Neuer Komplex der 4. Gesamtschule: 15-Millionen-Bau fast fertig

Von: Stefan Herrmann
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Ein Leuchtturmprojekt der Aachener Schullandschaft: Ab kommenden Mittwoch bietet der Neubau der 4. Gesamtschule 440 Schülern Platz. Die Sporthalle wird erst einige Wochen später fertig. Davor locken die Außenanlagen u.a. mit Streetball-Court und Trampolin. Das gesamte Gebäudekonzept überzeugt mit großen Glasfronten und vielen Lichthöfen. In der Mensa wird ebenfalls noch mit Hochdruck gearbeitet, sie öffnet in etwa drei Wochen. Im Verwaltungstrakt wird das Konzept der Transparenz konsequent fortgeführt. Foto: Michael Jaspers, Andreas Steindl
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Für gut 15 Millionen Euro entsteht für die 4. Gesamtschule ein neuer Komplex. Am Mittwoch stürmen 440 Schüler das Gebäude. Foto: Michael Jaspers, Andreas Steindl

Aachen. Wer Hanno Bennemann kennt, würde zustimmen, wenn man ihn als durchweg zielstrebigen Mann charakterisiert. Viele Jahre hat er zunächst für die Einrichtung einer neuen, der 4. Gesamtschule gekämpft. Anschließend setzte er sich mit voller Leidenschaft für einen Neubau ein, der dem für Aachen außergewöhnlichen pädagogischen Konzept Rechnung trägt.

Nach unzähligen Diskussionen, Beratungen, Workshops, Planungen und politischen Beschlüssen hat Bennemanns ehrgeiziges Ziel nun ein konkretes Datum erhalten: den 24. August 2016. Dann öffnet der schmucke, lichtdurchflutete und hochmoderne Komplex an der Sandkaul-straße seine Pforten für 440 Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 8, die dort fortan ein neues Kapitel Aachener Schulgeschichte schreiben werden.

Dass in der Geschichte der 4. Gesamtschule von Beginn an jede Menge Musik steckte, dem können alle Beteiligten an diesem Großprojekt jetzt, da der 15-Millionen-Euro-Bau fast fertig ist, nur nickend zustimmen. Und Musik ist das Stichwort: Auf den klassischen Gong verzichtete die City-Gesamtschule bereits vom Beginn vor sechs Jahren an. „Und das klappt wunderbar, warum sollten wir das jetzt also ändern?“, fragt Bennemann. Musik wird es trotzdem geben. Denn über eine moderne Lautsprecheranlage verfügt das neue Gebäude. Und die wird zur Premiere mächtig aufgedreht. „Unsere Schüler werden wir nächsten Mittwoch um 8 Uhr darüber definitiv mit Musik empfangen“, verrät der didaktische Leiter der Schule, Martin Spätling. Welcher Song wird‘s sein? Das sei noch nicht entschieden. Dass es Pink Floyds Liedzeile „We don‘t need no education“ (Wir brauchen keine Ausbildung) sein wird, ist allerdings nicht mehr als ein Gerücht.

Eine knappe Woche vor dem ersten „Gong“, der im Falle der Gesamtschule also ein Song sein wird, herrscht auf einer der größten städtischen Baustellen der letzten Jahre derweil noch mächtig Betrieb. Es wird gestrichen, geklebt, verkleidet und verputzt. Und mittendrin im staubigen Chaos – man mag es kaum glauben – trotzdem schon geputzt. Es dürfte eine Punktlandung bei dem sehr ambitionierten Projekt werden. Vor gerade einmal 16 Monaten fand die Grundsteinlegung auf dem Areal statt. Zwei alte Eckgebäude sind erhalten geblieben und wurden aufwendig kernsaniert. Als Verbindungselement schmiegt sich nun ein großer Trakt dazwischen, der neben Verwaltungsräumen im Obergeschoss eine Etage darunter eine große Mensa beherbergen wird, die 230 Schülern Platz bietet.

