Städteregion - Neues Bündnis bringt Licht in Förderdschungel

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Neues Bündnis bringt Licht in Förderdschungel

Von: Jutta Geese
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Städteregion. Vorurteile halten sich hartnäckig. Etwa das, dass Menschen mit Behinderung öfter krankheitsbedingt ausfallen als Menschen ohne Behinderung. „Das Gegenteil ist statistisch belegt,“ sagt Gabriele Hilger, Vorsitzende der Geschäftsführung der regionalen Arbeitsagentur. „Behinderte Arbeitslose sind auch oft deutlich besser qualifiziert als nicht behinderte.“

Und trotzdem tun sich viele Arbeitgeber schwer damit, Menschen mit einer Behinderung einzustellen. Das liegt auch daran, dass viele – auch die Arbeitnehmer – nicht wissen, von wem sie in welchem Fall welche Unterstützung erhalten können. Von der Rentenversicherung? Von der Arbeitsagentur? Von der Städteregion? Oder vom Integrationsfachdienst des Landschaftsverbandes? Hilger spricht von einem nur schwer zu durchschauenden „Förderdschungel“, Städteregionsrat Helmut Etschenberg von „oft unklaren Zuständigkeiten“.

Doch damit soll jetzt Schluss sein: Jetzt unterzeichneten Vertreter dieser Behörden und Einrichtungen eine Kooperationsvereinbarung mit dem Titel „Aachener Bündnis für Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben“. Mit diesem Papier wird offiziell festgeschrieben, was seit einiger Zeit schon Praxis ist: die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure. Ratsuchende sollen nicht mehr von einer Stelle zur nächsten geschickt werden („Wir sind nicht zuständig, aber versuchen Sie es doch mal bei ...“), sondern der erste Ansprechpartner soll – quasi hinter den Kulissen – abklären, wer zuständig ist, und dann auch den Kontakt zu diesem herstellen.

Von Praktikern entwickelt

Das „Charmante“ an diesem Bündnis – es ist nach dem Dürener das zweite im Land – ist laut Franz-Peter Laufs vom Integrationsfachdienst Aachen-Heinsberg, „dass die Praktiker gesagt haben, wir wollen das, und dass es nicht von oben oder von der Politik gefordert worden ist“. Denn auch für die Praktiker war es oft schwierig herauszufinden, wer im konkreten Einzelfall zuständig ist, sagt Alexandra Rieger vom städteregionalen Sozialamt. „Jetzt tauschen wir uns regelmäßig aus, und man weiß, wer wer ist.“

Tausende Menschen in der Region werden von dem neuen Bündnis profitieren. „Unsere Servicestelle in Aachen bearbeitet jährlich rund 7000 Anträge auf Leistungen zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation, bei etwa 4000 davon geht es um Teilhabe am Arbeitsleben“, macht Jörg Schmeiduch von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland deutlich. „Unser Motto lautet: Reha vor Rente. Deshalb müssen wir für die Betroffenen den Förderdschungel lichten und ihnen den Weg weisen zu den richtigen Partnern.“

Das unterstreicht auch Michael Bemboom von der Deutschen Rentenversicherung Bund, der sagt: „Wir wollen aktiv auf die Menschen zugehen.“ Das schließt auf Wunsch auch Betriebsbesuche ein, bei denen geschaut wird, ob und wie ein Arbeitsplatz umgestaltet werden kann, damit ein Mensch mit Behinderung dort bleiben oder eingestellt werden kann.

Alle Akteure verstehen sich als Partner der Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben und deren Arbeitgeber, bekräftigten sie am Donnerstag: „Wir wollen Nachhaltigkeit erreichen. Wir wollen, dass die inklusive Idee weiterlebt.“

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