprüfen”, sagt Larosch. Im Übrigen ist auch die Stadt verpflichtet, ihre Kanäle zu überprüfen und in Schuss zu halten. Das gibt die „Selbstüberwachungsverordnung Kanal” vor, deren Einhaltung die Bezirksregierung überwacht. „Da gelten für uns die gleichen Spielregeln wie für die Bürger”, betont Beyer.
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