„Net(t) fiere“ in Aachen: Gutes Programm, gute Nachricht, gute Noten

Von: Alexander Barth
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„Net(t) fiere“ am Holzgraben in Aachen: Zum Ende Veranslatung zum Auftakt des Straßenkarnevals in der Region, ausgerichtet von AKV, Net Aachen und unserer Zeitung, gibt sich auch Prinz Thomas II. mit Prinzengarde und Hofstaat die Ehre. Einige hundert Jecke feierten am frühen Samstagabend mit. Foto: Andreas Steindl
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Kam, sah und brachte Urkunden mit: AZ-Redakteur Manfred Kutsch (2.v.l.) mit den „Net(t) fiere“-Moderatoren Rolf Gerrards (li.) und David Lulley (re.) und AKV-Präsident Werner Pfeil.

Aachen. Von einer Ruhe vor dem eigentlichen karnevalistischen Sturm konnte am frühen Samstagabend in der Aachener Innenstadt nicht gerade keine Rede sein. Die Open-Air-Sitzung „Net(t) fiere“ bot einigen hundert Jecken ein stimmungsvolles Aufwärmprogramm für den Straßenkarneval, der in den kommenden Tagen über die Region kommen wird.

Der Aachener Karnevalsverein (AKV) und Net Aachen als Veranstalter hatten ein bewährtes Duo für ihre Straßenmission namens Stimmung auserkoren: AKV-Vizepräsident Rolf Gerrards und David Lulley moderierten und scherzten sich durch ein 111-minütiges Programm, bei dem neben Altvorderen des Aachener Karnevals auch Nachwuchsakteure auf der Bühne standen.

Schon nach den ersten launigen Minuten standen hier nicht mehr Gerrards und Lulley, sondern einfach nur noch „Rollo und Lulli“. Der geborene Ruhrpottler David Lulley, in den vergangenen Jahren auch via Center TV für den Aachener Karneval sozialisiert, hatte zwar immer wieder Gerrards‘ Seitenhiebe auf seinen Zugereisten-Status zu kontern, versuchte sich ansonsten nach Kräften als Jugendbeauftragter des Karnevals – und das nicht nur via Dauereinspielung einer Aachener Version des Chart-Hits „Gangnam Style“.

Kostümierte und etliche rein zufällige Gäste feierten die Akteure beim vielseitigen Showprogramm: vom aufgedrehten Stimmungsteenager Nicolas über etablierte Protagonisten wie Josef, Jupp und Jüppchen bis hin zu den Lennet Girls war ein maximaler Querschnitt angestrebt worden. Stampfende Techno-Beats zum Ein- und Auszug eines Trios der Kategorie Josef, Jupp und Jüppchen sorgten dann doch für manches Fragezeichen auf erfahrener Karnevalisten-Stirn. Gute Stimmung und warmer Applaus auch für die „Kenger vajjen Beverau“, die das Erbe der im vergangenen Jahr abgetretenen „Jonge“ am Leben erhalten.

Auf karnevalistische Art dramatisch wurde es, als Gerrards und Lulley den Überbringer des Ergebnisses der AZ-Leserjury zur AKV-Festsitzung „Wider den tierischen Ernst“ auf die Bühne baten. In den vergangenen unruhigen Jahren hatte unser Redakteur Manfred Kutsch dabei für die Macher des AKV nicht nur frohe Botschaften mitgebracht. Nach einem dramatischen Intro, „Spiel' mir das Lied vom Tod“ aus Sergio Leones gleichnamigen Spaghetti-Western, konnte Kutsch an diesem Abend aber durchaus Erfreuliches verkünden für den Verein, der mit der Auswahl seiner Ritter nicht immer den Geschmack des närrischen Volkes getroffen hatte. Bereits seit 1993 hat das kritische Aachener Publikum die Gelegenheit, die Sitzung mit Noten von Eins bis Fünf zu bewerten.

