Nicht nur Pappkameraden stehen Spalier

Von: Robert Esser und Albrecht Peltzer
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Stimmprobe: Bei seiner Ankunft zur Generalprobe im Eurogress wurde FDP-Chef Christian Lindner gestern Nachmittag von Jungen und Mädchen der Domsingschule lautstark begrüßt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Erst ernste Sätze zum Rücktritt des Agrarministers, im nächsten Moment schon strahlendes Alaaf: „Es gibt verrückte Tage, an denen Flexibilität gefragt ist“, sagt Christian Lindner. Als der FDP-Chef am späten Freitagnachmittag zur Generalprobe der AKV-Festsitzung „Wider den tierischen Ernst“ im Aachener Eurogress eintrifft, scharen sich Reporter, Fotografen und Fernsehteams um den jüngsten Ritter in der Geschichte des Aachener Karnevalsvereins.

Da räumt der 35-Jährige so sympathisch wie ehrlich ein: „Ich bin die politische Bühne gewohnt, da fühle ich mich sicher. Aber diese Bühne hier am Samstag. . . Ich freue mich darauf, aber ich habe Lampenfieber.“

In seiner Ritterrede wird er das politische Geschäft, seine Partei und nicht zuletzt sich selbst närrisch auf die Schippe nehmen. Ob er feucht-fröhliche Karnevalsfeiern mag? „Naja, bei der FDP gab‘s ja zuletzt wenig Hochprozentiges“, antwortet der Liberale staubtrocken spontan. Alles lacht. Die Kinder der Domsingschule, der AKV-Elferrat um Präsident Dr. Werner Pfeil, Promi-Künstler wie Ingolf Lück, Techniker, Beleuchter. . . Alle werden gegrüßt und angestrahlt.

Kein Zweifel: Ritter Christian fühlt sich wohl in der Kaiserstadt. Auch er weiß, dass weit über 200 Mitwirkende, TV-Profis und ungezählte Ehrenamtler seit einer Woche intensiv am perfekten Ablauf der Festsitzung feilen. „Aufregend wird das“, sagt Pfeil. Und herzt Co-Moderator Rolf Gerrards sowie Tagesschau-Sprecher Jens Riewa, die ihm zur Seite stehen. Wobei einer der beiden schon verloren hat: jede Menge Kilos. Riewa wirkt im Vergleich zum Vorjahr um über 40 Pfund schlanker, um 100 Prozent motivierter und mindestens zehn Jahre jünger. Ein Zeitreisen-Phänomen zur 64. Ordensverleihung.

Apropos Zeit: Über dreieinhalb Stunden soll die Show am Samstag im längst zum Fernsehstudio umgebauten Europa-Saal rund 1250 Zuschauer verzaubern (Verfolgen Sie die Sitzung ab 19.30 Uhr hier in unserem Liveblog).

Am Montag, 21.15 Uhr, direkt nach der Olympia-Berichterstattung, will die ARD mit 105 karnevalistischen Minuten aus Aachen glänzen. Goldig bleibt‘s garantiert. Nicht nur wegen der vielen Kinder, glitzernden Prinzen-Outfits und kecken Tanzformationen im Programm. Es heißt sogar, dass Ingolf Lück als Kaiser Karl eine Art Medaille auf seinem Thron-Treppchen präsentiert. Mehr wird nicht verraten.

37 Seiten zählt der Ablaufplan der Live-Sitzung. Wobei lokale Spitzenkräfte wie die 4 Amigos oder Josef, Jupp und Jüppchen von TV-Comedy-Profis à la Ingo Appelt, Jörg Knör, Guido Cantz und Lück deutschlandweit sendetauglich verpackt werden. Vor Ort ist außer Lück zur Generalprobe keiner. Die Prominenten „spielt“ Eva aus der TV-Produktionscrew. Einleuchten der Scheinwerfer für jeden Programmpunkt, Soundcheck, Anweisungen für zehn Kameras.

Welcher Pappkamerad wann in Szene gesetzt wird, wird sekundengenau geplant. Denn auch die prominenten Gäste im Publikum – von Hans-Dietrich Genscher bis Ulla Schmidt – sind am Freitag nur als große Fotos auf den Stühlen platziert. Wobei Ranking sowieso wichtig ist: 13 Prozent Einschaltquote lautet das erklärte Ziel; ab nächster Woche werden AKV und WDR über die Positionierung der TV-Sitzung einen neuen Vertrag für die kommenden Jahre verhandeln. Erstes Programm oder dritte Liga? Es steht einiges auf dem Spiel für die Aachener Narren. Und das ist – ganz ordentlich – wieder eine tierisch ernste Sache.

Verfolgen Sie die Sitzung am Samstag ab 19.30 Uhr in unserem Liveblog

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