Neuneinhalb Jahre für tödliche Stiche im Wohnheim

Von: Wolfgang Schumacher
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Tatort Übergangswohnheim: Im November 2013 rückte die Polizei dort mitten in der Nacht mit großem Aufgebot an. Foto: Georg Schmitz

Aachen/Geilenkirchen. Ein zweites Mal könne man Jurij L. seine Version einer Notwehrtat nicht durchgehen lassen. Alle Anzeichen am Tatort sprächen dafür, dass er einen Mitzecher aus dem Geilenkirchener Übergangswohnheim am 23. November 2013 „in Tötungsabsicht“ brutal erstochen habe.

Das sagte Richter Arno Bormann am Montag bei der Urteilsverkündung durch das Aachener Schwurgericht.

In den 1990er Jahren sei L. in einem ähnlichen Fall mit einer Notwehr-Version von einem Gericht in Kasachstan freigesprochen worden. Bei der vorliegenden Tat greife die Einlassung des ehemaligen Kochs, er habe sich wehren müssen, nicht. Für die Tötung und für eine weitere am 9. Oktober in Heinsberg begangene gefährliche Körperverletzung kassierte der 57-Jährige nun eine Gesamtstrafe von neun Jahren und sechs Monaten Haft. Er muss außerdem in dieser Zeit eine Entzugstherapie machen.

L. hatte immer wieder in der Verhandlung vor dem Aachener Landgericht behauptet, er habe das Opfer, einen ihm seit längerem bekannten Mitzecher aus dem Wohnheim, wegen seines Verhaltens am Morgen des 23. November nur zur Rede stellen wollen. Dann sei er aber von diesem mit einem langen Küchenmesser angegriffen worden. In dem kleinen und mit Gegenständen voll gestellten Zimmer habe L. jedoch keine Fluchtmöglichkeit gehabt und sich mit einem Küchenmesser wehren müssen - Notwehr also.

Doch L. hatte dem Opfer in kürzester Zeit fünf wuchtige Stiche beigebracht, vier davon in den linken Brustkorb und dort in unmittelbare Nähe des Herzens. Der Körper des Toten lag rücklings auf einem Bett, das 20 Zentimeter lange Todesmesser steckte beim Auffinden der Leiche noch in der Brust.

Bormann sah zwar eine - wenn auch nur geringe - Mitschuld des Opfers, weil der Mann am Morgens des Tattages aus unerfindlichen Gründen wegen einer Nichtigkeit einen weiteren Mitzecher ebenfalls mit einem Messer angegangen war. Dabei hatte er diesen so verletzt, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste.

Doch L.s spätere Opfer habe durchaus sein Fehlverhalten eingesehen. Er brachte sein Opfer mit ins Krankenhaus, am Ende des Tages aßen (und tranken) beide wieder gemeinsam in der Wohnung von Jurij L. zu Abend.

Letzterer habe dann unter Alkohol irgendwann nahe Mitternacht beschlossen, in das Wohnheim zu gehen und den Täter zur Rede zu stellen. „Wir gehen nicht davon aus“, so das Gericht, „dass der Angeklagte bereits mit Tötungsabsicht los ging“. Dann aber, im Wohnheim, habe er den Entschluss gefasst, sein Opfer zu töten.

Im Monat zuvor hatte der alkoholabhängige Angeklagte bereits Streit mit der Mutter seiner - ebenfalls trinkenden - Lebensgefährtin in Heinsberg. Aus Ärger über seinen Rauswurf habe er sodann den Lebensgefährten der Mutter niedergeschlagen und dem Bewusstlosen noch Messerschnitte auf dem Bauch beigebracht. Auch er musste im Krankenhaus behandelt werden. Der Angeklagte hatte diese Tat bis zuletzt völlig geleugnet.

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