Niedrigste Arbeiten, dickste Dienstwagen

Von: Oliver Schmetz
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Wird nicht zum Zeugen: Staatsanwalt Hanno Gläsker. Foto: Jaspers

Aachen. Der Zeuge ist ein einfacher Arbeiter. „Angestellter im Altkleiderbereich”, antwortet er auf die Frage nach seinem Beruf. Lastwagen hat er mit gebrauchten Textilien beladen, Container kontrolliert, in der Kleiderkammer gearbeitet.

Er ist kein Mann der großen Worte, aber seine Angaben im DRK-Prozess sind eindeutig: Im Altkleiderbereich seien beim Roten Kreuz in Aachen nur Lkw, keine Pkw eingesetzt worden, sagt der 64-Jährige. Und einen BMW Mini, der laut dem Angeklagten zur Containerkontrolle angeschafft worden sein soll, habe er erst gesehen, als der Skandal um die dicken Dienstwagen des Ex-DRK-Geschäftsführers Gerhard H. publik geworden war - „vorher nie”.

Nur einmal fällt seine Antwort etwas länger aus. Was er in Gesprächen beim DRK über den Mini gehört habe, will der Staatsanwalt wissen. „Ich habe mich selten mit anderen Leuten beim Roten Kreuz unterhalten”, sagt der Mann. „Wissen Sie, die Altkleidersammlung ist so ziemlich die niedrigste Stellung, die man beim DRK haben kann.” Die GmbH, die sich diesen „niedrigen” Diensten widmete, leistete sich gleichwohl einen gehobenen Fuhrpark: Zwei Chevrolets Corvette und besagter Mini wurden laut Anklage von ihr finanziert und von H. privat genutzt.

Auf mehr als 40.000 Euro beziffert die Staatsanwaltschaft den durch die Autos verursachten Schaden, über 70.000 Euro sollen für fingierte Beratung geflossen sein. „Beratung ist kein Problem”, sagt der Justiziar des DRK-Landesverbandes im Zeugenstand, „aber Aachen war einer der bestberatenen Kreisverbände, die ich kenne.”

Bei einem Teil dieser Honorare geht es um eine grenzüberschreitende Ehrenamtsbörse in der Euregio. Auch dafür floss viel Geld ins DRK, erfährt man im Prozess: Alleine 1,2 Millionen Euro schoss die EU hinzu.

Hinter den meisten Beratungen vermutet Staatsanwalt Hanno Gläsker „Deals” zwischen Gerhard H. und dem Ex-DRK-Vorsitzenden. Gegen letzteren ist das Verfahren gegen Zahlungsauflagen vorläufig eingestellt. Als Zeuge verweigerte er die Aussage, um sich nicht selbst zu belasten. Am 9. März, wenn der Prozess fortgesetzt wird, muss er wiederkommen.

Der Staatsanwalt will sein Verfahren endgültig einstellen, damit der Mann reden muss. Verteidiger Gottfried Reims hat dafür nur ein Wort: „Willkür”. Ein Kuriosum wird dem Prozess trotz Dauerfehde zwischen Verteidigung und Anklage aber erspart bleiben: Der Staatsanwalt muss nicht in den Zeugenstand. Diesen provokanten Antrag hat Reims zurückgezogen.
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