Kleiner Wermutstropfen: Der erste Teller wird dort erst etwa drei Wochen nach Schulstart serviert. „Wir haben all unsere Kapazitäten in die rechtzeitige Fertigstellung der Klassenräume gelegt“, erklärt der technische Geschäftsführer des städtischen Gebäudemanagements, Klaus Schavan. Bis dahin werden einige „Butterbrot-Wochen“ eingelegt, damit die Schüler nicht mit einem Loch im Bauch büffeln müssen. Zudem soll ein provisorischer Kiosk in der Eingangshalle eingerichtet werden.

Auch die direkt am Eingang gelegene Sporthalle mit zwei abtrennbaren Einzelfeldern – Kostenpunkt 3,44 Millionen Euro bei einer Gesamtfläche von etwa 1400 Quadratmetern – wird erst mit einigen Wochen Verzug fertiggestellt. Die Maxime gilt dort ebenso wie bei der Mensa: Oberste Priorität genießen derzeit die Klassen-, Schüler-, Lehrer- und Verwaltungsräume. Und was hier künftig Pauker wie Pennäler erwartet, lässt sich in den ersten (fast) fertigen Räumen bereits erahnen: Viele großflächige Fenster, multifunktionale Dreieckstische, die in unterschiedlichsten Kombinationen zusammen- und auseinandergestellt werden können, moderne Whiteboards samt Beamer statt altbackene grüne Wandtafeln, rollbare und höhenverstellbare Lehrerpulte – das Prestigeprojekt bietet einen greifbaren Blick in die Schule der Zukunft, und das auf einer Gesamtfläche im Gebäude von etwa 6000 Quadratmetern.

Daran knüpft das pädagogische Konzept direkt an. „Die Form folgt der Funktion“, nennt Heinrich Brötz (Fachbereichsleiter Kinder, Jugend und Schule) das. Im Falle der 4. Gesamtschule sieht das folgendermaßen aus: Jeder der beiden komplett renovierten Gebäudetrakte am Rand beherbergt auf jeder der zwei Etagen sogenannte Teams. Lehrer und Klassen sind hier untergebracht, mit eigenen farblich unterschiedlich gestalteten Räumen sowie großflächig verglasten Teamquadern, in denen die Pädagogen arbeiten und – im wahren Wortsinn – mit größtmöglicher Transparenz für die Schüler da sein können.

Deutlich mehr Durchblick als zuvor herrscht nun auch in den Kellergeschossen der alten Gebäude. Die wurden nämlich aufwendig freigelegt, wie der verantwortliche Projektleiter Wilfried Sterck vom Gebäudemanagement erklärt. So können auch diese Fläche nun als Fachräume samt Tageslicht genutzt werden.

Apropos Tageslicht: Im Rahmen der Fundament- und Aushubarbeiten holte man – in der City wenig überraschend – einen mittelalterlichen Kanal an selbiges. Der archäologische Fund und seine wissenschaftliche Aufarbeitung verursachten zusätzliche Kosten in Höhe von 140 000 Euro. Trotzdem: Klaus Schavan spricht beim Großvorhaben Gesamtschule bereits jetzt von einer „Punktlandung“ – auch und gerade, was den Kostenaspekt angeht (siehe Infobox).

Trotz aller Freude: Nicht alle können von dem funktionalen wie schicken Bau, der vom Münsteraner Architekt Rainer M. Kresing entworfen worden ist, in vollem Umfang profitieren: Die Klassen 9 und 10 (220 Schüler) der 4. Gesamtschule bleiben nämlich im alten Gebäude, das schräg gegenüber liegt – der einstigen Heimat der David-Hansemann-Schule. Dort soll dann künftig auch die Oberstufe untergebracht werden. Denn die 4. Gesamtschule mit aktuell insgesamt 660 Schülern befindet sich weiterhin im Aufbau.

Ein Punkt, auf den Schulleiter Hanno Benneman viel Wert legt. „Sein“ Projekt 4. Gesamtschule sei noch lange nicht abgeschlossen, wie der 63-Jährige lachend betont. Im Gegenteil: „Es geht jetzt erst richtig los!“ Und zwar am Mittwoch. 8 Uhr. Ohne Gong, dafür mit Song. Man darf gespannt sein, für welchen sich Bennemann und Spätling entscheiden.

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