Aachen - Nichts erkennbar, bevor riesiger Baum fällt

Nichts erkennbar, bevor riesiger Baum fällt

Von: Robert Esser
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Verborgene Schäden mit gewaltigen Folgen: Erst kurz über der Baumwurzel sind Verfärbungen sichtbar, die auf verfaulte Wurzeln hinweisen. Foto: Michael Jaspers / Robert Esser
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Von außen sah die Robinie, die Experte Maurice Vonhoegen auf der Wilhelmstraße untersucht, völlig intakt aus. Foto: Michael Jaspers / Robert Esser

Aachen. Auf Holz geklopft, Glück gehabt: Wer von einem 18 Meter hohen und über fünf Tonnen schweren Baum getroffen wird, hat nämlich in der Regel schlechte Karten. Deswegen hat der Aachener Stadtbetrieb am Montag – nach dem plötzlichen Sturz einer gewaltigen Robinie quer über die Wilhelmstraße, die am Sonntagnachmittag nur knapp ein vorbeifahrendes Auto verfehlte – einen weiteren Baum gefällt.

Direkt daneben, Sicherheit geht vor. „Problematisch ist, dass vorher absolut nicht absehbar war, ob hier ein Baum fällt“, erklärt Peter Maier, Leiter des Stadtbetriebs. Er begleitete die Kolonne, die am Montag direkt vor dem Suermondt-Ludwig-Museum (SLM) einen weiteren Baum fällte und weitere untersuchte. Deswegen muss über Stunden eine Spur Richtung Normaluhr gesperrt werden. Der Berufsverkehr auf dem Ring staut sich deswegen schon am Morgen über einen Kilometer lang Richtung Bastei.

Auf der ganz typisch tief gefurchten Robinien-Borke waren keine Auffälligkeiten erkennbar. „Nichts deutete darauf hin, dass der Baum krank war – auch eine Kernbohrung zur Analyse des Stamms würde hier nichts bringen“, sagt Ilse Stollenwerk, Abteilungsleiterin Grünpflege. Trotzdem: Beide Robinien – die am Sonntag umgestürzte und die am Montag vorsorglich gefällte – waren stark geschädigt. Die Wurzeln waren faul.

„Das zeigt sich natürlich erst, wenn man die Wurzel in Augenschein nehmen kann“, erläutert Maurice Vonhoegen. Der städtische Baumkontrolleur vermutet, dass das Wurzelwerk in den vergangenen Jahrzehnten – womöglich durch metertiefe Kanalbauarbeiten unter der Wilhelmstraße – verletzt wurde. Dann können Pilze eindringen und über Jahre hinweg entsprechende Schäden verursachen – bis der riesige Baum schließlich seinen Halt verliert, mitsamt Wurzel aus dem Boden bricht und fällt.

In diesem „Fall“ zum Glück nicht an einem Werktag, wenn die Wilhelmstraße tagsüber stark befahren ist. Tatsache ist allerdings auch, dass die betroffenen Robinien schon recht betagt waren. Auf über 70 Jahre schätzt Vonhoegen ihr Alter. „Im urbanen Umfeld können Robinien bis zu 100 Jahre alt werden, in ihrem natürlichen Umfeld im Wald jedoch bis zu 300 Jahre“, klärt der Experte auf.

„Schnellstmöglich“ sollen nun an der abgeholzten Wilhelmstraße vor dem SLM neue Bäume gepflanzt werden, keinesfalls aber vor diesem Herbst. Wahrscheinlich werden es Amber-Bäume, schmal und hoch wachsend.

Rund 100.000 Bäume zählt die Stadt Aachen insgesamt, davon etwa 34.000 am Straßenrand, darunter wiederum circa 400 Robinien. Jeder Baum wird von den städtischen Baumkontrolleuren zweimal pro Jahr auf Gesundheit und Standfestigkeit überprüft. Aber zuweilen, wie bei den Robinien an der Wilhelmstraße, sei es eben unmöglich, vorhandene Schäden im Wurzelwerk vorab zu erkennen, wie Stadtbetriebs-Chef Maier betont.

Übrigens: Wer glaubt, dass besonders Kulturinteressierten der jüngste „Baumfall“ gelegen kam, weil nun erstmals nach Jahrzehnten wieder ein freier Blick auf die Front des Suermondt-Ludwig-Museums möglich ist, befindet sich natürlich auf dem Holzweg.

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