Aachen - Neujahrsempfang: Vereine mahnen bezahlbare Räume an

Neujahrsempfang: Vereine mahnen bezahlbare Räume an

Von: Christoph Classen
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„Ohne bezahlbare Veranstaltungs- und Proberäume ist die Arbeit der Vereine in Zukunft nicht möglich”, appellierte Börjerwehr-Kommandant Willi Schillings beim Neujahrsempfang im Rathaus. „Vereinsmensch” und OB Marcel Philipp will nun einen Beirat einrichten. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Mit dem gesellschaftlichen Parkett ist das ja so eine Sache. Schnell wird es so glatt wie eine verschneite Straße ohne Streusalz. Marcel Philipp scheint mit solchen Bedingungen bestens zurechtzukommen.

Bislang zumindest machte der Oberbürgermeister bei seinen öffentlichen Auftritten einen souveränen Eindruck. Und der Neujahrsempfang mit den Vereinen Montagabend im Krönungssaal bildete da keine Ausnahme.

Vor rund 700 Menschen sprach Philipp dort, knapp 25 Minuten dauerte seine Rede. Und an manchen Stellen, da formulierte der erste Bürger Dinge, die ließen ebenso sehr aufhorchen, wie die galanten Klänge des Instrumentalvereins Eilendorf 1869, der unter Leitung von Marc Doomen der Veranstaltung ihre musikalische Note gab.

„Wir müssen neue Wege finden”

„Wir müssen Wege finden”, sagte Philipp also, „die Vereine einzubinden.” Und weil dem Oberbürgermeister in diesem Punkt eine strukturiertere Vorgehensweise als bislang vorschwebt, möchte er neue Pfade einschlagen. Konkret: In den nächsten Monaten soll „eine Art Beirat” ins Leben gerufen werden, „der zielgerichtet die Arbeit der Vereine koordiniert” und die Stadtverwaltung dabei mit einbindet. In dem neuen Gremium sollen alle Facetten des Vereinslebens präsent sein, von den Karnevalisten bis zu den Kleingärtnern.

Als Beweggrund für diesen Schritt nannte Philipp die Absicht, das vorhandene, riesige Potential noch besser nutzen zu können. Auch im Dienste der Stadt. Mit 30 Millionen Euro schlügen im aktuellen Etat allein die Kosten für die „Hilfen zur Erziehung” zu Buche.

„Wenn es uns gelänge, da präventiv mehr zu tun, müssten wir mittelfristig in diesem Bereich weniger ausgeben”, sagte der Oberbürgermeister bei seinem ersten Vereinsempfang im Rathaus. Und er ließ keinen Zweifel daran, dass die Vereine im Bereich Vorbeugung wichtige Hilfestellung leisten könnten. Diese Überzeugung habe er nicht erst als Oberbürgermeister gewonnen, sondern lange zuvor.

Philipp nannte sich selbst einen „Vereinsmenschen”, den sein Weg vom Burtscheider Turnerbund bis zur Alemannia, vom Aachener Kinderkarneval bis zur Oecher Penn geführt habe. Er wisse, dass solche Institutionen in den Bereichen Nachwuchsarbeit, Gesundheitsförderung, Bildung, Wirtschaftsförderung und Integration Aufgaben erfüllen, „die wir als Stadt allein gar nicht leisten könnten”.

Er versprach, das auch nicht zu vergessen, wenn die Politiker in den nächsten Wochen über die Vergnügungssteuer und über die weitere Handhabung der Verfügbarkeit von städtischen Räumen verhandeln.

Willi Schillings, der als Vertreter der Vereine sprach, dürfte das gefreut haben. „Nehmen Sie uns gerne in die Verantwortung, keiner weiß besser, wo es im Getriebe knirscht, als wir”, sagte der Kommandant der Öcher Börjerwehr. Durch das Wirken der Vereinsmitglieder entstehe ein Mehrwert, „ein Schatz”, den es auch zu pflegen gelte.

Vom „durchprofessionalisierten Verein wie der Alemannia” bis zum „kleinsten Spartenverein mit seinem organisierten Chaos” seien alle auf die Hilfe der Stadt angewiesen. Ohne bezahlbare Veranstaltungs- und Proberäume sei die Arbeit der Vereine aber in Zukunft nicht möglich. Schillings appellierte eindringlich an Philipp: „Bitte, bitte sparen Sie uns nicht kaputt!”
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