Neues Kurhaus: Nach dem Kostenschock kommt die Diskussion

Von: Stephan Mohne
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Dem Kostenschock folgt die große politische Diskussion: Während die bisherige Planung wohl ein Fall für die Tonne ist, scheint ansonsten in Sachen Zukunft des Neuen Kurhauses (rechts) alles offen. Auch eine Nutzung durch das Eurogress (Mitte) wird erneut ins Spiel gebracht. Ebenso ein Verkauf der Immobilie. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Jetzt geht es erst richtig los. Nachdem der Oberbürgermeister am Mittwoch wegen der Explosion der Kosten von 25,5 Millionen auf weit über 38 Millionen Euro den Stopp aller Planungen zum Umbau des Neuen Kurhauses verkündet hat, gehen die Diskussionen über die Zukunft des Prachtbaus am Stadtpark von vorne los. Alles werde auf den Prüfstand gestellt, hatte Marcel Philipp gesagt.

Vor allem ist die Politik gefragt, wie sie mit dem Thema umzugehen gedenkt. Eines kristallisiert sich bereits heraus: Der eigentlich bereits beschlossene Nutzungsmix scheint vom Tisch. Der sah neben dem Spielcasino eine Gastronomie im Wiener Kaffeehausstil des niederländischen Großgastronoms Maison van den Broer, eine – eher umstrittene – „Event-Ausstellung“ mit Repliken berühmter Kunstwerke des Kölner Veranstalters „Explorado“ und möglicherweise einen Club im Untergeschoss vor. Was aber nun?

Hinsichtlich dieser Frage brachte man sich am Donnerstag auf Nachfrage unserer Zeitung hier und da schon mal vorsichtig in Position. Das reichte von der schon früher diskutierten Lösung Eurogress und Spielcasino (SPD) über den möglichen Verkauf (Grüne) bis zur Versteigerung bei Ebay (Piraten). Ein Überblick:

CDU: Alles zu stoppen, sei zunächst Mal genau richtig gewesen, sagt CDU-Fraktionschef Harald Baal. Die nun im Raum stehende Summe zu stemmen, sei „völlig illusorisch“. In dieser Hinsicht sind sich auch alle anderen Fraktionen einig. „Das steht in keinem Verhältnis“, so Baal. Diskutiert werden müsse nun alles. „Wir werden das noch im Detail aufarbeiten. Alles steht auf Anfang“, so der Christdemokrat.

Zum Glück lägen die Zahlen auf dem Tisch, bevor der eigentliche Umbau begonnen habe. Es müsse aber auch die Frage gestellt werden, wie man künftig zu „seriösen Kostenschätzungen“ kommen könne. Immerhin sei man bei 16 Millionen Euro gestartet und bei über 38 Millionen gelandet. „Das erweckt den Außeneindruck, dass wir das nicht im Griff haben. Und die Frage nach der Seriosität einer Kostenschätzung wird mit Blick auf das Kurhaus dann demnächst bei jedem Kindergartenneubau kommen.“

SPD: „Erschreckend“ sei die Entwicklung, sagt SPD-Fraktionschef Michael Servos. Die rühre auch daher, dass man den Mietern letztlich ein „Rundumsorglospaket“ geschnürt habe. Jetzt werde die bisherige Planung im Sande verlaufen. „Für die Summe könnte man ja neu bauen“, sagt Servos. Was sich natürlich allein schon aus Denkmalschutzgründen verbiete. Doch als Zwischenton schwingt beim Sozialdemokraten durchaus mit, dass die SPD vielleicht gar nicht so unglücklich über den Stopp ist.

Servos liebäugelt mit einer Nutzung durch das Eurogress und das Spielcasino. Ersteres hatte sich selbst auch schon früher ins Gespräch gebracht, weil dringend weitere Kapazitäten unter anderem für Kongresse benötigt werden. Ein Konzept liege da bereits in der Schublade, so Servos. „So könnte man den Schock auch zu etwas Positivem nutzen“, bekundet der SPD-Mann. Zwar würde der Zuschussbedarf aus dem städtischen Haushalt für das Eurogress dadurch steigen. „Aber auf der anderen Seite gäbe es Aachen einen hohen Mehrwert, weil man große Kongresse hier halten und neue gewinnen kann.“ Eine vernünftige Lösung müsse her, da die Stadt das Gebäude ja nun mal „an der Backe“ habe.

Grüne: Ob das so bleiben muss, fragt sich indes Grünen-Geschäftsführer Helmut Ludwig. „Ich denke, dass die Stadt für einen Verkauf offen sein sollte. Vorausgesetzt es handelt sich um eine hochwertige Nutzung.“ Käme das Eurogress zum Zuge, fehle die bislang vorgesehene Refinanzierung der Umbaukosten. „Dann hätten wir einen zweiten Tivoli. Den können wir uns aber nicht leisten“, so Ludwig. Den Grünen schwante indes schon vorher Unheil. Für die nächste Ratssitzung hatten sie schon vor der Hiobsbotschaft das Thema auf die Tagesordnung setzen lassen.

Linke: Die Linksfraktion würde einem Verkauf keinesfalls zustimmen, wie Fraktionschef Leo Deumens betont. Für eine Eurogress-Lösung sei man offen. Gut sei jedenfalls, dass das Kind in Form vollendeter (Bau-)Tatsachen noch nicht in den Brunnen gefallen sei. Zu befürchten sei indes, dass sich das Projekt nun lange verzögere.

FDP: Bei den Liberalen sieht es ähnlich aus. Der Verkauf dieses Vorzeigeobjekts sei nicht denkbar, so Ratsherr Peter Blum. Das Thema Eurogress müsse man fraktionsintern beraten. Wichtig sei, „jetzt über alles vernünftig nachzudenken“. Blum: „Es ist ein harter Schlag, dass nun alles über den Haufen geworfen ist.“

Piraten: „Das war vorauszusehen“, sagt deren Geschäftsführer Rahu Ehanantharajah. Sauer sei man indes darüber, „dass der OB einmal mehr „zuerst die Presse informiert, anstatt die Politik frühzeitig einzubinden“. Einer Eurogress-Lösung würden die Piraten eher nicht zustimmen. Überhaupt sei man gegen derartige „Leuchtturmprojekte“. Deshalb kommt von ihrer Seite der kurioseste Vorschlag an Tag eins nach der Verkündung der Kostenexplosion: „Den Tivoli und das Kurhaus für einen Euro bei Ebay anbieten – da würden wir zustimmen.“

Das dürfte die Idee sein, die als erste wieder in der Kiste verschwindet. Ansonsten allerdings scheint jetzt in Sachen Neues Kurhaus wieder alles offen. Kommentar Seite 14

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