Neues Team der Stadtreinigung nimmt auch die Mülleimer selbst ins Visier

Von: Robert Esser und Thorsten Karbach
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Nicht nur der Inhalt zählt: Florian Thelen, Jürgen Kuck, Heinz Kuckling, Victor Loran und Vladimir Vladimirov (von links) sorgen jetzt auch für blitzblanke Abfallbehälter. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Alles im Eimer? Von wegen. In Sachen Sauberkeit startet Aachen jetzt eine Initiative, die mehr als das Image der Stadt aufpolieren soll.

Ein sogenannter Papierkorbdienst bringt jetzt jeden der rund 1000 Abfallbehälter in der Innenstadt und weitere 1000 Mülleimer in den Bezirken Brand, Eilendorf, Laurensberg, Richterich, Haaren, Kornelimünster und Walheim in Schuss. Die Aktion gilt als Auftakt der Sauberkeitsoffensive, die Oberbürgermeister Marcel Philipp im Interview mit der Aachener Zeitung angekündigt hatte.

„Vier unserer insgesamt 75 Mitarbeiter kümmern sich jetzt ausschließlich um den Zustand der Papierkörbe und Mülleimer”, erklärt Dieter Lennartz, Abteilungsleiter der Stadtreinigung. „Deren Zustand wurde immer schlechter. Genauso wie der Zustand der Laternenmaste und Stromverteilerkästen. Aufkleber, Schmierereien, Dreck - das sind Schandflecken für die Stadt”, sagt er.

In den kommenden Wochen und Monaten schickt Teamleiter Florian Thelen seine Kollegen Jürgen Kuck, Heinz Kuckling, Victor Loran und Vladimir Vladimirov zu den dreckigsten Mülleimern der Stadt. Dann wird gekratzt, geschrubbt, gewienert - und notfalls auch ausgetauscht. „Die ersten Erfolge sieht man schon. Das wird sich sehr positiv aufs Stadtbild auswirken”, sagt Lennartz.

Fraglich bleibt, wie lange die Abfallkörbe blitzblank bleiben. Vor allem die Flut der Aufkleber scheint unerschöpflich. Die Reinigungsspezialisten glauben aber, dass die Hemmschwelle, einen sauberen Mülleimer zu bekleben, höher ist. Die Behälter müssen ohnehin einiges aushalten. Allein die 1000 Abfallkörbe in der Innenstadt leert die Stadtreinigung insgesamt 5000 Mal pro Woche - manche einmal, andere 15 Mal.

An sonnigen Tagen schleppen die Stadtreiniger zentnerweise Müll aus dem Elisengarten. Aber auch das Ostviertel belastet die Arbeit des Stadtbetriebs. Dort stopfen mehr Bewohner als in anderen Stadtbezirken tüten- und säckeweise Hausmüll in öffentliche Abfallkörbe - was natürlich verboten ist. „Was sollen wir machen? Wir müssen die Behälter leeren, den Müll abtransportieren. Sonst sieht es dort innerhalb kürzester Zeit katastrophal aus”, sagt Lennartz.

In den vergangenen zehn Jahren habe die Müllbelastung der Stadt zwar zugenommen, meint er. Dennoch sei vielerorts ein Umdenkprozess spürbar. „Es wird nicht mehr immer nur auf die Mitarbeiter der Stadtreinigung als das schwächste Glied der Kette eingeschlagen. Schritt für Schritt setzt sich das Bewusstsein durch, dass wir Aachener in erster Linie selber dafür verantwortlich sind, ein sauberes Stadtbild zu pflegen”, betont der Abteilungsleiter.

„All das, was unsere Jungs aufheben müssen, hat einer da hingeworfen.” Lennartz wünscht sich, dass jeder einzelne Bürger mehr auf die Sauberkeit seiner Stadt achtet, mehr Zivilcourage zeigt - und Müllsünder auch mal auf deren Fehlverhalten anspricht. „Dann würden wir einen Grad der Sauberkeit erreichen, den wir als Stadtreinigung trotz aller Optimierungen niemals herstellen könnten.”

Ärgerlich findet er, dass der Umdenkprozess noch nicht in allen Bevölkerungsschichten angekommen ist: „Alles, was sauber ist, wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Wenn aber irgendwo etwas dreckig ist, dann wird es automatisch als Versäumnis, Schlechtleistung oder Inkompetenz der Stadtreinigung ausgelegt.” Das sei in höchstem Maße ungerecht, meint Lennartz. Der Chef stellt seiner Mannschaft, in deren „Kehrmännchen”-Reihen seit wenigen Wochen erstmals auch ein weibliches „Kehrfräuchen” ist, ein hervorragendes Zeugnis aus: „Die Mitarbeiter der Stadtreinigung verdienen allergrößten Respekt für die Tätigkeit, die sie jeden Tag in der Woche an allen 365 Tagen im Jahr leisten - und das bei jedem Wetter.” Man habe ohne Rücksicht auf private Situationen den Zwei-Schicht-Betrieb eingeführt, um ein größeres Zeitfenster für alle Reinigungsmaßnahmen zu öffnen.

„Wir haben den Feiertags-, den Samstags- und den Sonntagsdienst - und trotzdem reicht es nicht aus”, sagt Lennartz. Umso wichtiger sei deswegen die Mülleimer-Reinigungsaktion. „Das fällt auf und schafft sicher noch mehr Bewusstsein in Sachen Sauberkeit”, glaubt er. Denn die sei in Aachen keineswegs im Eimer. Genau damit will die Stadt jetzt glänzen.
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