Nikolausviertel: Jetzt sollen die Ideen sprudeln

Von: Stephan Mohne
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Das Nikolausviertel oder auch „Altstadtquartier“: Der städtebauliche Wettbewerb beschäftigt sich mit dem Bereich zwischen Büchel, Mefferdatisstraße und Kleinkölnstraße. Foto: AVIA-Luftbild/Martin Jochum

Aachen. Was lange währt, wird endlich gut. Steht zumindest zu hoffen. Denn die Geschichte rund um das Parkhaus Büchel und damit verbunden die städtebauliche Entwicklung des Nikolausviertels mitten im Herzen der Stadt währt schon sehr lang.

 In wenigen Tagen soll nun der „städtebauliche Realisierungswettbewerb“ für das knapp 30.000 Quadratmeter große Areal zwischen Büchel, Kleinköln- und Mefferdatisstraße gestartet werden. Das sollte er eigentlich schon vor ziemlich genau einem Jahr – doch dann kam eine partielle Haushaltssperre dazwischen, die für einen neuerlichen Stopp sorgte.

Nun aber liegen alle – inhaltlich lange diskutierten – Unterlagen vor. Am 11. Juni wird sich der Planungsausschuss damit befassen. Direkt im Anschluss soll der Wettbewerb für das „Altstadtquartier Büchel“, wie es offiziell heißt, losgehen. Hier die Details in Auszügen:

Der Zeitplan und die Teilnehmer

In der ersten Juniwoche sollen 20 Büros als Teilnehmer ausgewählt werden. Sie müssen sowohl Experten in Stadtplanung als auch im Bereich Architektur sein, da auch bereits Vorgaben für den späteren Hochbau gemacht werden sollen. Die Büros sollen dem Ausschuss in seiner Sitzung präsentiert werden, direkt danach soll es ein Kolloquium geben. Am selben Tag ist eine Bürgerinformation vorgesehen. In der zweiten Phase des Wettbewerbs soll sich die Zahl der Büros auf acht verringern. Insgesamt soll der Wettbewerb bis Ende November beendet sein. Dann soll es auch eine zweite Bürgerinformation geben. Das Wettbewerbsmanagement übernimmt das Düsseldorfer Unternehmen „Faltin + Sattler“.

Die Investoren

Die Investoren für die Entwicklung des Areals sind die Aachener „Landmarken AG“ um Norbert Hermanns und die „AC Immobilien“ um Gerd Sauren. Sie haben in diesem Bereich bereits etliche Grundstücke gekauft. Bereits Anfang 2014 hatten sie zudem verkündet, der Strabag das Parkhaus Büchel abzukaufen. Das ist allerdings bis heute noch nicht geschehen, wie Hermanns am Freitag auf Nachfrage sagte. Es gebe einen Vorvertrag.

Dass es zu dem Kauf komme, daran gebe es jedoch keinen Zweifel, so der Investor. Zu den Inhalten des 23 Seiten umfassenden Auslobungstextes sagt er, sie seien das Ergebnis „langwieriger Gespräche“. Ob er mit allem so einverstanden ist, kommentiert er indes nicht, sondern betont: „Wir werden alles dafür tun, dass der Wettbewerb zu einem guten Ergebnis kommt.“ Kein Wunder: Die Umsetzung dieses Ergebnisses bezahlen letztlich schließlich die Investoren. Der Wettbewerb geht auf Kosten der Stadt.

Das Gebiet

Die Fläche, um die es geht, ist 28.500 Quadratmeter groß. Wobei die Entwicklung des Parkhausgrundstücks (9400 Quadratmeter) oberste Priorität haben soll. Schließlich sollte es eigentlich seit Jahren abgerissen sein. Die anderen Areale sollen dann auf längerfristige Sicht folgen.

Die Ziele

Mit Blick auf das Parkhaus soll dort etwas entstehen, das etwa 50 bis 60 Prozent Wohnfläche beinhaltet, davon wiederum 20 Prozent öffentlich geförderter Wohnraum. Hinzu kommen Handel, Praxen, Gastronomie und/oder Dienstleistungen. So soll der Mix anteilsmäßig im gesamten Viertel sein. Apropos Dienstleistungen: Ein schwieriger Punkt ist die Entwicklung der Antoniusstraße, Investor Norbert Hermanns hatte sich hier im Sinne der Entwicklung des gesamten Bereichs eine Auslagerung des Rotlichtbetriebs vorgestellt. Doch das will eine breite Mehrheit der Politik nicht.

Sie will vielmehr eine Konzentration der Bordelle in einem „Laufhaus“, das auf 2500 Quadratmetern Geschossflächen „120 bis 125 Beschäftigten/Prostituierten“ Platz bieten soll, wie es in der Auslobung heißt. Auch wünscht sich die Stadt Raum für eine neue Kita mit vier Gruppen. Als Option ist ein etwa 1000 Quadratmeter großer „Multifunktionsplatz“ oder auch eine „Eventhalle“ vorgesehen, wo Märkte, Messen, Ausstellungen oder kulturelle Aufführungen stattfinden könnten.

Der Grünanteil im Viertel soll etwa 30 Prozent betragen. Auch soll die Thermalwasserroute „gestalterisch herausgearbeitet“ werden. Die Teilnehmer müssen überdies noch einige weitere Themen im Auge haben. So etwa den umfassenden Denkmalschutz gerade mit Blick auf das Weltkulturerbe Dom.

Der Verkehr

Das gesamte Gebiet soll zur Fußgängerzone werden, wie man den Ausschussunterlagen entnimmt. Die Verwaltung weist allerdings darauf hin, dass es dazu noch keinen politischen Beschluss gebe. Dieser könne Teil des Wettbewerbsverfahrens werden. Öffentliche Parkplätze soll es innerhalb des gesamten Quartiers nicht mehr geben. Ein neues Parkangebot könne es im Bereich Großkölnstraße geben. Die Wettbewerbsteilnehmer sollen jedoch lediglich darstellen, wie die rechtlich erforderliche Zahl von Parkplätzen für Wohnungen (einer pro Wohnung), Hotels (einer pro sechs Hotelbetten) und Stellplätze für die Mitarbeiter von Firmen und Geschäften untergebracht werden können. Dafür soll es eine eingeschossige Tiefgarage geben.

Die Jury

Die Jury besteht aus den Experten Carl Fingerhuth (Stadtplaner Zürich), Christa Reicher (Architektin/Stadtplanerin), Henk Döll (Architekt/Stadtplaner), Baudezernent Werner Wingenfeld und Harald Lange. Der frühere Chef des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW in Aachen wurde von den Investoren benannt, die einen Sitz in der Jury haben. Seitens der Politik sind vorgesehen: Alexander Gilson (CDU), Norbert Plum (SPD), Michael Rau (Grüne) und Marc Beus (Die Linke). FDP und Piraten sind lediglich mit Stellvertretern der Jury-Mitglieder vorgesehen.

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