Neun Jahrzehnte Bend: Zwischen Dosenwerfen und Adrenalin-Kick

Von: Svenja Pesch
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Nicht vom Bend wegzudenken: Antonia Weber und ihr Dosenwerfen gehören ebenso zur Tradition des Volksfestes ... Foto: Andreas Steindl
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... wie die süßen Herzen mit Liebesbotschaften. Foto: Andreas Steindl
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Erstmal Freibier: Der Fassanstich, den diesmal Ratsherr Klaus-Dieter Jacoby (Mitte) zusammen mit Peter Loosen (l.) und Rolf Lentzen vom Schaustellerverband vornahm, gehört ebenfalls zur Bend-Tradition.
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Betreten erwünscht: Die Baustelle „Krumm und Schief“ begeistert Kinder wie die sachsjährige Emma, ...
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... während sich am Autoscooter – 1926 wurde er aus den USA importiert – stets die Jugend tummelt.

Aachen. Neu erfunden habe er die Kirmes nicht, so Rolf Lentzen vom Aachener Schaustellerverband. Seine Aussage mag auf den ersten Blick vielleicht etwas hart klingen, aber Lentzen weiß, wovon er spricht. Da sind 90 Jahre Bend am jetzigen Standort zwar ein Grund zum Feiern, aber das Rad wurde dadurch nicht neu erfunden. Und so ergänzt er lachend: „Kirmes kommt immer gut an. Das war vor 90 Jahren so und ist auch heute der Fall.“

Allerdings ist der Sommerbend, der dieses Jahr seinen 90. Geburtstag feiert, Grund genug, ein wenig auf Spurensuche zu gehen. Was hat sich geändert und was ist nach wie vor die Attraktion schlechthin? Traditionell ist der Fassanstich, der auch dieses Jahr vom „Köbes vom Dienst“ – Rolf Lentzen – vollzogen wurde. Inmitten von Besuchern wurde reichlich Eröffnungsbier ausgeteilt.

„Das gehört einfach dazu, immerhin feiern wir hier alle gemeinsam ein paar tolle Tage“, sagt Peter Loosen, Chef des Schaustellerverbandes, dessen Familie im Besitz des Bogenkastens ist. Die alte Kirmesorgel stammt aus dem Jahr 1911 und ist damit sogar älter als das Fest auf dem 40.000 Quadratmeter großen Rummelplatz. Aber schon damals, als die ganze Familie das Volksfest besuchte, sorgten typische Kirmesdinge für ein ganz besonderes Flair. Gebrannte Mandeln, Zuckerwatte und Herzen mit Liebesbotschaften wurden sicherlich schon damals verteilt. „An der Stimmung auf dem Kirmesplatz hat sich nicht viel geändert, aber die Fahrgeschäfte sind natürlich über die Jahre moderner geworden.

Schiffschaukel, Achterbahn oder auch die Raupenbahn waren damals aus Holz und 1926 kam der erste Autoscooter aus Amerika nach Deutschland“, sagt Lentzen. Stichwort Autoscooter: Grell blinkende Lichter, laute Musik und viele Jugendliche, dich sich um den Fahrplatz reihen, bestimmen dort das Bild. Schon längst ist der Öcher Bend nicht nur Familienausflugsziel, sondern gern gesehener Platz zum Feiern, Essen und Trinken. Schokofrüchte, Reibekuchen mit Apfelmus oder Wein, Bier und Cocktails komplettieren das Angebot, das jedes Mal mit neuen Attraktionen für Begeisterung sorgt.

Dieses Jahr lässt die 50 Meter hohe „Swinging Machine XXL“ bei manch einem Besucher den Atem stocken. Aber auch die Wildwasserbahn „Big-Splash“ oder besonders für die kleinen Gäste die „Baustelle Krumm und Schief“ machen die Kirmes zu einem Erlebnis.

Die sechsjährige Emma kommt mit einem Lachen aus besagter Baustelle. Vor allem die lange Rutsche sowie das Spiegelkabinett haben ihr besonders gut gefallen. Nur ein paar Meter weiter, vorbei an der Raupenbahn und einem Eisstand, steht Antonia Weber. Sie schafft es auch ohne viel Bling-Bling und große Showeffekte, die Menschen anzuziehen. Denn ihre Bude ist zeitlos und sogar generationsübergreifend.

„Dosenwerfen wird immer noch gerne gemacht, denn hier werden Erinnerungen wach. Wenn der Opa mit dem Enkel über den Bend läuft, bleibt er meistens bei uns stehen und erzählt, wie er damals hier Dosen geworfen hat. Und schon versuchen die Beiden ihr Glück“, erzählt Weber. „Hier muss man noch selbst aktiv werden und sich nicht einfach hinsetzen und abwarten. Außerdem ist es immer schön zu sehen, wie Freunde und Familie mitfiebern oder schadenfroh sind“, ergänzt Weber.

90 Jahre Öcher Bend: Da treffen klassische Buden auf hochmoderne Adrenalin-Attraktionen Und trotz immer schnellerer, spektakulärerer Fahrgeschäfte zeigt auch der diesjährige Sommerbend, dass manche Dinge niemals aus der Mode kommen werden. So findet man es zu später Stunde dann doch noch: Ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Meine Prinzessin“ wird von einer Kirmesbesucherin mit Stolz getragen. Genau wie damals!

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