Nicht nur Kritik an der „Projektivitis“

Von: Katrin Haas
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Aachen. Wie kann ein interkulturelles Schulleben gelingen? Und welche Unterstützung benötigen die Schulen dabei? Über diese Fragen diskutierten die rund 140 Teilnehmer des Fachtages „Vielfalt in Schule – Chancen und Herausforderungen interkultureller Schulentwicklung“ in verschiedenen Workshops.

Das Kommunale Integrationszentrum und der Arbeitskreis der Integrationsräte der Städteregion Aachen hatten dazu in das Haus der Städteregion eingeladen. „Wir sind völlig überwältigt von dem Zuspruch“, erklärte Andrea Genten, aus dem Leitungsteam des Kommunalen Integrationszentrums der Städteregion. Anschließend an die Workshops diskutierten NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann, Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrates NRW, Dr. Petra Heinrichs von der Bezirksregierung Köln, Doris Harst, Vorsitzende des Schulausschusses der Städteregion und Gabriele Roentgen, Leiterin des Arbeitskreises Schulentwicklung, über die Unterstützung der Schulen im Prozess der interkulturellen Schulentwicklung.

Löhrmann erklärte, dass ein systematisches Vorgehen in der Bildungspolitik das wichtigste Ziel sei: „Wir haben kein Erkenntnis-, wir haben ein Umsetzungsproblem.“ Sie kritisiert die „Projektivitis“ in der Vergangenheit, wo die Förderung der Kinder vom Zufall abhängig gewesen sei. Dr. Petra Heinrichs erklärte, dass einerseits im Unterricht, aber auch an der ganzen Schule eine Veränderung stattfinden müsse. Beispielsweise durch einen Sprachbeauftragten, der den Prozess an der jeweiligen Schule koordiniert. Auch die Arbeit des Projektes „QuisS – Qualität in sprachheterogenen Schulen“ müsse noch stärker koordiniert werden.

Tayfun Keltek betonte: „Ziel ist es, die Öffentlichkeit auf die Potenziale der Migranten aufmerksam zu machen.“ Dabei forderte er, dass die Zweisprachigkeit viel mehr als ein Gewinn erkannt werden müsse. Löhrmann sah gerade hier einen Mentalitätswechsel, die Potenziale würden immer mehr erkannt. Dagegen stellte Doris Harst fest: „In der Praxis ist es ein zähes Ringen.“ Der Vorwurf: Schulen, Kommunen und Eltern würden oftmals nicht gut genug zusammenarbeiten. „Ich würde mir wünschen, dass da mehr in der Praxis umgesetzt wird.“

Gabriele Roentgen verwies dabei auf das Angebot des Bildungsbüros, bei dem ausgebildete Schulentwicklungsbegleiter die Schulen langfristig unterstützen: „Das wird als unglaubliche Entlastung empfunden.“ Die Teilnehmer der Workshops forderten sowohl eine finanzielle als auch versetzungsrelevante Aufwertung des muttersprachlichen Unterrichts. Sie kritisierten, dass oftmals gut funktionierende Projekte mangels Finanzierung nicht weitergeführt wurden.

In der Diskussion wurden einerseits mehr Regulierung, andererseits aber auch mehr Autonomie der Schulen gefordert. Löhrmann entgegnete: „Wir haben ein Schulgesetz, das den Rahmen vorgibt. Innerhalb dessen können die Schulen entscheiden.“ Auf die Frage nach dem Ende des dreigliedrigen Schulsystems entgegnete sie: „Es kann nicht sein, dass manche Schulen für die Probleme zuständig sind und andere sich die Rosinen rauspicken.“

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