Neue Wohnformen für Menschen mit Behinderung

Von: Kathrin Albrecht
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Aachen. Menschen haben ein Recht auf ein eigenständiges Leben. Dazu gehört auch, dass sie selbst entscheiden, wie sie wohnen möchten. Das gilt natürlich auch für Menschen mit Behinderungen.

War es vor über zehn Jahren noch üblich, dass sie auch im Erwachsenenalter noch bei den Eltern lebten oder in ein Wohnheim zogen, so hat sich hier inzwischen ein Wandel vollzogen. Das spüren auch die Beraterinnen und Berater der Kontakt-, Koordinierungs- und Beratungsstellen (Kokobe) der Städteregion Aachen bei ihren Gesprächen. Um über die verschiedenen Wohnformen zu informieren, die es in der Städteregion gibt, lädt die Kokobe am Samstag, 5. November, zur zweiten Wohnmesse in die Parzivalschule ein.

Im vergangenen Jahr feierte die Messe ihre Premiere im Aachen-Fenster. „Das Konzept ist gut angenommen worden“, freut sich Andrea Bohlmann, die bei Kokobe für den Aachener Nordwesten zuständig ist. Die unterschiedlichen Wohnmodelle stellen sich mit einem Bühnenprogramm vor. Mit dabei sind die Lebenshilfe, Caritas Lebenswelten, das Vinzenz-Heim und der Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte (VKM).

„Wir möchten mit der Messe zum einen diejenigen erreichen, die sonst nicht in unsere Beratung kommen. Außerdem möchten wir Menschen mit Behinderung und deren Angehörige frühzeitig darüber informieren, was möglich ist, wenn der Wunsch, in einer eigenen Wohnung zu leben, da ist“, sagt Jennifer Sieprath, bei Kokobe zuständig für den Aachener Südwesten. Denn der Weg zu den eigenen vier Wänden ist nicht immer einfach, auch wenn es inzwischen sehr vielfältige Wohnformen gibt.

Wohnheime bieten Außenwohngruppen an, die eigenständig, aber weiter ans Haupthaus angeschlossen sind. Es gibt betreute Wohngemeinschaften, in denen jeder Mitbewohner nach seinen Bedürfnissen ambulant betreut wird. Auch die Möglichkeit, alleine oder mit dem Partner zu wohnen, beispielsweise in einem Mehrfamilienhaus, in dem Menschen mit unterschiedlichen Graden der Behinderung leben, die sich gegenseitig unterstützen können, ist möglich.

Ein solches Modell realisierte die Lebenshilfe im vergangenen Jahr in Brand. Das Interesse ist groß, die Wartelisten sind lang. Das ist vor allem auch in ländlicheren Gebieten der Städteregion so, erzählt Andrea Hein von der Kokobe Monschau, Simmerath und Roetgen: „Private Wohnungsgeber können sich oft nicht vorstellen, dass Menschen mit Behinderung in der Lage sind, die Wohnung in Ordnung zu halten. Wir bieten vor Ort zwei Wohnhäuser an. Die Menschen fühlen sich mit ihrem Heimatort verbunden und tun sich schwer damit, in die Stadt zu ziehen.“ Insofern dient die Messe auch dazu, die Situation sichtbar zu machen.

„Ob Inklusion gelingen kann, hängt auch davon ab, inwieweit Menschen ohne Behinderung Verständnis und Toleranz für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung entwickeln“, sagt Karin Schmitt-Promny, Aachener Landtagsabgeordnete der Grünen. Sie hat für die zweite Wohnmesse die Schirmherrschaft übernommen und sieht auch die Bauherren in der Pflicht, Angebote zu machen, die Menschen mit Behinderung gerecht werden.

Nicht zuletzt dient die Messe aber auch dem Austausch der Menschen untereinander. „Für die meisten ist es eine große Hilfe, wenn sie mit WG-Bewohnern ins Gespräch kommen und etwas über deren Alltag hören, um eigene Pläne zu entwickeln“, sagt Jennifer Sieprath.

Die Messe „Meine Wohnform – mein Zuhause“ findet am Samstag, 5. November, von 14 bis 18 Uhr in der Parzivalschule, Aachen-Münchener-Allee 5, 52074 Aachen, statt. Das Gelände ist barrierefrei zu erreichen.

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