Aachen - Neue Stadttour zur Demokratie in Aachen

Neue Stadttour zur Demokratie in Aachen

Von: Peter Schopp
Letzte Aktualisierung:
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Startpunkt am Theater Aachen: Jan Röder hat am Sonntag die erste Gruppe zum Rundgang empfangen. Foto: Andreas Steindl
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Haben die Führung konzipiert: Helen Bolke-Hermanns, Jan Röder und Birgit Hilgers. Foto: Andreas Steindl
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Historische Vergleiche: Die große Politik wird an Aachener Orten widergespiegelt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Demokratie ist (k)ein Spaziergang“ – welch ein Satz in Zeiten von Pegida, Islamischem Staat und aufkeimendem Rechtspopulismus. Der Verein Stadtbekannt & Co., Veranstalter vieler verschiedener Themenführungen durch die City, stellte unter diesem Titel am Sonntag sein neuestes Projekt vor.

Birgit Hilgers, Helen Bolke-Hermanns, Ute Schäfer und Jan Röder haben in den vergangenen 18 Monaten die ungewöhnliche Expedition entwickelt und Orte ausgesucht, an denen richtungsweisende Ereignisse stattgefunden oder Menschen gelebt haben, die für die Entwicklung der Regierungsform Demokratie wichtig waren und manchmal sogar entscheidenden Einfluss darauf genommen haben.

Aufgeteilt in eine Tour mit ungefähr zehn Zwischenstopps, startete der Rundgang vor dem Theater. Jan Röder als „Wanderführer“ schaffte es von Beginn an, die Feuertaufe zu einem interessanten Schnelldurchgang in Sachen historische Ereignisse, geschichtsträchtige Orte sowie Grundlagen der verschiedenen Regierungsformen von der Antike bis in die Gegenwart zu vollenden.

Die Griechen, die Römer, das Kaisertum, die französische Revolution, die Weimarer Republik, der Nationalsozialismus – die Liste der Epochen liest sich schnell, ist aber angefüllt mit Jahrtausenden politischer und menschlicher Erfahrungen, wie das staatliche Miteinander gestaltet wurde und wird.

Die Teilnehmer des Rundgangs wurden im Wortsinn schrittweise mitgenommen, die Entstehung von Absolutismus, Aufklärung, Liberalismus, Sozialismus, Diktatur und schließlich Demokratie nachzuverfolgen. Zu vielen dieser Epochen gibt es in Aachen Stellen, an denen Historisches geschah. Röder und seine Mitstreiterinnen haben eine ganze Reihe dieser Orte aufgelistet und in ihren Vortrag eingebunden.

So war der damalige Londoner Hof in der Kleinkölnstraße 18 seit seinem Bau 1485 nicht nur Herrschaftssitz, Gasthof und während der französischen Revolution Treffpunkt des europäischen Adels, sondern um 1800 auch Verwaltungssitz der französischen Besatzer. Heute finden sich in seinen Mauern verschiedene Vereine wie die Aachener Engel oder die Wabe.

Dort, wo heute die Mayersche Buchhandlung residiert, stand im 15. Jahrhundert das Gebäude „Großer Klüppel“. Hier richtete David Hansemann im 19. Jahrhundert sein Wollkontor ein. Beruflich Unternehmer, war er politisch ein Verfechter des rheinischen Liberalismus und sorgte mit dafür, dass die Unternehmerschaft durch verstärkte Bildungsangebote und finanzielle Zuwendungen die größte Not der wachsenden Arbeiterschaft zu lindern half.

Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierten die Amerikaner in Aachen das sogenannte Demokratielabor. Sie versuchten mit den verschiedensten Unternehmungen, in der ersten befreiten Stadt Deutschlands den Menschen bei den neuerlichen demokratischen Gehversuchen Unterstützung zu gewähren. So entstand in Aachen mit den „Aachener Nachrichten“ bereits Anfang 1945 die erste demokratisch ausgerichtete Tageszeitung nach der NS-Diktatur. Gewerkschaften wurden maßgeblich in Aachen neu gegründet und erste Wahlen abgehalten.

Stadtbekannt & Co. hat mit dieser Tour erneut unter Beweis gestellt, dass Geschichte in keiner Weise trocken und ermüdend sein muss. Im Gegenteil. Und die Macher des Rundgangs wissen, dass immer wieder neue Aspekte in ihr Programm einfließen werden, dass die Tour sich entwickelt. Vielleicht ja schon bis zum 31. Januar um 11 Uhr, dann steht nämlich der nächste „Spaziergang“ auf dem Programm.

Die Tour ist offen, Anmeldung nicht nötig, aber erwünscht (siehe Info). Unterstützt werden die Führungen durch die Bürgerstiftung der Sparkasse Aachen, die mit ihren Gewinnen bekanntlich viele Vereine unterstützt. Was wiederum zurückgeht auf David Hansemann. Und da schließt sich der Kreis.

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