Neue Fälle von Vandalismus auf dem Ostfriedhof

Von: Hans-Peter Leisten
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Sind angesichts des materielle
Sind angesichts des materiellen, ideellen und historischen Schadens auf dem Ostfriedhof wütend und enttäuscht: Wolfgang Berg und Holger A. Dux (rechts) vom Förderkreis. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Eine leere Bierflasche steht auf dem Rand einer Grabstätte. Ein pietätloses Bild. Aber das nehmen Dr. Holger A. Dux und Wolfgang Berg gar nicht zur Kenntnis. Ihr Weg führt am vergessenen Leergut vorbei zu einer beeindruckenden Familiengruft am Rande des Ostfriedhofes auf der Seite der Stolberger Straße.

Dux, Aachener Bauhistoriker und Vorsitzender des Förderkreises Ostfriedhof, und sein Stellvertreter, zugleich Friedhofsverwalter beim Aachener Stadtbetrieb, nehmen einen gewaltigen Schaden an einer der letzten Ruhestätten in Augenschein.

Enttäuschung macht sich breit

Enttäuschung und Unverständnis haben sich längst breit gemacht: „Der Schaden alleine an dieser Grabstätte dürfte im Bereich von mehreren zehntausend Euro liegen”, schätzt Berg. Eine aufwändige Umgitterung aus Kupfer und Messing wurde von der Stätte gewaltsam herausgerissen. Und da diese fest in Granitsäulen verankert war, stehen diese verloren, wackelig, teilweise schief auf dem Boden. Nur ein Fall von Vandalismus und vor allem Diebstahl auf dem historischen Friedhof im Schatten von St. Josef.

Dabei ist der materielle Schaden nur ein Aspekt. Ein historischer kommt hinzu, denn - das betont Dux - viele Gräber sind steinerne Zeugen und in soweit unersetzlich. Mit jedem Diebstahl wird die Stadtgeschichte um ein Stückchen ärmer. Für die betroffenen Familien ist das Vergehen zugleich immer eine emotionale Geschichte. Im konkreten Fall handelte es sich bei den Eigentümern um ein älteres Ehepaar, das - geschockt - erst gar nicht zur Polizei gehen wollte.

„Doch das ist genau der falsche Weg”, betont Berg. Er weiß aus jüngster Erfahrung, dass Öffentlichkeit vermutlich der einzige Schutz vor weiterem Diebstahl ist, denn: „Jeder Diebstahl macht Lärm, und die Täter müssen unter Zeitdruck arbeiten.”

Das hat vermutlich auch zu einer Festnahme in der Nacht zum 7. Mai geführt. Damals hatten Anwohner beobachtet, wie Metallgegenstände über die Mauer gehoben wurden und in Autos verladen werden sollten. Die Polizei konnte die Täter festnehmen und einige Metallgegenstände sicherstellen. Aber nicht alle. Und so fehlen auch an der großen Gedenkkapelle Berger direkt rechts hinter dem Haupteingang Stützen und Flanken der Einzäunung. Die Familie hatte einst das Bergersche Kinderheim in Aachen gestiftet. Das kleine Monument ist in städtischem Besitz. Heißt: Den Schaden muss die Stadt tragen. Schleifspuren dokumentieren, dass selbst die enorm schwere metallene Grabplatte gestohlen werden sollte. Hier musste die böse Absicht wohl vor dem Gewicht des Objektes kapitulieren. Aber die Pietät gegenüber gestorbenen Menschen scheint verloren zu gehen.

Was kann man tun? „Wir haben den Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit. Die Anwohner rund um Friedhöfe sollten genau hinsehen und - siehe oben - dann auch schnell die Polizei informieren”, wünschen sich die beiden Vorsitzenden des Förderkreises. Das gilt nicht nur für den Ostfriedhof, denn jüngst hatte eine AZ-Leserin auch ihre leidvollen Erfahrungen auf dem Westfriedhof geschildert. Wie berichtet, hat der Metalldiebstahl auf Friedhöfen auf äußerst unerfreuliche Weise Hochkonjunktur.

Holger Dux und Wolfgang Berg selbst sowie ihre Mitstreiter bringen viel ehrenamtliches Engagement ein, um die Stätte am Adalbertsteinweg in ihrer Funktion zu erhalten. Unabhängig davon, dass auch heute noch 40 bis 50 Urnenbeisetzungen dort stattfinden. „Wir sammeln Spenden zum Erhalt des Friedhofs und befürchten, dass die Spender irgendwann verloren gehen, wenn weiter gestohlen wird.” Eine weitere Dimension des Schadens.
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