Aachen - Neue Infotafeln: Mahnende Erinnerung an eine dunkle Zeit

Neue Infotafeln: Mahnende Erinnerung an eine dunkle Zeit

Von: Lilian Killmeyer
Letzte Aktualisierung:
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Wegweiser in Sachen Historie: Stadtarchäologe Dr. Markus Pavlovic (links) und Wolfgang Wegener vom Landschaftsverband stellten die neuen Infotafeln zur Geschichte Aachens im Krieg vor. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Denkt man an die reichhaltigen archäologischen und historischen Funde in der Region Aachen, kommen einem sofort Geschichten der alten Römer, von Karl dem Großen und der Merowinger in den Sinn. Doch Geschichte schließt auch die jüngere Vergangenheit mit ein – auch wenn hier oft der weit verbreitete Irrglaube besteht, über diese Zeit alles zu wissen.

Das betont auch Stadtarchäologe Markus Pavlovic: „Gerade aus dem zweiten Weltkrieg ist vieles gar nicht niedergelegt oder dokumentiert worden. Natürlich hatten wir alle das Thema in der Schule, aber was uns meistens fehlt, ist die Antwort auf die Frage: Wie ist diese Zeit für die Bevölkerung spürbar gewesen?“

Berühmte Relikte

Zwei Orte, an denen das nachvollziehbar wird, sind die Panzermauern und die Panzersperre am Schneeberg in Aachen bzw. Vaals sowie die sogenannte Höckerlinie im Aachener Süden am Königsberg. Um diese wichtigen Relikte des zweiten Weltkriegs für alle Vorbeigehenden zu erläutern und hervorzuheben, wurden nun an diesen Stellen zwei neue Infotafeln aufgestellt, die vor allem die Bedeutung der Panzersperre „Westwall“ sowie Aachens Rolle im zweiten Weltkrieg als erste von den Alliierten befreite Stadt im Deutschen Reich beleuchten und dokumentieren.

„Das Besondere an diesen Orten ist, dass man sowohl die Panzermauer als auch die überwachsenen Panzerhöcker noch gut erkennen kann“, so Wolfgang Wegener vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Die Stelltafeln, von denen im gesamten Rheinland gerade einmal rund zwölf vorhanden sind, entstanden im Rahmen des 2014 gestarteten Projekts „1914 – Mitten in Europa – Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“, bei dem der Landschaftsverband Rheinland eine Bestandsaufnahme archäologischer Kriegsrelikte des 20. Jahrhunderts durchgeführt hat.

Einer der längsten erhaltenen Abschnitte der Westbefestigung (Westwall) verläuft auf 13 Kilometern westlich und nordwestlich der Stadt Aachen entlang der deutsch-niederländischen Grenze und wurde 1938 von Hitler in Auftrag gegeben, um sich zum Westen hin flächig abzugrenzen. Im Gegensatz zu der sonst üblichen Bauweise als Höckerlinie wurden am Schneeberg und am Wachtelkopf Panzermauern erbaut, die heute als Bodendenkmäler unter Schutz stehen.

Willkürliche Grenzen

„Metaphorisch zeigt der Westwall, dass dieses willkürliche Ziehen von Grenzen, das uns im Alltag ja immer wieder begegnet, zum einen Dinge trennt, die eigentlich zusammengehören, und zum anderen ebenso wie die Westbefestigung letztendlich sinnlos ist.“, meint Pavlovic. Denn wie die Schilder dokumentieren, hat der Westwall die Amerikaner zwar kurze Zeit aufhalten, allerdings nicht stoppen können.

Das betont auch Wegener: „Die Amerikaner hatten aufgrund der diesbezüglichen Propaganda mehr Respekt vor der Befestigung, als dass sie militärisch überhaupt etwas genutzt hat.“ Die Funktion, die die propagandistisch aufgeladene Grenzbefestigung einnehmen sollte, konnte sie also nie erfüllen.

Für Pavlovic stellt der Westwall außerdem ein Denkmal dafür dar, dass ein freiheitliches Europa nicht naturgegeben ist, sondern wir dauernd daran arbeiten müssen.

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