Aachen - Neustart: RWTH will Campus West kaufen

Neustart: RWTH will Campus West kaufen

Von: Oliver Schmetz
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Aachen. Neun Jahre nach dem Startschuss geht es für das Großprojekt Campus West sozusagen zurück auf Los: Denn die RWTH Aachen hat am Donnerstag öffentlich ihr Interesse bekundet, dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) das riesige Areal am Westbahnhof abkaufen zu wollen – worin wohl alle Beteiligten eine große und die vermutlich einzige Chance auf einen Neustart sehen.

RWTH-Pressedezernent Thorsten Karbach spricht in diesem Zusammenhang auf AZ-Anfrage gar von einer „tollen Dynamik“, die die jüngsten Gespräche unter diesen neuen Vorzeichen geprägt habe. Und auch Stadtsprecher Bernd Büttgens spricht davon, dass man in der Stadtverwaltung nun auf einen „Neuanfang“ hoffe.

Unter Federführung des BLB stand das Projekt, das nach dem Campus Melaten ein zweites Glanzlicht in der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Forschung setzen soll, vor allem für eines: Stillstand. Seit der Landesbetrieb im Jahr 2008 die rund 300.000 Quadratmeter großen Flächen entlang der Süsterfeldstraße für rund 50 Millionen Euro von der Bahn gekauft hatte, passierte dort – abgesehen vom Abriss der Bahnanlagen – nicht mehr viel.

Über mehrere Jahre hinweg lag das Vorhaben sogar komplett auf Eis, weil es auf Landesebene auf den finanziellen Prüfstand gestellt worden war. Und dann sorgte der BLB auch noch kurz vor der jüngsten Landtagswahl bei allen Beteiligten für maximale Verwirrung, als er per Pressemitteilung verkündete, das Projekt an ein „Aachener Konsortium“ aus Hochschule, Stadt und regionalen Industriepartnern verkaufen zu wollen – was Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp umgehend und ausgesprochen irritiert dementierte.

Dass nun die RWTH am Campus West das Kommando übernehmen möchte, verwundert indes kaum – liegt die Entwicklung des Areals doch im ureigenen Interesse der Hochschule. „Durch den Kauf soll einerseits der wissenschaftliche Zweck des Areals Campus West langfristig gesichert werden, andererseits soll eine maximale Effizienz bei der Campus-Entwicklung ermöglicht werden“, sagt RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven. Außerdem biete der Erwerb des Geländes der Hochschule „größeren Gestaltungsspielraum“, ergänzt die Geschäftsführerin des BLB NRW, Gabriele Willems.

Letzteren bieten die riesigen Flächen in der Tat, doch sollte man nicht erwarten, dass dort nun sofort etwas passiert. Die „klärenden Gespräche“ sollen laut RWTH voraussichtlich bis Ende dieses Jahres dauern. Über einen möglichen Kaufpreis hüllt man sich in Schweigen. „Zuerst muss das Ergebnis des Wertgutachten abgewartet werden, das der BLB in Auftrag gegeben hat, sagt Karbach.

Doch man sitze jetzt tatsächlich „in sehr zielführenden und konstruktiven Gesprächen“ beisammen, betont der RWTH-Sprecher – was sich so anhört, als sei dies in der Vergangenheit eher selten der Fall gewesen. Aber auch nach einem Kauf geht es wohl noch nicht direkt los. „Es gibt keine fertigen Cluster-Pläne, die man direkt umsetzen könnte“, so Karbach, „sondern unsere Ideen werden dann konkret weiterentwickelt, wenn Baurecht abzusehen ist.“

Dass die Politik auf dem Weg zu diesem Baurecht just an diesem Donnerstag im Planungsausschuss eine Überarbeitung des längst überholten Campus-West-Masterplans beschließen will, ist kein Zufall. Bei der RWTH macht man keinen Hehl daraus, dass man mit der Pressemitteilung ein Signal setzen wolle und den politischen Beschluss als „wichtigen Meilenstein“ sehe. Allerdings ist der Weg durch den Planungsprozess noch weit. Frühestens im Mai 2019 könnte Baurecht herrschen. Es dauert also noch, bis am Campus West der Neustart sichtbar wird.

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