Aachen - Neue Mittel für den Aufschwung

Neue Mittel für den Aufschwung

Von: Hanna Sturm
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Jülicher Straße als „Beautymeile” - mit dieser Assoziation verbinden wahrscheinlich nur wenige die Hauptverkehrsstraße im Aachener Norden.

Als ehemaliges Industrie- und Arbeiterviertel hat die Gegend zwischen Innenstadt, Frankenberger Viertel und Haaren im Allgemeinen nicht den besten Ruf. Doch wer wie Cornelia Schlebusch unvoreingenommen und mit offenen Augen durch das Viertel geht, der entdeckt auch Unerwartetes. Wie eben die unzähligen Friseurgeschäfte entlang der Jülicher Straße.

„Es geht darum zu sehen, was in so einem Viertel tatsächlich schon vorhanden ist”, betont Schlebusch, die beim Arbeitskreis Lokale Ökonomie aktiv ist. Gemeinsam mit der Stadt hat der Arbeitskreis nun zu einem Diskussionsabend zum Thema „Kreativwirtschaft Aachen Nord - Eine Chance für die soziale Stadtentwicklung” eingeladen.

Wo früher Schweinehälften zerlegt wurden und heute historische Sportwagen auf Hochglanz poliert Spalier stehen, sprachen Vertreter der Stadt, Bürger und Kreative aus dem Viertel über Möglichkeiten und Schwierigkeiten, den Strukturwandel voranzubringen. Das Erkennen der vorhandenen Potenziale sei da ein erster wichtiger Schritt, betont Schlebusch im Gespräch mit Moderator Bernd Büttgens, stellvertretender AZ-Chefredakteur. „Außerdem müssen immer die Bedürfnisse der Menschen vor Ort im Mittelpunkt stehen.”

OB Marcel Philipp sieht kreative Branchen wie Architektur, Design oder bildende Kunst als Mittel nicht nur für wirtschaftlichen Aufschwung, sondern auch für einen Imagewechsel. Mit kulturellen Institutionen wie dem Ludwig Forum und dem Das Da Theater oder dem alten Schlachthof als gut angenommenen Standort für Künstler und Designer gebe es schon ein „kreatives Grundmuster”, so Philipp. „Gemeinsam mit den Bürgern müssen wir jetzt Konzepte finden, die genug Freiraum lassen für Eigendynamik.”

Eine häufig angesprochene Frage ist auch, wie die soziale Stadtentwicklung mit der Stärkung der Kreativwirtschaft einhergehen kann. Hier stehe die Bürgerbeteiligung im Vordergrund, betont Dieter Begaß, Fachbereichsleiter der städtischen Wirtschaftsförderung. „Wenn wir das einfach alleine entscheiden, dann geht das schief.” Ein Beispiel sei das geplante Kreativdepot im ehemaligen Straßenbahndepot in der Talstraße. Hier sollen die Kreativen mit den Jugendlichen der Offenen Tür zusammenarbeiten. „Es ist aber nicht immer einfach, Bürgerbeteiligung mit bürokratischen Anforderungen zu vereinbaren”, so Begaß.

Wie es funktionieren kann, zeigt Mustafa Tazeoglu in seinem Vortrag über die Entwicklung der Kreativwirtschaft in Duisburg-Marxloh. „Unser Erfolg soll zeigen, was in anderen Städten mit weitaus besseren Bedingungen zu holen ist”, so Tazeoglu. Mit Aktionen wie „100 Bräute aus Marxloh” auf der gesperrten A 44, die auf die über 50 Brautmodengeschäfte im Stadtteil anspielte, konnte nicht nur das Image verbessert, sondern auch das Selbstbewusstsein der Marxloher gestärkt werden. Und das ist im Prinzip auch der wichtigste Antrieb für Cornelia Schlebuschs Aktivismus: „Ich möchte, dass meine Kinder stolz darauf sein können, in Aachen-Nord zu wohnen.”
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