Aachen - Neue Moschee: Viele Fragen und einige Ängste

Neue Moschee: Viele Fragen und einige Ängste

Von: Sarah Sillius
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Hier könnte einmal eine Mosch
Hier könnte einmal eine Moschee stehen. Noch liegt die Fläche an der Feldstraße nahe der Vineyard-Gemeinde (Hintergrund) und der Jülicher Straße brach. Das Grundstück ist aber so gut wie verkauft. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Ahmadiyya-Gemeinde präsentiert sich an diesem Abend als herzlicher und bescheidener neuer Nachbar. Die Mitglieder der islamischen Gemeinde haben gemeinsam mit ihrem Bundesvorsitzenden Abdullah Uwe Wagishauser in die Räume der Vineyard-Gemeinde geladen.

Sie möchten interessierten Bürgern über den geplanten Moscheebau an der Feldstraße berichten. „Es soll ein integriertes Projekt werden”, sagt Baudezernentin Gisela Nacken, die die Bürgerversammlung moderiert. Der Bau- und Liegenschaftsausschuss hat dem Verkauf des Grundstücks bereits zugestimmt. Nacken: „Uns liegt sehr daran, dass es hier einen guten Austausch und eine gute Nachbarschaft geben wird.”

Darum wollten die Gemeindemitglieder die Anwohner noch vor dem Baubeginn in ihre Pläne einweihen. Frühestens im Sommer 2012 soll der Bauantrag gestellt werden. Derzeit müssen sich die rund 170 Gemeindemitglieder noch in beengten Räumen am Adalbertsteinweg zum Gebet treffen. Vier Jahre suchten sie nach einem geeigneten Grundstück, das sie nun im Aachener Norden gefunden haben.

Die geplante Moschee soll aus zwei Hallen (je 65 Quadratmeter), einem Multifunktionsraum (45 Quadratmeter), zwei Büros (je 12,5 Quadratmeter), zwei WC-Anlagen, einer Kuppel mit einem Durchmesser von fünf Metern sowie einem 14 Meter hohen Minarett bestehen. Die Grundhöhe des Gebäudes soll einschließlich Kuppel nicht zehn Meter übersteigen. Der Bau werde rund 450.000 Euro kosten und werde allein über Mitgliederspenden finanziert. „Unsere Gebetshäuser sind funktionell, keine riesigen Gebäude. Wir agieren bescheiden”, betont Wagishauser und versichert, dass es auch keinen Gebetsruf geben soll. Dies soll im Notariatsvertrag festgehalten werden.

Um Vorurteilen und Ängsten vorzubeugen, bringt der Vorsitzende den rund 100 Besuchern die Geschichte und den Aufbau der Ahmadiyya näher und berichtet von ihrem sozialen und kulturellem Engagement. Die Gemeinde verfügt über eine eigene Frauen- und Jugendorganisation, hat Aktionen wie den „Neujahrsputz” ins Leben gerufen, bemüht sich um einen interreligiösen Austausch und hat seit vielen Jahren einen Stand auf der Frankfurter Buchmesse.

„Bildung und Sprache sind uns sehr wichtig”, sagt Wagishauser, der selbst fließend Deutsch spricht. Die Stadt habe sich vor der Grundstückssuche über die Ahmadiyya beim Verfassungsschutz des Innenministeriums informiert, betont Nacken: „Es handelt sich um keine radikal-islamische Gemeinde.” Die größten Zweifel sind aus der Welt geschafft, Fragen im Publikum bleiben. Überwiegend geht es den Anwohnern um praktische Informationen, zum Beispiel um den Einfluss auf die Parksituation. Etwa 12 Parkplätze seien angedacht, erklärt Wagishauser. „Die notwendigen Bauvorgaben müssen wir erfüllen.”

Daraus resultiert die nächste Frage. Wenn freitags rund 80 Prozent der Gemeindemitglieder zum Gebet in die neue Moschee strömen, wo sollen die alle parken? „Natürlich müssen an diesem Tag andere Parkplätze in der Umgebung gefunden werden”, sagt Nacken. Es sei ein gängiges Verfahren, dass der Parkplatz-Schlüssel an der normalen Frequentierung gemessen werde. Außer freitags würden nur rund 20 Personen gleichzeitig die Moschee besuchen. Wagishauser verspricht, dass es einen Ordnungsdienst geben wird. Ohnehin ist angedacht, dass ein Mitglied der Gemeinde einen Raum in der Moschee erhalten und als Hausmeister ständig vor Ort sein soll.

Für kurze Zeit gleitet das Gespräch in eine theologische Grundsatzdebatte über den Koran ab. Wagishauser und die Mitglieder der Aachener Gemeinde werden mit klassischen Vorurteilen konfrontiert. Entkräften müssen sie diese aber nicht allein. Viele Befürworter und Freunde haben sich eingefunden, um die Ahmadiyya zu unterstützen. Einer von ihnen ist der evangelische Pfarrer Hans-Christian Johnsen: „Wir sollten feinfühlig und mit einer gewissen Offenheit mit religiösen Minderheiten umgehen. Ich würde mir wünschen, dass wir in Aachen ein gutes Miteinander zwischen den Religionen finden würden.”

Aus einer Reformgemeinde des Islam entstanden

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) ist eine Religionsgemeinschaft, die aus der Ahmadiyya-Bewegung hervorgegangen ist. Die Ahmadiyya ist eine Reformgemeinde des Islam, die 1889 in Indien gegründet wurde.

Die AMJ hat rund 30.000 Mitglieder in Deutschland und ist in etwa 200 Ländern vertreten, darunter in Pakistan, Indien, Arabien und in der Türkei. In Deutschland leben etwa 30.000 Ahmadiyya. In den 70er und 80er Jahren wurden Mitglieder der Religionsgemeinschaft in Pakistan stark verfolgt, so dass viele nach Deutschland flüchteten.

Die meisten verfügen heute über die deutsche oder die doppelte Staatsbürgerschaft. 1956 und 1959 wurden die ersten Moscheen in Hamburg und Frankfurt eröffnet.

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