Nikolaus Lentzen ist im Alter von 89 Jahren gestorben

Von: Manfred Kutsch
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Starb am vergangenen Freitag im Alter von 89 Jahren: Nikolaus Lentzen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Legendärer Schausteller, Familienmensch, mit seinem unverwechselbaren Kinderkarussell eine Galionsfigur auf den Jahrmärkten und Festen der Region, mit rauer Stimme und Schale, aber butterweichem Herz – das war Nikolaus Lentzen.

Der Vater von vier Kindern, Großvater von fünf Enkeln und Urgroßvater von sechs Urenkeln starb am vergangenen Freitag nach schwerer Krankheit im Alter von 89 Jahren. Das Brauchtum der Region trauert um eine kantige Persönlichkeit, einen charismatischen Patriarchen.

Gut ein Jahr hat Nikolaus Lentzen seine Ehefrau Gertrud überlebt, mit der er 66 Jahre lang ein Leben zwischen Raupenbahn, Scooter und Karussells geführt hatte – immer auf Achse, aber nie in Urlaub. Lentzen, Typ „Cowboy“ unserer Zeit, blickte auf „eine schöne, aber steinige Zeit zurück“, wie er immer sagte. Sein Metier hatte sich gewandelt. Wo ehedem „zusammengeflickte Buden ohne Wasseranschluss“ die Szenerie gestalteten, bestimmen längst „Hightech und fahrende Einfamilienhäuser“ die Branche, erinnerte sich der Verstorbene. Er machte nie einen Hehl daraus, was mit der Entwicklung auch verloren ging: „Viel zu oft geht es nur noch ums Geld, die Kameradschaft ist etwas verloren gegangen.“

Mit Nikolaus Lentzen stirbt auch ein starkes Stück Zeitgeist, der unbeirrt an Werten wie Fleiß, Treue und Wehrhaftigkeit festhielt. 34 Jahre lang stand er dem Schaustellerverband Aachen voran, dessen Ehrenvorsitzender Lentzen bis zu seinem Tod war. Seinen Verband führte der durchsetzungskräftige Eilendorfer an die Spitze Deutschlands. Die Wände in seinem Wohnzimmer waren voll mit Fotos von Begegnungen und Ehrungen.

Das Bundesverdienstkreuz hatte Nikolaus Lentzen ebenso erhalten wie das Karlssiegel in Gold und im Jahr 1989 den Mullefluppet-Preis der Aachener Zeitung. Lentzen konnte auch zum „demokratischen Napoleon“ werden, wie er sich augenzwinkernd selber nannte. Mit Politikern verfuhr er im Streit nach dem Motto: „Tue recht und scheue niemanden“. Doch waren es nicht nur die Streit- und Sternstunden, die den raubeinig-herzlichen Charakter Nikolaus Lentzens geprägt haben. Im April 1944 kamen bei einem Bombenangriff seine Mutter, zwei Geschwister und eine Nichte in einem Keller an der Krakaustraße ums Leben. 1976 starb sein viertes Kind, ein Sohn, an Herzinfarkt.

Diese Schicksalsschläge hatten Nikolaus Lentzen noch mehr geprägt als die Witterung, deren Launen er ständig ausgesetzt war. Und irgendwie schloss sich da der Kreis zu seiner einstigen Raupenbahn: rauf und runter, Licht und Dunkelheit – das war sein Leben.

Die gesamte Familie Lentzen, inklusive aller Enkel, ist im Schaustellerwesen verwurzelt. Mehr Spuren hinterlassen geht nicht. Ihn selber aber wird man im Bilderbogen unserer Stadt vermissen.

Nikolaus Lentzen wird am Mittwoch, 17. Dezember, um 10 Uhr auf dem Friedhof Nirmer Straße in Eilendorf beigesetzt.

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