Aachen - Nico Riedemann und Johannes Stirnberg: Direktkandidaten der ÖDP

Nico Riedemann und Johannes Stirnberg: Direktkandidaten der ÖDP

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
14538131.jpg
Erstmals zwei Direktkandidaten der Ökologisch-Demokratischen Partein in Aachen: Johannes Stirnberg (links) und Nico Riedemann treten für die ÖDP in Aachen an. Landesweit wollen sie die Ein-Prozent-Marke knacken. Foto: Andreas Cichowski

Aachen. Erstmals seit der Gründung des Kreisverbandes Aachen der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) 2011 tritt die Splitterpartei mit zwei Direktkandidaten zur Wahl an. Nico Riedemann (Wahlkreis I) und Johannes Stirnberg (Wahlkreis II) sind für die Landtagswahl am 14. Mai nominiert und recht frohen Mutes.

 „Es ist der erste richtige Wahlkampf, und wir spüren bereits viel Unterstützung“, sagt Stirnberg, während am Wahlstand am Elisenbrunnen ein Parteifreund Musik auf einem Saxonett spielt und die anderen Infozettel an die Passanten verteilen.

„Menschen sind keine Ware“

Natürlich wandern die oft beim nächsten Abfalleimer in den Müll, aber das geht den Großen wie SPD und CDU in der direkten Nachbarschaft nicht anders. Die, die doch einen Blick in das Faltblatt werfen, finden sechs Schlagwörter, mit denen die ÖDP ihr Wahlprogramm auf einem handlichen DIN-A4-Zettel komprimiert hat: „Ökologisch denken und handeln“, „Erneuerbare Energie“, „Ländlicher Raum“, „Zurück zu G9“, „Menschen sind keine Ware“ und „Neue Strukturen“.

Nicht alles davon gehört zu den Schwerpunkten der beiden Direktkandidaten: Nico Riedemann, 27-jähriger Politikstudent und zurzeit Praktikant beim ÖDP-Vertreter Klaus Buchner im Europäischen Parlament in Brüssel, nennt vor allem die Stärkung der direkten Demokratie auch durch die neuen digitalen Möglichkeiten sowie die Ausrichtung auf ein ökologisches Denken als seine politischen Ziele. „Es gibt ein Ungleichgewicht der Einflussnahme zugunsten der Wirtschaft“, hat er vor allem jetzt während des Praktikums in Brüssel wahrgenommen.

Ökologisch ausgerichtet

Wie Riedemann nennt auch Stirnberg, 45 Jahre älter als sein Kandidaten-Kollege und als Dozent für Rechnungswesen zudem in einem ganz anderen Bereich tätig, die ökologische Ausrichtung des Landes und die Bekämpfung der „sozialen Verwerfungen“ als seine vorrangigen Ziele. Dazu gehöre die Ausrichtung der Landwirtschaft auf eine ökologische Bewirtschaftung und ein funktionierendes Konzept für den Öffentlichen Nahverkehr genauso wie ein „humanökologisches Grundeinkommen“, das bislang allerdings nur der NRW-Landesverband der ÖDP in seinem Wahlprogramm verankert hat. Auf Bundesebene ist diese Entscheidung hingegen noch nicht gefallen.

Mit „humanökologisch“ ist vor allem die Finanzierung gemeint: Zum Beispiel durch die „gerechte Besteuerung“ von energieintensiven Unternehmen, die bislang noch steuerbegünstigt sind, oder der stärkeren Besteuerung von Kerosin und Produkten aus Massentierhaltung. Auch den Steuersatz für Reiche will Riedemann anheben. Verbieten liegt ihm dagegen nicht so sehr. „Das ist immer blöd. Aber über finanzielle Anreize lassen sich Richtungen verändern.“

Stirnberg will außerdem beim wichtigsten Thema des Landtagswahlkampf ein Wörtchen mitreden: Bildung. Mit ihm und der ÖDP werde es ein „ganz neues“ G9-Abitur geben. „Wir brauchen deutlich mehr Aufmerksamkeit für ethische Fächer“, sagte der Vater von fünf Kindern. „Das gilt auch fürs Studium. Wir müssen weg vom fachlichen Tunnelblick. Wir brauchen mehr Humanismus in der Bildung.“

Sie bleiben realistisch

Über das Thema Sicherheit sprechen beide hingegen nicht. Da findet sich auf dem Infozettel unter „Neue Strukturen“ zum einen die Stärkung des Polizistenberufes, aber auch „ein goldener Mittelweg in der Asyl- und Einwanderungspolitik“. Gemeint ist damit eine „wirksame Fluchtursachenbekämpfung“, aber auch ein „Asylantragsverfahren in den Herkunftsländern oder sicheren Drittstaaten“.

Unrealistische Vorstellungen machen sich die beiden über das Wahlergebnis der ÖDP allerdings nicht: „Natürlich möchten wir die fünf Prozent erreichen, aber realistisch ist das Überspringen der Ein-Prozent-Marke“, gab sich Stirnberg ganz realpolitisch. Aber auch damit sei ein wichtiges Ziel erreicht: Die Refinanzierung der Wahlkampfkosten und damit das nötige Kleingeld für den Druck der nächsten Infozettel und Wahlplakate für die Bundestagswahl im September. Dann stehen Riedemann und Stirnberg sicher wieder Seite an Seite am ÖDP-Stand.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert