Neue Stadtführung, neuer Blickwinkel: Anekdoten von Kaiser Karls Ex

Von: Carolin Kruff
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Wenn die Ex-Frau eines Kaisers ins Plaudern gerät: Eine Stadtführung der ganz besonderen Art bietet „Ruth Scharlemanje“(Sabine Sturz, l.) an. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Wer hätte das gedacht: Ruth Scharlemanje, die Ex-Frau von Kaiser Karl, kehrt nach mehreren Hundert Jahren wieder nach Aachen zurück – dafür nahm sie ihr letztes Erspartes zusammen, um mit dem Zug die Reise vom belgischen Nivelles nach Aachen anzutreten. Denn pünktlich zum Karlsjahr 2014 – dem 1200. Todestag Karls des Großen – möchte auch sie die eine oder andere Anekdote zum Besten geben und sich damit ein bisschen Geld verdienen.

Informationen aus erster Hand – unverblümt, geradeaus und amüsant. Etwa 767 lernte sie ihren Karl kennen, sie heirateten, bekamen zwei Kinder und schließlich folgte die Scheidung auf Anraten der Schwiegermutter. Denn Karl hatte fast sein ganzes Geld in Kriege und in den Dom gesteckt – eine reiche Partie war die einzige Möglichkeit, um die Kaiserpfalz vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Da war für Ruth kein Platz mehr.

Ein Märchen aus 1001 Nacht? Nein, eine neue Stadtführung von Stadtbekannt & Co., die am Samstagnachmittag ihre Premiere hatte, lässt mit der „Grande Dame“ Ruth Scharlemanje die Aachener Stadtgeschichte einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel erleben. Denn „nicht alles, was man sich so in Aachen erzählt, entspricht auch wirklich den Tatsachen“, enthüllte Ruth Scharlemanje mit despektierlichem Gesichtausdruck. Und als würde das nicht schon reichen: Auch die Frau des Teufels und ihr 13. Kind „Luzie“ waren bei dieser außergewöhnlichen Stadtführung mit dabei, um die Stadtgeschichte noch einmal neu aufzurollen.

Es folgte ein anderthalbstündiges satirisches Wortgefecht der beiden Damen, deren Männer seinerzeit viel in Aachen bewegt haben. Mit Teufels- und mit Engelszungen wurde auf die Zuhörer eingeredet. Das war Straßenkabarett vom Allerfeinsten! Nicht nur die Besucher selbst haben sich prächtig amüsiert, viele Passanten blieben in der Innenstadt kurzerhand stehen, um dem feurigen Zwiegespräch der beiden Protagonistinnen zu lauschen. Geschenkt wurde sich nichts: Denn immerhin war der Teufel dank seiner großzügigen finanziellen Spende dafür verantwortlich, dass der Dom doch noch zu Ende gebaut werden konnte.

Die Route führte einmal quer durch die Innenstadt: Vom Rathaus über Katschhof, Münsterplatz und Elisenbrunnen bis hin zum Bahkauv und zum Puppenbrunnen. Die Sage vom Bachkalb, der Dombau zu Aachen und die Bedeutung der heißen Quellen wurden auf witzige Art und Weise erzählt. Das Nationalgebäck der Aachener – die schmackhaften Printen – gab’s natürlich auch zu probieren, handelte es sich schließlich um die Lieblingsspeise Kaiser Karls.

Hinter den beiden Kunstfiguren stecken Sabine Sturz als Ruth Scharlemanje und Erika Hoog als Frau Teufel, die beide schon seit vielen Jahren als Stadtführerinnen arbeiten und jede Ecke in Aachen kennen. Die pfiffige Stadttour wurde von beiden selbst konzipiert, die Dialoge stammen aus ihrer Feder. Wochenlange Vorbereitungen liegen hinter den beiden Frauen. „Mit dieser Tour möchten wir zeigen, dass Stadtgeschichte lebendig ist. Es muss nicht immer alles todernst sein – Geschichte kann auch Spaß machen“, erklärt Sabine Sturz. Es hat sich gelohnt. Die Besucher der Premiere waren begeistert.

So auch Marlies und Robert Isken, die gemeinsam mit ihrer Tochter Theresa an dem Rundgang teilnahmen. „Das war eine tolle und witzige Stadtführung. Die feine Ruth Scharlemanje und die rustikale Frau Teufel haben sich perfekt ergänzt und uns alle zum Lachen gebracht“, resümiert Robert Isken.

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