Die beste Note für Profitlich

Aus einigen Tausend Zuschriften ergab sich vor allem ein positives Gesamtbild: „Unsere Leser haben eine gute 1,95 für die 2013er Ausgabe übrig“, verkündete Manfred Kutsch. Nicht nur Elferrat Rolf Gerrards, auch AKV-Präsident Werner Pfeil atmeten da erst einmal tief durch. Schon das positive Feedback der vergangenen Tage dürfte Balsam für die närrische Sitzungsmacher-Seele gewesen sein.

Auch die Auswahl des diesjährigen Ordensritters honorierten die Leser unserer Zeitung. Cem Özdemirs Rede wurde mit der Note 2,04 bewertet. Im Vorjahr hatte das noch anders ausgesehen. Für den Auftritt des von seiner Parkinson-Krankheit gezeichneten Ottfried Fischer hatten die Jury damals nur eine 3,32 übrig gehabt. Für die Laudatio auf den Ritter 2013 hatte man den Kabarettisten gar nicht erst verpflichtet – aus Selbstschutz für alle Beteiligten, wie man beim AKV stets betonte.

Thema Laudatio: Anstelle von Fischer hatte der AKV EU-Parlamentspräsident Martin Schulz gewinnen können. Der fiel zwar in der Gesamtbewertung des Programms eher durch, seine insgesamt recht trockene, aber vom Platt-Zungenschlag geprägte Rede brachte Schulz dennoch das Wohlwollen der AZ-Leser ein: Note 2,39, damit liegt der lobende Vortrag des Europapolitiker aus Würselen auf seinen Freund Cem Özdemir zumindest halbwegs deutlich vor denen eines Jürgen Rüttgers (2,7).

Gewinner war nicht nur der AKV selbst mit seinem großen Ganzen namens „Tierischer Ernst“, auch das Moderatorenduo Jens Riewa und Rolf Gerrards kam offenbar beim Aachener Publikum an. Ist da einer 2,4 im Vorjahr mit der jetzigen Note 1,95 womöglich eine neues Dream Team geboren? „Wir haben mit der Auswahl des Ordensträgers offensichtlich den Geschmack des Publikums getroffen“, erklärte Werner Pfeil auf der Bühne, ohne Konkretes für die Zukunft zu verraten.

„Diesen Kurs wollen wir natürlich am Liebsten weiter verfolgen.“ Den Karneval spannend für die jungen Leute machen – eine Herausforderung, dem sich der AKV, allen voran Präsident Pfeil, stellen wollen. „Wenn man auf die TV-Quote blickt, macht sich schon Enttäuschung breit, weil wir deutlich unter vier Millionen Zuschauern geblieben sind. Außerdem haben wir bei den jungen Zuschauern an Boden verloren. Das wollen wir nächstes Jahr besser machen.“

Zum Höhepunkt des Programms, dessen Zusammenschnitt in der TV-Fassung nicht zum ersten Mal kritisch von der Leserjury bewertet wurde, kürten die Aachener den Auftritt von Comedian Markus Maria Profitlich als Kaiser Karl. Hinter dem Gast aus Bonn rangierten wieder einmal die lokalen Helden der Zunft. Hinter den 4 Amigos, Josef, Jupp und Jüppchen und dem Duo Naseweis landete die Saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer mit ihrem überraschend wertvollen Humorbeitrag.

Lob und selbstauferlegte Verpflichtung für den AKV also an diesem Abend zum Start in die heiße Phase der Session. Nach all den blanken Zahlen bekam das feiernde Volk selbstverständlich noch einmal das, was es begehrt: Prinz Thomas I. samt Hofstaat gaben sich die Ehre am Holzgraben und lenkten die Gedanken und Stimmungen zielsicher auf die eigentlich relevanten Quoten der kommenden Tage: den Jecken-Faktor bei den Umzügen und Sitzungen auf den Straßen und Plätzen der Region.

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