Neues Projekt: Modernste Karte durchleuchtet Öcher Erde

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Stellten die neue archäologische Erwartungskarte vor: (v.l.) Dr. Benjamin Ducke. Dr. Markus Pavlovic und Monika Krücken. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Eine Comicfigur prangt auf Dr. Markus Pavlovics T-Shirt. Wie vor einem Roentgenschirm wird der Oberkörper des kleinen Kerlchens durchleuchtet und offenbart drei grüne Herzen. Das passt. Durchleuchten ist nämlich so etwas wie das Arbeitsmotto von Stadtarchäologe Pavlovic.

Und das macht er – na klar – mit viel Herzblut. Nun halten Pavlovic und sein Team ein neues Instrument in der Hand, das einen (vagen) Blick in Aachens geschichtsträchtigen Boden erlaubt, ohne auch nur eine Mini-Schippe Erde zu bewegen.

Mit modernster Technik wird ab sofort der Öcher Boden durchleuchtet – wenn auch „nur“ auf digitalem Wege und mit Hilfe unzähliger Daten. Herausgekommen ist nach einem Jahr Entwicklung eine so genannte archäologische Erwartungskarte. Federführend beim Programmier-Part war der selbstständige Berliner Archäologe und Informatiker Dr. Benjamin Ducke. „Wir haben mit diesem Programm einen Meilenstein in der Einschätzung des archäologischen Potenzials erreicht“, ist sich Monika Krücken, Leiterin der Denkmalpflege, sicher.

Doch wofür genau ist die Karte gut? Pavlovic gibt die Antwort: „Wir als Fachleute haben mit dieser Karte belastbare Werte, die wir den Bauherren vorlegen können.“ Denn genau darum geht es: Bei Bauanträgen ist die Einreichung einer bodendenkmalpflegerischen Stellungnahme gesetzlich vorgeschrieben. Im Aachener Stadtkern ist schon beinahe klar, dass Fundstücke aus vergangenen Zeiten zutage treten können. Daher ist hier eine intensive archäologische Begleitung Standard.

Aber wie sieht es in den Außenbezirken aus? Denn dort liegen nur wenige Hinweise vor, die eine fundierte Bewertung ermöglichen. Genau hier spielt die Karte ihre Stärken aus. In ihre Darstellung fließen nicht nur rund 1000 Punkte ein, an denen archäologische Maßnahmen des Landschaftsverbands Rheinland stattgefunden haben, sondern auch zahlreiche weitere Faktoren: Baugrund, geologische Schichten, Steilheit der Hänge, Grundwasserspiegel und vieles mehr.

Heraus kommt eine Karte, die voraussagt, wo archäologische Funde – ob aus der Jungsteinzeit, Römerzeit oder dem frühen Mittelalter – wahrscheinlich sind. Die Logik dahinter ist einfach: Grün steht für eher unwahrscheinliche Fundorte, Rot bedeutet: Hier könnten Archäologen fündig werden.

„Könnten!“, betont Pavlovic. „Denn die Karte muss stets von Experten intensiv interpretiert werden.“ Zum Einsatz kommt sie nun bei allen künftigen Bauanträgen, die in die Verwaltung flattern. Und dann wird erst einmal auf digitalem Wege durchleuchtet.

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