Neue Initiative will Digitalisierungszentrum aufbauen

Von: Thorsten Karbach
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Im Ratssaal diskutieren mehr als 80 Unternehmer über die neue Initiative. Foto: Andreas Steindl
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Sieht Motivation, aber auch Unsicherheit: Unternehmer Thomas Mathes.

Aachen. Zuletzt war Tobias Kollmann in Köln. Der Wirtschaftswissenschaftler ist Professor für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen - vor allem aber Digitalisierungsbeauftragter der Landesregierung NRW und soll Kommunen der Region für einen Wettbewerb um sogenannte Digital-Hubs begeistern.

Hinter diesem schwer greifbaren Begriff verbergen sich Digitalisierungszentren.

Das sind Einrichtungen, in denen die Digitalwirtschaft mit ihren jungen Firmen und vor allem Start-ups und der etablierte Mittelstand zusammenfinden, und gemeinsam Geschäftsmodelle entwickeln. Der Besuch in Köln war für Kollmann am Ende offensichtlich enttäuschend, denn als er nun im Aachener Ratssaal auf mehr als 80 Unternehmer aus Stadt und Städteregion traf, da stellte er fest: „Hier ist viel mehr los!“

Das war keine Überraschung – zumindest nicht für Oliver Grün und Professor Malte Brettel. Der Vorstand der Grün Software AG und Präsident des Bundesverbandes IT-Mittelstand (BITMi) und der Prorektor der RWTH Aachen sind die maßgeblichen Initiatoren hinter der Initiative „Aachen digitalisiert“, die sich um ein Digitalisierungszentrum bemüht – und deswegen auch am Landeswettbewerb Digital-Hub teilnehmen wird, der am Montag offiziell startet.

Sie haben schon im Vorfeld für das Thema geworben – beim klassischen Mittelstand und der Industrie wie auch bei Start-ups und etablierteren Digitalunternehmen. Ebenso bei der Politik. Und dies durchaus mit Erfolg. „Die Digitalisierung stellt eine riesige Chance dar. Wir wollen nicht reagieren, wir wollen das Thema aktiv gestalten. Wir haben dazu die idealen Voraussetzungen“, erklärte dementsprechend Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, der mit Städteregionsrat Helmut Etschenberg mit hinter der Initiative steht.

Was der OB meint: Es gibt die Hochschulen mit der fachlichen Expertise, der Innovationskultur und den Ideen für neue Entwicklungen. Seitens der RWTH wurde das StartLab gegründet, eine Art Gründerzentrum, das dezidiert Ideen aus der digitalen Welt fördert. Es gibt eine rege IT-Branche, die Zahl der IT-Arbeitsplätze in Aachen liegt um 75 Prozent über den NRW-Durchschnittswert. Und es gibt zunehmendes Interesse anderer Branchen an IT-Entwicklungen oder Plattformlösungen. Das ist laut Oliver Grün nicht nur gut sondern auch zwingend notwendig.

„Wenn wir nicht aufpassen, dann wird Deutschland irgendwann zur verlängerten Werkbank von Firmen aus den USA und aus Asien, die innovativer sind. Wir müssen uns jetzt digitalisieren!“ Dass das kein Selbstläufer ist, wurde bei der Auftaktveranstaltung der neuen Initiative im Ratssaal aber auch deutlich. „Wir haben eine hohe Motivation, aber auch eine hohe Unsicherheit“, berichtet Thomas Mathes, Geschäftsführer des Aachener Einrichtungshauses Mathes. Gerade in seiner Branche habe die Digitalisierung „extremen Einfluss“, so Mathes. „Wer hier nicht das notwendige digitale Know-how hat, ist hintendran.

Fünf Standorte wird die Landesregierung am Ende unterstützen. 500.000 Euro im Jahr und das über drei bis fünf Jahre werden pro Hub bereitgestellt (NRW-weit sollen 12,5 Millionen Euro investiert werden), ebenso viel Geld müssen die Bewerber mitbringen. In einem Digitalisierungszentrum sollen Gründer Arbeitsplätze, Infrastruktur bis hin zu 3D-Druckern finden, dazu Beratung und Kooperationspartner. Etablierte Unternehmen finden frische Ideen.

Die Intention ist klar: Es geht darum, neue Geschäftsmodelle und damit auch neue Firmen zu entwickeln. Rund 480 Start-ups mit digitalen Geschäftsmodellen wurden in den letzten Jahren in NRW laut Tobias Kollmann gegründet. „Das ist im europäischen Vergleich viel zu wenig. Die Frage ist doch: Welche Stadt hat das Thema verstanden und kann die Kräfte dafür bündeln.“

Natürlich gibt es auch in Aachen den Traum, das nächste große Geschäft zu generieren, das nächste Airbnb oder das nächste Uber. Ersteres zählt mehr vermittelte Übernachtungen als die größten Hotelketten der Welt. Der Fahrdienst Uber bringt in New York 18.000 Autos auf die Straße – die mit 5000 Yellow Cabs (gelben Taxis) erfolgreich konkurrieren. (Vermittlungs-) Plattformen wir diese sind die Zukunft sagt Grün. „Wir wollen Aachen auf die digitale Landkarte setzen.“

Das nächste Uber oder Airbnb aus Aachen? Der ganz große Wurf? Eine Kleinigkeit fehlt dazu freilich noch. Eine entscheidende. Denn die genannten Paradebeispiele durfte mit vielen Milliarden Dollar Risikokapital wirtschaften. „Das fehlt hier in der Region definitiv“, sagt Zahir Dehnadi, Gründer des Online-Mode-Handels Navabi. Er hat Kapital aus aller Welt akquirieren können – und müssen. „Es wäre mir auch lieber gewesen, wenn das Geld aus der Region gekommen wäre.“ Also kein Uber? Realistischer sind zunächst einmal kleinere Ansätze – etwa die App, mit der der Verschleiß an Industrieöfen der Otto Junker GmbH aus Lammersdorf dokumentiert wird.

Bis zu den Sommerferien soll sich entscheiden, ob die Initiative „Aachen digitalisiert“ dabei auch mit Landesmitteln rechnen kann. Malte Brettel sagt: „Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen werden.“

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