Neuer Aufzug in der Domschatzkammer: Gläserne Hubbühne öffnet Türen

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
14128577.jpg
Jungfernfahrt: Dompropst Manfred von Holtum, Birgitta Falk (Leiterin der Domschatzkammer) und Dombaumeister Helmut Maintz (links) begrüßen neue Gäste in der Domschatzkammer. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein Stückchen vor, etwas zurück – endlich stehen die Räder richtig und Mirella Jagus kann ihren schweren Elektrorollstuhl auf die rundum von Glas umgebene 1,20 Meter breite Fläche steuern. Es geht sanft aufwärts in die obere Etage der Domschatzkammer Aachen.

Als sich die 90 Zentimeter breite Tür automatisch öffnet, sagt die junge Frau im Rollstuhl mit einem Blick auf die Schätze, die sie nun erstmals besichtigen kann: „Für mich ist das nicht nur ein Aufzug, es ist gelebte Inklusion. Ich bin körperbehindert, aber geistig fit. Mich interessiert Geschichte, und jetzt kann ich selbst entscheiden, was ich mir ansehe!“ Ab sofort haben Menschen mit Gehbehinderung die Möglichkeit, die Domschatzkammer rundum zu besuchen – vom Untergeschoss über den Eingangsbereich bis zum Obergeschoss.

„Ein großer Schritt auf dem Weg zur vollständigen Barrierefreiheit der Schatzkammer“, freut sich Dompropst Manfred von Holtum und dankte der Lebenshilfe Aachen für ihre Unterstützung. Neben Mirella Jagus sind mit ihren Rollstühlen auch Gabi Kaltenberg und Elena Tjan vor Ort. Ihr Testergebnis: einwandfrei. „Der Treppenlift war hoffnungslos veraltet und extrem störanfällig“, erläutert Dombaumeister Helmut Maintz die Ausgangssituation. Und nicht nur das: „Wir mussten mehrfach Leute von der Feuerwehr befreien lassen, weil der Rollstuhl hängen geblieben ist”, erläutert er.

Mirella Jagus war eine von denen, die ihren Rollstuhl dem Treppenlift sicherheitshalber gar nicht erst anvertraut haben. „Man muss ein Hilfsmittel unbesorgt nutzen können, sonst taugt es nichts“, sagt sie. Rund 155.000 Euro wurden für das Projekt investiert, 30.000 Euro übernahmen Sponsoren. Am Samstag und Sonntag wird die Wiedereröffnung mit einem unterhaltsamen Domschatzkammer-Programm gefeiert.

Bereits 1995 bei Umbau und Neugestaltung der Domschatzkammer aus dem Jahre 1975 war ein „vertikaler Aufzug“ im Gespräch. Zunächst gab es lediglich einen kleinen Aufzug im Eingangsbereich (Drachenloch), mit dem Besucher in den Mittelbereich der Domschatzkammer gelangen konnten. Der bleibt auch weiterhin erhalten. Immer wieder diskutierte man weitere Lösungsmöglichkeiten – dann wurde 2015 das Grashaus, Aachens ehemaliges Rathaus, in dem sich lange Jahre das Stadtarchiv befand, saniert und zur interaktiven Station der Route Charlemagne ausgebaut - inklusive Aufzug im sehr schmalen Treppenhaus. „Wir waren begeistert, denn nach diesem Prinzip konnten auch wir uns den Einbau vorstellen“, erläutert Maintz. Rechts und links mussten noch jeweils 15 Zentimeter vom Treppenhaus der Domschatzkammer geopfert werden, damit das Objekt aus grauem Stahl und Glas hineinpasste, das streng genommen kein Aufzug ist.

Zwei „Geschenke“

„Es ist eine verglaste Hubbühne, vergleichbar einer Arbeitsbühne, die mit Hilfe einer Spindel, die man auch sehen kann, hochgedreht oder abgesenkt wird“, erklärt der Dombaumeister. Für Birgitta Falk, seit vier Monaten und drei Tagen im Amt als Leiterin der Domschatzkammer, ist der Um- und Einbau das erste größere Projekt. Sie durfte sich dabei, wie sie sagt, über zwei „Geschenke“ freuen: „Es war alles in die Wege geleitet, was den Einbau in nur vier Wochen möglich machte, und ich konnte die Kunstwerke, die mit einem speziellen Staubschutz versehen wurden, in die Hand nehmen.“ Inzwischen leuchtet alles wieder staubfrei. „Für die Zukunft werden wir in der Präsentation etwas ändern, das steht fest“, verspricht sie. „Menschen mit Behinderung haben einen anderen Blickwinkel auf die Objekte, besonders vom Rollstuhl aus. Da müssen wir die Höhe der Vitrinen anpassen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert