Nicht ausgebildet, aber erfahren

Von: Kathrin Albrecht
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Hat über das Projekt „Perspektive 50plus“ wieder einen Job gefunden: Dieter Stein (vorne). Das freut auch Thomas Düringer, Dieter Begaß, Doris Bastin und Marlies Kolley-Mohnen (hinten v.l.). Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Dieter Stein hat immer gearbeitet, 37 Jahre lang, seit dem 17. Lebensjahr. Dann, von jetzt auf gleich, wurde er arbeitslos. Das war 2011, mit über 50 Jahren. „Ich bin in ein schwarzes Loch gefallen“, erzählt er über diese Zeit. Früher habe es immer irgendwie geklappt, da sei er immer irgendwo untergekommen. Aber so einfach war es dieses Mal nicht mehr.

Die Berufswelt hatte sich in den 30 Jahren verändert, Computerkenntnisse waren nun gefragt, die er aber nicht besaß. Eine Berufsausbildung hatte er auch nicht, aber Fachkenntnisse in der Bearbeitung von Glaskörpern, die er einbringen konnte. Die Rettung kam für Dieter Stein ausgerechnet in der Übergangszeit vom Arbeitslosengeld I ins Arbeitslosengeld II. „Das Jobcenter hatte mir eine Fortbildung angeboten, da habe ich mitgemacht“, erinnerte sich der 54-Jährige. Die Fortbildung, die Dieter Stein weiterhalf, ist Teil des Bundesprojektes „Perspektive 50plus“, das vor allem über 50 Jahre alte langzeitarbeitslose Erwerbstätige bei der Suche nach einem neuen Job begleitet und unterstützt.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der intensiven Begleitung: mit Bewerbungstrainings, EDV-Schulungen und persönlichen Coachings, in denen gezielt an den eigenen Fähigkeiten gearbeitet wird, werden die Teilnehmer wieder fit für den ersten Arbeitsmarkt gemacht. Koordiniert wird das Projekt vom Fachbereich für Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen in Kooperation mit den Jobcentern in der Region, das Einzugsgebiet umfasst dabei sogar Teile der Stadt Duisburg. „Als ich vor zehn Jahren den ersten Förderantrag gestellt habe, hätte ich nicht gedacht, dass das Projekt fast zehn Jahre laufen würde“, sagt Dieter Begaß.

Es spreche auch für den Erfolg des Projektes: 2005 lag der bundesweite Anteil der Erwerbstätigen über 50 Jahre bei 37,3 Prozent. 2013 ist der Anteil auf 48,4 Prozent gestiegen. Heruntergerechnet auf die Städteregion sind seit Beginn des Projektes 4300 Menschen vermittelt worden, im laufenden Jahr 2014 bislang 583 Menschen. Sicherlich, räumt Begaß ein, sei dies nicht nur auf „Perspektive 50plus“ zurückzuführen. Bedingt durch den demografischen Wandel öffneten sich Unternehmen auch für Gruppen, die bislang wenig Chancen hatten. Dennoch liegen die Vorteile dieser Erwerbstätigengruppe auf der Hand: „Sie sind hoch motiviert, erfahren und loyal“, erläutert Doris Bastian, Teamleiterin des Projektes beim Jobcenter der Städteregion Aachen.

Ende 2015 läuft die Förderung des Projekts durch Bundesmittel aus. Trotz dieser Perspektiven ist sich Begaß sicher, dass „Perspektive 50plus“ weiterhin eine Zukunft haben wird. „Entscheidend für den Unternehmenserfolg ist die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter. Gerade die älteren Arbeitnehmer bringen da viel mit.“ Auch Dieter Stein hat inzwischen wieder einen Job gefunden. Seit Juni 2013 ist er in der Glasabteilung der Ludwig Mohren KG beschäftigt. Das seit 1860 bestehende Unternehmen stellt Armaturen mit Sichtfenstern für die Industrie her. „Wir agieren wie ein großes Industrieunternehmen, brauchen aber Menschen, die handwerklich denken und auf den Zehntelmillimeter genau arbeiten können,“ erklärt Geschäftsführer Thomas Düringer. Stein brachte genau das mit. Zwar besitzt er keine Berufsausbildung, aber jahrelange Berufserfahrung. Inzwischen kann er, der nicht mal einen PC zu Hause hatte, eine computergesteuerte Maschine bedienen. „Vor dieser persönlichen Entwicklung ziehe ich meinen Hut“, sagt Düringer.

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