Neues Polizeipräsidium geht nicht baden

Von: Stephan Mohne
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Die Essener Hochtief-Tochter „PPP Solutions“ soll den 60 Millionen Euro teuren Neubau an besagter Stelle nach Plänen des Aachener Architekten Günther Helten hochziehen. Foto: Jaspers
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Doch noch gibt es massive Probleme mit der Entwässerung des Grundstücks. Foto: Kistermann

Aachen. Der Neubau des Aachener Polizeipräsidiums an der Ecke Debyestraße/Trierer Straße scheint jetzt in trockenen Tüchern. Endlich. Denn felsenfest steht ein Datum: Anfang 2019 will die Polizei dort einziehen, wenn sie ihr heutiges Domizil in der Soers verlassen hat.

Das ist nach etwas mehr als 35 Jahren schon eine „Schrottimmobilie“. Nach langem Hin und Her hatte man sich entschieden, neu zu bauen und nicht zu sanieren. Nach erneutem Hin und Her, das sogar Gerichte beschäftigte, stand dann auch ein Wettbewerbssieger fest.

Die Essener Hochtief-Tochter „PPP Solutions“ soll den 60 Millionen Euro teuren Neubau an besagter Stelle nach Plänen des Aachener Architekten Günther Helten hochziehen. Das Grundstück kauft man der Stadt für vier Millionen Euro ab.

So weit so gut. Aber: Im Frühjahr gab es plötzlich enormen Wirbel. Da stellte Hochtief nämlich fest, dass es Probleme mit der Entwässerung der Fläche, die unweit des dort vorbeifließenden Haarbachs liegt, gibt. Bei Vorbereitungen zum Bauantrag machte die Stadt darauf aufmerksam, dass ein Regenrückhaltebecken zum Hochwasserschutz auf dem Grundstück gebaut werden müsse.

Hochtief fühlte sich – vorsichtig gesagt – unzureichend informiert und stand nun vor Mehrkosten, die das Projekt in seiner Wirtschaftlichkeit gefährdeten. Unter dem Strich ging es darum, den Grundstückspreis anzupassen – also zu drücken. Die Stadt widersprach dieser Auffassung selbstredend.

Keine Bagger in Sicht

Seitdem ist wieder einiges Wasser den Haarbach heruntergeflossen. „Im Sommer“, so hieß es bei der Vorstellung der Pläne, sollten auf dem Grundstück die Bagger anrücken. Bisher ist da noch keiner zu sehen. Hinter den Kulissen wird nämlich immer noch verhandelt. Doch mittlerweile zeigen sich beide Seiten zuversichtlich, dass das mit den trockenen Tüchern – was in diesem Fall bildlich prima passt – nun klappt und das Projekt keinesfalls baden geht.

Ins Auge gefasst ist eine Lösung, die Hochtief anfangs wegen der hohen Kosten abgelehnt hatte, nämlich besagtes Rückhaltebecken unter der Tiefgarage des neuen Präsidiums anzulegen. Oberirdisch funktioniert das nicht, da das Grundstück dicht mit Gebäuden bebaut wird und deshalb kein Platz mehr ist. In Bezug auf eine solche Lösung war zunächst von Millionensummen beim Bau und der Wartung die Rede. Das relativierte Bernd Reuther, Sprecher von „PPP Solutions“, auf Anfrage. Die Summe sei doch „wesentlich geringer“, sagte er, ohne sich auf eine konkrete Zahl festzulegen.

Fakt ist, dass in diesem Bereich ein besonderer Hochwasserschutz gefordert ist. Der Haarbach fließt dort unter der Autobahnauffahrt und der Trierer Straße hindurch an besagtem Grundstück vorbei und kommt jenseits des OBI-Marktes auf der anderen Straßenseite wieder zum Vorschein. Zu große Wassermassen könnten ihn bei einem außergewöhnlichen Starkregen über die Ufer treten lassen. Und solche Unwetter hat es in den vergangenen Jahren nicht gerade selten gegeben.

Die Uhr tickt

Die Stadt weiß aus den Gesprächen mit Hochtief von der bevorzugten Variante. Diskutiert worden sei aber auch noch eine andere, so Stadtsprecher Bernd Büttgens. An der Autobahnauffahrt ist nämlich vor einigen Jahren ein Regenrückhaltebecken des Wasservebands Eifel-Rur gebaut worden.

Die Idee war, dieses zu vergrößern. Das habe der Wasserverband laut Stadt auch als möglich erachtet. Bernd Reuther sagt jedoch, dass man diese Variante wieder verworfen habe: „Da gibt es zu viele Beteiligte und das Verfahren hätte zu lange gedauert. Und Zeit ist das – siehe oben –, was man bei diesem Projekt nicht mehr hat.

So oder so bleibt allerdings eine Frage: Wer zahlt für den Bau des Rückhaltebeckens? Wird sich die Stadt finanziell (etwa durch einen Nachlass beim Grundstückspreis) daran beteiligen müssen, weil sie, wie Hochtief das sieht, falsch informiert hat? Oder lehnt die Stadt das kategorisch ab, weil sie die rechtliche Lage, wie es im Frühjahr Rechtsdezernentin Annekathrin Grehling sagte, ganz anders beurteilt?

Über genau diesen Punkt setzen sich die Parteien weiter auseinander. Beide betonen, dass sie optimistisch bezüglich einer Einigung sind. Durchaus möglich ist aber auch, dass das Projekt in diesem Punkt noch einmal die Richter beschäftigen wird, wenn man da nicht auf einen Nenner kommt.

Unabhängig davon soll der Bau in Kürze starten. Letzte Details bezüglich der ersten Teilbaugenehmigungen würden derzeit noch geklärt, heißt es von beiden Seiten. Bernd Reuther geht davon aus, dass es im September, spätestens Oktober losgehen kann. Damit wäre der Zeitplan, das Gebäude bis Ende 2018 fertigzustellen, auf jeden Fall zu halten.

Die möglichen Mehrkosten in Sachen Entwässerung würden im Übrigen für die Polizei nichts an der Höhe der Miete ändern. Das allerdings war schon vorher klar. Denn 12,66 Euro pro Quadartmeter sind längst vertraglich festgezurrt.

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