Neues Kurhaus: Spielbank versteckt alte Gemälde

Von: Robert Esser
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Für alles gerüstet: Handwerker entfernten gestern riesige Spiegel im Eingangsbereich des Neuen Kurhauses, dahinter fand man mehrere historische Wandgemälde. Foto: Robert Esser
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Die Gemälde schmückten bis Anfang der 70er Jahre das Foyer – bevor das Spielcasino einzog. Foto: Hein Call
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Schieflage: Erst Kurhaus, dann Spielcasino, zuletzt Flüchtlingsheim – alle Nutzungen waren letztlich mit finanziellen Verlusten verbunden.
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Kehraus: Das Interieur des Kurhauses wird derzeit demontiert – dazu zählen viele Wandverschalungen.

Aachen. Da staunt nicht nur der Handwerker. Welchen Wert riesige Wandgemälde haben, die jetzt im Rahmen von Rückbaumaßnahmen überraschend in der Eingangshalle des Neuen Kurhauses an der Monheimsallee entdeckt wurden, ist völlig unklar.

Bauarbeiter legten die historischen Werke – die Künstlern des Düsseldorfer Kunstvereins zugeschrieben werden – am Dienstag hinter jeweils rund sechs Quadratmeter großen Spiegeln frei. Damit beginnt die Entkernung des maroden ehemaligen Spielcasinos mit einer großen Überraschung. Denn die alte Gemäldegalerie im Eingangsbereich des 100 Jahre alten Gebäudes galt schon als verloren.

„Offenbar befinden sich die Wandbilder in einem guten Zustand, die Denkmalpfleger werden die Werke nun in Augenschein nehmen“, sagte Harald Beckers vom städtischen Presseamt am Dienstag auf AZ-Anfrage. Dann soll auch geklärt werden, welche Rolle der Fund bei der Fortsetzung der Sanierungsmaßnahmen spielt – und ob er gegebenenfalls erhalten werden muss.

Das Gleiche gilt für zwei große Standbilder von Karl dem Großen auf einem Pferd und von Wilhelm II. Diese werden hoch oben in der Empfangshalle hinter Casino-Verschalungen unter dem Giebeldach an den Stirnseiten vermutet.

Rund 20 Millionen Euro sind für die sogenannte „Revitalisierung“ des neuen Kurhauses veranschlagt. Frühestens 2020 könnte dann ein neues Nutzungskonzept realisiert werden. Wobei dem Vernehmen nach noch längst nicht alle Verträge unter Dach und Fach sind. Geplant ist die Rückkehr der Spielbank vom Tivoli ins Kurhaus – allerdings auf einem deutlich verkleinerten Bereich im linken Bauflügel.

Der Mitteltrakt ist gehobener Gastronomie zugedacht, im rechten Flügel soll das Unternehmen „Explorado“ Publikum anziehen. Dort soll große Kunst nicht im Original, sondern in einer Art „Eventmuseum“ multimedial den Besuchern nahegebracht werden. Angedacht ist auch eine Kleinkunstbühne, der gläserne Lenné-Pavillon an der Seite zum Kurpark soll hingegen abgerissen werden.

Vor der nun angelaufenen Entkernung hatte die Stadt Aachen das Kurhaus für zehntausende Euro zu einem Flüchtlingsheim umgebaut. Dazu wurde unter anderem eine komplett neue Warmwasser-Versorgung installiert. Mittlerweile wurden die Flüchtlingsbetten, die niemals benutzt worden sind, wieder aus dem Gebäude geräumt. Jetzt sollen auch Zwischenwände und schützende Wandverschalungen herausgerissen werden, damit die eigentliche Sanierungsvorbereitung beginnen kann.

Die Sanierung selbst soll nur 13 Monate dauern und nicht vor August 2018 starten. Vorher stehen Entkernung, Ausschreibungen etc. an. Das kann dauern. Sämtliche technische Anlagen will man ausbauen, die Rede ist zudem von asbesthaltigem Putz. Derlei Unwägbarkeiten lähmen das Vorhaben, das seit dem Auszug der Spielbank ohnehin nur zäh voran kommt.

Dass die nun freigelegten Wandgemälde ähnlich wertvoll wie zwei Siebdrucke von Andy Warhol sein könnten, scheint unwahrscheinlich. Diese hatten dem Casino-Betreiber Westspiel 120 Millionen Euro bei einer Auktion im Jahr 2014 eingespielt – auch sehr zum Erstaunen der Kunstwelt.

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