Aachen - Neuer Imam: „Wir möchten Gutes für die Stadt tun“

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Neuer Imam: „Wir möchten Gutes für die Stadt tun“

Von: Valerie Barsig
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Wollen die Integration voranbringen: Imam Mustafa Necate-Baris und Ayse Baris mit ihren beiden Kindern Mohammed Emre und Fatma Zehrra. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Seit dem Ramadan ist ein neuer Imam in der Yunus-Emre-Moschee an der Stolberger Straße. Mustafa Necate-Baris und seine Frau Ayse Baris sind Religionsbeauftragte der Türkei. Sie waren bisher drei Jahre in Eschweiler, um den Menschen dort mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

„Aachen ist eine schöne neue Herausforderung“, sagt Ayse, die vor allem für die Seelsorge der Kinder und Jugendlichen und für die Frauen zuständig ist. Früher haben beide in Ankara gelebt. Die Großstadt vermisse sie schon, gibt Ayse zu. Deshalb war sie froh, als es von Eschweiler nach Aachen ging.

„Man erreicht hier mehr Menschen“, sagt auch Mustafa Necate-Baris. Er freut sich vor allem auf viele junge Menschen, die ihm bei seiner Arbeit begegnen werden.

„Gerade heute war eine Gruppe Auszubildender von der Schule für Pflegeberufe aus Würselen hier“, erzählt er. Wie geht man mit Muslimen um, wenn man sie pflegt? Fragen, die für einen Imam nicht unbedingt alltäglich sind. Auch Seelsorge bei Eheproblemen, für die Ayse zuständig ist, ist eine Beratung, die es in der Türkei so noch nicht lange gibt. „Wir bekommen oft Fragen gestellt, in denen es darum geht, wie man mit seinem Glauben in der heutigen Gesellschaft in Frieden leben kann“, erzählt Ayse. Vieles hat sich geändert, auch im Islam. Das betreffe auch viele Jugendliche, gerade in Aachen, sagt sie.

Aktuelle, zeitgenössische Themen und wie sie mit dem Islam vereinbar sind – nicht immer eine einfache Fragestellung. Da dreht es sich um Selbstverständlichkeiten im Alltag wie die Internetnutzung: Ist es verwerflich, wenn ein Mann mit einer Frau chattet? Eine Antwort darauf wird man im Koran nicht finden. „Auf der Basis des Korans kann man solche Fragen aber diskutieren, damit man als Muslim eine gute Antwort findet“, erklärt Ayse.

In zwei Jahren müssen sie und ihr Mann mit den beiden Kindern Mohammed Emre (6) und Fatma Zehrra (4) zurück in die Türkei, sie sind als Staatsbedienstete nur für eine begrenzte Zeit im Ausland. Integration ist ihnen trotzdem wichtig: Der kleine Mohammed Emre besucht die Montessori Grundschule in Eilendorf und seine Eltern besuchen an der Volkshochschule einen Deutsch-Intensivkurs.

Mustafa Necate-Baris ist schon viel herumgekommen: Frankreich, Holland und nun Deutschland sind die Stationen, die seine Vita aufweist. „In Deutschland sind Moscheen und muslimische Gemeinden wesentlich mehr etabliert als zum Beispiel in Holland“, erzählt er. Die Integration der Muslime hier sei viel weiter vorangeschritten als in den Nachbarländern. „Das Arbeiten ist einfach professioneller.“

Aufgabe in der JVA

Ein ganz anderes Arbeitsfeld als das in der Moschee bietet sich dem Imam in der JVA in Aachen. Alle zwei Wochen will er dort Zeit mit den über 100 muslimischen Häftlingen verbringen, die das auch ausdrücklich fordern. Die Arbeit hat bereits sein Vorgänger begonnen, Mustafa Necate-Baris will sie fortführen, wartet allerdings noch auf die Genehmigung von Landesebene.

„Wir möchten solange wir hier sind, etwas Gutes für Aachen tun“, sagt das Ehepaar. „Der Islam ist eine friedliche Religion und das wollen wir den Menschen hier zeigen.“

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