Aachen - Nizzaallee: Baum-Zwist geht in die nächste Runde

Nizzaallee: Baum-Zwist geht in die nächste Runde

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Ein Bild aus blühenden Tagen: So sieht die Nizzaallee im Frühsommer aus. Bürger kämpfen für den Erhalt der Rotdorne. Foto: Krömer

Aachen. Wie viel ist Aachen ein Straßenbaum wert? Der Stadtbetrieb kann darauf eine centgenaue Angabe machen: Durchschnittlich 27,71 Euro fallen pro so genanntem kleinkronigen Baum und Jahr an. Der Unterhalt des Rotdorns, der die Nizzaallee alljährlich im Frühsommer für einige Wochen in eine rotblühende Prachtstraße verwandelt, schlägt dagegen deutlich höher zu Buche.

86,97 Euro pro Baum, rechnet der Stadtbetrieb vor, müssen jährlich aufgewendet werden, um einen Rotdorn in Schuss zu halten – und somit knapp 60 Euro mehr als für den Standard. Daher gab es bei den Baumexperten der Verwaltung die Überlegung, den Rotdorn am Fuße des Lousbergs Stück für Stück auszutauschen und stattdessen eine andere Baumart, nämlich den weißblühenden Apfeldorn, zu pflanzen. Das rief die engagierte Lousberg-Gesellschaft auf den Plan.

Als sie vor wenigen Wochen erfuhr, dass 24 Rotdorne, die laut Stadtbetrieb in sehr schlechtem Zustand seien, noch vor Karneval gefällt werden sollten, starteten sie eine Protestaktion. Mit Erfolg. Die Kettensägen blieben – vorerst – im Schuppen. Und das brisante Thema landete flugs auf der politischen Agenda und am Dienstagabend zunächst im Bürgerforum. Würde dort der Konflikt zwischen Rotdorn-Verfechtern und Stadtbetrieb weiteren Zündstoff erhalten? Zahlreiche Politiker hatten dies im Vorfeld durchaus befürchtet. Doch die Diskussion verlief in größter Harmonie. Und das war vor allem einem überraschenden Angebot der Lousberg-Gesellschaft zu verdanken.

Kein Wort zu Fällungen im Forum

So ging man im Positiven auseinander. Zumindest, was den offiziellen Teil betraf. Doch die gute Laune hielt beim Ehrenvorsitzenden der Lousberg-Gesellschaft, Axel Deubner, nur wenige Minuten. Denn nach der Sitzung erfuhr er: An den Plänen, 24 Rotdorne noch bis Ende März zu fällen, hält der Stadtbetrieb weiterhin fest. Aus Gründen der Verkehrssicherheit sei dies notwendig, bestätigte der Leiter des Stadtbetriebs, Peter Maier, gegenüber der AZ. Im Bürgerforum war dieser Aspekt zu keinem Zeitpunkt thematisiert worden. „Das ist eine herbe Geschichte!“, ärgert sich Deubner in der Rückschau. Die Vorsitzende der Lousberg-Gesellschaft, Sibille Spiegel, erfuhr erst am Folgetag, dass die Fällaktion weiterhin auf der Agenda steht. Die Diskussion im Forum habe ein völlig anderes Bild vermittelt. „Wir sind völlig konsterniert“, sagte sie gegenüber der AZ. Die Bürger zweifeln nämlich an, dass tatsächlich alle 24 Bäume eine Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellen. Sie sind davon überzeugt, dass zumindest ein Teil der Rotdorne mit entsprechender Pflege wieder aufgepäppelt werden kann. Nun geht bei ihnen erneut die Sorge um, dass mit den anberaumten Fällungen voreilig Fakten geschaffen werden.

Dabei herrschte im Bürgerforum lange Zeit eitel Sonnenschein. Der Vorschlag der Lousberg-Gesellschaft, sich in den kommenden fünf Jahren mit hohem ehrenamtlichen und finanziellen Aufwand mit um die aufwendige Pflege der insgesamt gut 130 Rotdorne in der Nizzaallee zu kümmern, fiel parteiübergreifend auf fruchtbaren Boden. Auch Stadtbetrieb-Chef Maier zeigte sich offen für den konstruktiven Vorschlag. Der sich zuletzt zuspitzende Zwist zwischen den engagierten Bürgern und dem Stadtbetrieb schien beigelegt. Die Politik entschied, dass die Causa „Rotdorne in der Nizzaallee“ samt des angebotenen umfassenden Patenschaftsmodells der Lousberg-Gesellschaft in der kommenden Bezirksvertretung Aachen-Mitte „wohlwollend diskutiert“ werden soll.

Unabhängiger Gutachter

Wohlwollen macht die Lousberg-Gesellschaft beim Stadtbetrieb am Tag danach nicht aus. Zwar habe man den Bürgern vor der geplanten Fällung nun noch eine gemeinsame Begehung vor Ort in Aussicht gestellt. Einen unabhängigen Gutachter, der den Zustand der Rotdorne bewertet, wolle man von Verwaltungsseite jedoch nicht hinzuziehen, kritisiert Deubner. Genau das wünscht sich aber die Gesellschaft. „Wir bemühen uns nun um einen eigenen Baumsachverständigen“, so Deubner weiter. Denn: „Wir wollen beweisen, dass der Erhalt zumindest einiger Rotdorne doch möglich ist, wenn man etwas mehr für sie tut.“

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