Aachen - Neues Kleid für die Weimbs-Orgel in der Annakirche

Neues Kleid für die Weimbs-Orgel in der Annakirche

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Georg Hage und Orgelbauer Harry Dix Foto: Andreas Herrmann
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Orgelbauer - Lehrling (3.Jahr) Markus Moutschen arbeitet hier an der Rückseite vom Spieltisch Foto: Andreas Herrmann
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Orgelbauer - Lehrling (1.Jahr) Rainer Wissing arbeitet hier an der Windlade vom Hauptwerk Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es wird auch weiterhin kein Orgelsolo von Deep Purple auf der Weimbs-Orgel der Annakirche zu hören sein – es sei denn, ein Organist spielt es. Bedeutet: Die Tasten können auch weiterhin nur von Hand betätigt werden. „Die Klangerzeugung bleibt mechanisch“, bestätigte Harry Dix.

Daran ändert auch die Setzeranlage mit USB-Schnittstelle nichts, die der Orgelbaumeister von der Herstellerfirma Weimbs aus Hellenthal gerade in die 22 Jahre alte Orgel einbaut.

Annakantor Georg Hage freut sich – trotzdem oder gerade deswegen – schon jetzt auf seinen ersten Einsatz nach fünfmonatigen Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten an „seiner“ Orgel.

Denn: „Einige Werke waren bisher hier kaum spielbar“, erläutert Hage. Bislang musste der Organist die 34 Registerzüge für die über 2000 Pfeifen einzeln von Hand bedienen. „Hat ein Stück starke Wechsel in der Klangfarbe, mutete das manchmal schon artistisch an.“ Krafttraining für die Finger kann Hage aber auch weiterhin gebrauchen.

Denn die dreimanualige Orgel funktioniert auch weiterhin mechanisch, die Pfeifen öffnen sich also nur per Fingerdruck auf die Tasten, so dass der Wind den Ton erzeugen kann. „Sind alle drei Manuale gekoppelt und ist virtuoses Spiel gefordert, kann das schon mal in Schwerstarbeit ausarten“, erzählt er. „Eine mechanische Klaviatur eröffnet aber auch ein viel differenzierteres Spiel.“

Doch das Turnen auf der Orgelbank, um die Registerzüge zu ziehen, hat ab Ende September ein Ende. Dann müssen nur noch einige kleine Knöpfe unterhalb der Klaviatur bedient werden, wodurch die gewünschten Registerzüge wie von Geisterhand heraus- oder wieder hineinfahren. Zusammenstellung und Reihenfolge kann der Organist zuvor programmieren – dank USB-Schnittstelle auch am heimischen Rechner. Das Bedienen von Hand bleibt zudem weiterhin möglich.

Die Geisterhand sind Elektromagneten, die die Registerzüge bewegen. Gesteuert werden sie von der Setzeranlage. „Eine der neuesten Generation“, betonte Dix. Darauf wartete die evangelische Kirchengemeinde Aachen dann auch gern noch ein paar Wochen. Ursprünglich wollte die Gemeinde schon kurz vor den Sommerferien die Wiederinbetriebnahme mit einem musikalischen Gottesdienst begehen. Da die Setzeranlage aber jetzt erst auf den Markt gekommen ist, übten sich alle noch einige Zeit in Geduld.

Zusätzlich kümmert sich Dix und ein Orgelbaulehrling um die Reinigung aller Orgelkomponenten. Das heißt 2272 Pfeifen ausbauen, reinigen – manche auch feucht – und wieder einbauen. Außerdem werden die Windbälge neu beledert. Abschließend wird die Intonation der Orgel den neuen baulichen Begebenheiten in der Annakirche angepasst.

Rund 130.000 Euro investiert die Gemeinde in die Renovierung des Instruments, weniger als ein Viertel seines heutigen Wertes von ungefähr 600.000 Euro. Mit etwa der Hälfte schlägt die elektronische Aufrüstung zu Buche. Eine gute Investition, wie Hage findet: „Die Weimbs-Orgel in der Annakirche ist eine der größten und qualitativ hochwertigsten Orgeln der Region. Gut gepflegt können solche Orgeln hunderte Jahre alt werden.“

Wie sollte man die Renovierung einer Orgel anders feiern als mit einer Konzertreihe: Die Evangelische Kirchengemeinde hat, unterstützt vom Verein „Orgelkultur Aachen“, eine Reihe von acht Herbstkonzerten aus der Taufe gehoben, um die Weimbs-Orgel standesgemäß wieder in Betrieb zu nehmen, und hat dafür bekannte Organisten aus Deutschland und Europa eingeladen. Alle Konzerte mit Ausnahme des Orgelcafés beginnen um 20 Uhr.

Das Eröffnungskonzert am 30. September bestreitet Iveta Apkalna mit Werken von Mendelssohn-Bartholdy, Philip Glass, Bronius Kutavicius und Lucija Garuta. Ihr Spiel wird auch per Videoübertragung zu sehen sein.

Im Rahmen der Reihe „Orgelcafé“ konzertiert am 5. Oktober Matthias Visarius um 11 Uhr in der Annakirche. Das damit verbundene Frühstück mit Werkeinführung durch den Organisten beginnt um 10.15 Uhr. (Anmeldung dafür unter Telefon 21155.)

Der Aachener Bachverein singt am 7. Oktober unter der Leitung Georg Hages das Loblied auf die Orgel „Laudes Organi“ von Zoltán Kodály. Außerdem wird es Chormusik von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Johann Sebastian Bach sowie Orgelwerke solo geben.

Neue Orgelmusik von 1968 bis 2016 bringt Dominick Susteck, Organist der Kunststation St. Peter in Köln und Experte für neue Orgelmusik, am 12. Oktober zu Gehör. Neben Werken von Wolfgang Rihm, Gerd Zacher, John Cage und Maurice Kagel bringt er auch eigenen Kompositionen mit.

Das Duo ZIA – bestehend aus dem Trompeter Marcus Rust und dem Organisten Christian Grosch – begibt sich am 14. Oktober mit seinem Programm auf die Spuren von Liedern, die auf den Psalmen Davids beruhen. Sie verbinden unterschiedliche Vertonungen von Gregorianik bis indische Bhajans mit Jazz.

Die neuen Möglichkeiten der Weimbs-Orgel lotet der Aachener Organist Klaus-C. van den Kerkhoff am 19. Oktober aus. Die Stücke von Olivier Messiaen, Vincent Lübeck, Paul Hindemith, Louis Vierne und Franz Liszt galten bislang in der Annakirche als kaum spielbar.

Frantisek Vanicek aus Tschechien spielt am 21. Oktober deutsche Barockmusik und Werke tschechischer Komponisten.

Der Organist der Westminster Cathedral London, Martin Baker, beschließt das Orgelfestival in der Annakirche am 26. Oktober mit Werken von Purcell, Händel und anderen. Auch hier wird es eine Videoübertragung geben. Bis auf die Konzerte am 30. September und am 26. Oktober ist der Eintritt frei, die Platzzahl aber begrenzt.

Auch im Rahmen der 43. Aachener Bachtage kommen Freunde der Orgelmusik auf ihre Kosten: Deutschlands jüngster Domorganist, Sebastian Küchler-Blessing aus Essen, gastiert am 13. November in der Annakirche.

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