Nicht im Terrorkostüm in die tollen Tage

Von: Oliver Schmetz
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Aachen. Wer sich in diesen Zeiten ausgerechnet in kriegerischer Montur in die tollen Tage stürzen will, verabschiedet sich zwar alleine dadurch eigentlich schon aus dem Kreis der ernstzunehmenden Zeitgenossen – wird aber dennoch besonders ernst genommen werden. Und zwar von der Polizei.

Diese hat nämlich am Mittwoch in Aachen mitgeteilt, dass solche Fälle durchaus ein „polizeiliches Einschreiten“ nach sich ziehen werden. Auf dem Index steht dabei „alles, was einen militärischen Eindruck macht“, sagt Polizeisprecherin Petra Wienen – also beispielsweise Tarnwesten und jegliche Arten von Militäruniformen. Auch vermeintliche Scherzbolde, die sich als IS-Kämpfer verkleiden möchten, können sich laut Wienen auf Polizeikontakte gefasst machen. Und insbesondere gelte das für das „Tragen und Mitführen täuschend echt aussehender Kriegswaffen oder gar Sprengstoffgürteln oder ähnlicher Dinge“, die dazu geeignet sind, „andere in Angst und Schrecken zu versetzen“.

In solchen Fällen werde die Polizei die Personalien der betreffenden Personen überprüfen und auf ein Ablegen der „Bewaffnung“ und gegebenenfalls auch auf einen Kostümwechsel drängen, kündigt die Polizeisprecherin mit Blick auf die nach wie vor angespannte Sicherheitslage im Land an: „Wir müssen in jedem Fall klären, ob es nicht doch einen ernsten Hintergrund gibt.“ Kostümknöllchen werde die Polizei zwar wohl nicht verteilen, aber gerade im Falle der sogenannten „Anscheinswaffen“ – also Attrappen, die den Anschein erwecken, echt zu sein – ist laut Wienen eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz möglich. Solch eine Erfahrung machte in dieser Session bereits ein Penngardist, der auf der Straße von Streifenbeamten „entwaffnet“ wurde.

Der Sicherheitslage ist ebenfalls geschuldet, dass die Polizei – wie auch das städtische Ordnungsamt – beim Straßenkarneval und den Umzügen starke Präsenz zeigen will. Die Zahl der Beamten soll deutlich erhöht werden, außerdem sollen Polizeianwärter eingesetzt werden. Zum Sicherheitskonzept, das die Polizei mit dem Festausschuss Aachener Karneval (AAK) und der Stadt erarbeitet hat, gehöre auch, „dass wir an allen Tagen anlassbezogen Personenkontrollen durchführen und konsequent gegen Straftäter und Unruhestifter vorgehen“, so Wienen.

Nach dem Lkw-Attentat gegen den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche sollen, wie bereits berichtet, außerdem ähnliche Angriffe auf die Karnevalszüge verhindert werden. An neuralgischen Stellen werden „Rückhaltesperren“ aus Fahrzeugen des Veranstalters, der Stadt, der Stawag und der Aseag gebildet. Sie sollen verhindern, dass Fahrzeuge in die Umzüge hineinfahren können. Besucher und Anwohner müssen laut Stadt auch davon ausgehen, dass mit dem Aufbau sämtlicher Sperren rund um den Zugweg am Sonntag und am Montag früher als sonst begonnen wird. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen hoffen alle Beteiligten, dass an den tollen Tagen der Spaß im Vordergrund steht. Fröhlich, friedlich – und im richtigen Kostüm.

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