NightWash: Comedy ohne Schonprogramm

Von: Katharina Menne
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Tolle Comedy auf der Wirtschaftsschau: Während Abdelkarim (links) die Probleme der Marokkaner unter die Lupe nahm, hatte Maxi Gstettenbauer zunächst noch etwas Orientierungsprobleme in der Aachener Landschaft. Foto: Andreas Schmitter
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Tolle Comedy auf der Wirtschaftsschau: Während Abdelkarim (links) die Probleme der Marokkaner unter die Lupe nahm, hatte Maxi Gstettenbauer zunächst noch etwas Orientierungsprobleme in der Aachener Landschaft. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. NightWash außerhalb des Waschsalons – geht das? Dass das geht und wie das geht, zeigten Maxi Gstettenbauer, David Werker, Abdelkarim, Dave Davis und Salim Samatou am Montagabend auf dem Gelände der Euregio Wirtschaftsschau mit einer Comedyshow ohne Schonprogramm.

Jeder bekam sein Fett weg: die Politik, die Jugend, die Ausländer, die Deutschen und nicht zuletzt das Publikum selbst. Moderator Gstettenbauer hätte sich jedoch etwas besser auf seinen Auftritt in Aachen vorbereiten sollen. Wer hier das Publikum zum Toben bringen will, darf garantiert nicht darauf hoffen, dass es bei einem fiktiven Sieg des 1. FC Köln in Begeisterungsstürme ausbricht. Wenn man dann auch noch direkt neben dem Tivoli auftritt und nicht weiß, dass der Aachener Fußballverein „Alemannia“ heißt und auch noch nie im Aachener Dom war, erntet zurecht nur entrüstete Blicke. Im weiteren Verlauf des Abends schaffte er es jedoch, sich mit dem Publikum zu versöhnen und die ein oder andere Spitze in Richtung Jugend und neue Medien sicher zu platzieren.

Dass man es – ob mit oder ohne „Gesellschaftsteilnahmeschein“ – als Marokkaner zurzeit nicht leicht hat in Deutschland, war Thema bei Abdelkarim. Der in Bielefeld geborene Komiker marokkanischer Abstammung berichtete von seinen Erfahrungen als Sohn von Migranten und davon, was sich in den letzten Monaten aus seiner Sicht verändert habe. „Es ist schon schade, dass nicht mehr geklatscht wird, wenn ich aus dem Zug aussteige“, bedauerte er. Es verwundere ihn allerdings nicht mehr so sehr, dass so viele Türsteher ausländischer Herkunft seien, denn sie kämen ja sowieso nicht in die Clubs rein. Dabei sei Marokko doch neuerdings ein sicheres Herkunftsland – was auch immer das bedeute, denn dasselbe gelte schließlich auch für Sachsen...

Comedypreis-Gewinner David Werker outete sich als gestresster Germanistikstudent („knallharte 5-Stunden-Woche“) und ließ das Publikum an seinen Erfahrungen mit Sitznachbarn im Bus teilhaben. „Die Gespräche dort sind besser als jede Comedy-Vorbereitung“, verriet er über eine seiner offensichtlichen Inspirationsquellen. Erhellend waren auch seine Übersetzung von „Pegida“ mit „Paranoide Ex-DDR-Bürger gegen insgesamt drei Asylbewerber“ in Bezug auf die weiterhin geringe Ausländerquote in den östlichen Bundesländern sowie seine Tipps für gelungene Selfies.

Schwarzer Humor

Mit dem Spruch „Scheint dir die Sonne aus dem Popo, hast du auch im Dunkeln Licht!“ machte der „maximal pigmentierte“ Dave Davis alias „der Flüchtling“ das Publikum darauf aufmerksam, wie viel die Deutschen noch von den Afrikanern lernen könnten. Hier würde jeder stets so negativ denken, dabei ginge es uns doch im weltweiten Vergleich außerordentlich gut. Er forderte deshalb dazu auf, einfach mal bekloppte Dinge zu tun und Freude am Leben zu haben, anstatt nur unzufrieden mit dem Ist-Zustand zu sein. So könne man eine Kassiererin mit Muttermalen im Gesicht doch einfach mal fragen: „Sammeln Sie Punkte?“. Oder bei Starbucks den „Coffee to go“ im Stehen trinken.

Doch die heimlichen Stars des Abends waren eigentlich Jutta und ihre Tochter Jasmin aus Aldenhoven. Zielsicher aus der Menge herausgepickt von Improvisationstalent Salim Samatou, waren sie als ungleiches Duo eine Bereicherung für sein Programm. Eigentlich war er zuerst nur auf Jutta aufmerksam geworden, die ihn mit ausladenden Handbewegungen darauf hinweisen wollte, dass es „Stolberg“ und nicht „Adalberg“ heißt. Als er sie fragte, mit wem sie denn hier sei, wurde Tochter Jasmin aufgrund ihres südländischen Äußeren mit dem Kommentar bedacht, sie käme wohl zu „99,9 Prozent auf ihren Vater“.

Bei so viel Schlagfertigkeit blieb dem Publikum kurz die Luft weg. Doch keine der beiden nahm ihm den Spruch übel. Im Anschluss an die Show wollten sie sogar ein Foto mit ihm machen. Diese Stand-Up-Comedy war wirklich mit allen Wassern gewaschen.

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