Nirgendwo gibt es mehr Friseure pro Kopf als in der Stadt Aachen

Von: Robert Esser
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Waschen, Schneiden, Legen: Immer mehr Friseure bieten Ihre Dienstleistung in Aachen an, viele ohne entsprechende Berufserfahrung, beklagt Obermeister Antonio Weinitschke. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Stadt wachsen die Friseurgeschäfte über den Kopf. In Aachen gibt es nach einer Untersuchung der Technischen Universität Dortmund nämlich mehr Friseure pro Einwohner als in jeder anderen Stadt Nordrhein-Westfalens.

Danach buhlen in der Kaiserstadt genau 224 Friseurgeschäfte ums Waschen, Schneiden, Legen. Statistisch kommen damit auf 10.000 Einwohner laut TU-Studie etwa neun Haarschneidetempel - und das ist absoluter Rekord. Auf Rang 2 landet Düsseldorf, dann kommen Mühlheim an der Ruhr, Solingen und Mönchengladbach. Die Rheinmetropole Köln mit 749 Geschäften landet auf Platz 6. Die wenigsten Friseure gibt es in Gütersloh - nur anderthalb Geschäfte auf 10.000 Bürger. Da dürfte die Kundschaft Schlange stehen.

Was in Aachen eher selten der Fall ist. Zu groß ist das Angebot. „Auch deswegen gibt es so viele Billig-Friseure, die einen Haarschnitt bereits für zehn Euro oder sogar noch günstiger anbieten”, sagt Obermeister Antonio Weinitschke. Besonders die arabischen Kollegen würden die Preise der Branche in Grund und Boden stürzen. Ebenso schmerzlich für ihn: Die meisten Friseurgeschäfte sparen sich die Beiträge für die Innung. Es gibt nur noch 70 Mitgliedsbetriebe. Damit sind nicht einmal mehr ein Drittel aller Friseurgeschäfte Aachens in der Innung organisiert.

An Nachwuchs fehlt es unterdessen kaum. Gerade erst hat Weinitschke 40 Gesellinnen und Gesellen geprüft. Die Friseure liegen laut Handwerkskammer Aachen auf Platz 3 der ausbildungsstärksten Berufe - nach Kraftfahrzeugmechatronikern und Metallbauern.

Und nicht wenige Friseure werden innerhalb kürzester Zeit wiederum eigene Geschäfte eröffnen. Schon ein halbes Jahr nach der Gesellenprüfung können die jungen Coiffeure nämlichen ihren Meisterbrief in der Hand halten. 2004 wurde die Handwerksordnung novelliert. Zuvor musste man erst drei Gesellenjahre absolvieren.

„Was den meisten allerdings seitdem fehlt, ist Berufserfahrung”, kritisiert Weinitschke. Deswegen häufen sich Beschwerden und Reklamationen bei der Innung. Mal ist die Haartönung verunglückt und statt mit blonden geht die Kundin mit goldenen Haaren nach hause. Oder der Schnitt misslingt. „Nicht immer lässt sich das Malheur dann vom erfahrenen Profi wieder ausbügeln”, erklärt er.

Gerade mal 1700 Euro verdiene ein Jungmeister. „Da kann man sich vorstellen, was die anderen Beschäftigten von Billig-Friseuren bekommen.” Natürlich müssten Behörden und Kammer gerade bei den ungewöhnlich Kollegen häufiger Personalstand und Arbeitsbedingungen kontrollieren, findet Weinitschke - aber der Aufwand wäre groß.

Also rät Weinitschke der Kundschaft zur Vorsicht: „Erkundigen Sie sich, wie viele Jahre Berufserfahrung Ihr Friseur hat.” Oder noch besser: „Fragen Sie fremde Menschen auf der Straße, deren Haarschnitt ihnen besonders gefällt, bei welchem Friseur die waren. Und da gehen Sie dann hin.”
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