Neptun liegen die Bauarbeiter zu Füßen

Von: Thorsten Karbach
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Unbekannte Perspektive: Vom Dach der Elisabethhalle gibt es eine herrliche Aussicht auf die Türme von Dom und St.Foillan. Der Hallenturm (Schornstein) muss wie auch das Dach saniert werden. Anschließend werden weite Teile des Daches begrünt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Neptun tropft. Und weil Neptun tropft, fließen in den nächsten Jahren 2,5 Millionen Euro in die Sanierung der Elisabethhalle. Mit Neptun meint Engelbert Chaumet vom städtischen Gebäudemanagement den Neptunbrunnen, der unermüdlich ins große Becken (Herrenbecken) der Elisabethhalle sprudelt.

Ganz proper sieht er aus, der mächtige Brunnen in der historischen Kulisse des Jugendstilbades. Doch wenn Chaumet durch eine Tür, die Treppe hinunter in den Keller der Elisabethhalle steigt und dort an der Betonwanne des Bades vorbeigeht, dann sieht er die Tropfen, die von der Decke fallen. Hier ist Neptun undicht. Und das muss behoben werden.

Ende 2009 haben die Sanierungsarbeiten in der Elisabethhalle begonnen, nachdem im Sommer der Zuwendungsbescheid die Stadt erreichte. Erst als klar war, dass Fördermittel von Bund und Land ins Aachener Schwimmbad fließen würde, begann die Planung. Denn ohne die öffentlichen Mittel wären die Arbeiten nicht zu finanzieren gewesen und die Sanierung erst einmal ins sprichwörtliche Wasser gefallen.

Bis 2014 werden nun aber mehr als 2,5 Millionen Euro investiert. 1,7 Millionen Euro sind sogenannter denkmalwerter Mehraufwand und werden gefördert, 800.000 Euro für energetische Maßnahmen muss die Stadt aus eigenen Mitteln zahlen. Hier geht es vor allem um die Dämmung von Dach und Fassade. Zum Vergleich: Gebaut wurde die Elisabethhalle einst für 900.000 Mark.

Bevor Neptun an die Reihe kommt, werden statische Arbeiten gemeistert. Die Decken über den Umkleiden sind entfernt worden, die Stahlträger sind korrodiert. So ist das eben in einem Schwimmbad, in dem eine Temperatur von rund 30 Grad und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen. Alle Träger müssen neu gestrichen werden, dann wird die Decke wieder geschlossen. „Und zwar so, dass wir sie dem historischen Charakter des Bades wieder anpassen”, sagt Chaumet. Zuvor war dort lieblose eine 70er-Jahre-Abhangdecke zu sehen. Und das in einem reich verzierten Jugendstilbad, einem der letzten in Deutschland, das noch in Betrieb ist.

Vom Keller bis zum Dach

Saniert wird letztlich vom Keller bis zum Dach. Und dort im Untergrund ist Chaumet unterwegs, zeigt auf die beiden mächtigen Betonbecken - von unten. Geschichte und Geschichten erzählt dieser Schwimmhallenkeller. Ein Luftschutzraum war er nach dem Zweiten Weltkrieg, „Notabort” steht über einer Tür. Die Aufschrift ist mindestens 70 Jahre alt. Ein paar Meter weiter findet Chaumet „Originalteile”.

Von 1908 bis 1911 war die Elisabethhalle nach Plänen des Stadtbaumeisters Joseph Laurent entstanden. Die Handtuchhalter sind aus dieser Zeit. Längst haben sie ausgedient, hängen durch, quietschen und werden doch noch übertönt von der Pauke des Sinfonieorchesters. Das probt auf der anderen Seite der Wand, während das Umspannwerk an der Borngasse zum neuen Probenraum umgebaut wird. Von den Handtuchhaltern führen immer noch Schienen ans andere Ende des Gebäudes. Mit einer Lore wurden anno dazumal die getrockneten Handtücher von hier zu den Waschtrögen gefahren. Die Loren sind verloren, die Tröge ebenfalls, anderes ist und wird erhalten - mit der Sanierung.

Rechts hinter dem Kassenhäuschen führt eine weiße Holztür zu den „Brause- und Wannenbädern”. Die Tür ist für die Öffentlichkeit versperrt - noch, denn über eine künftige Nutzung will man nach der Sanierung sprechen. Zu sehen gibt es riesige Wannen und historische Messingarmaturen mitsamt Abflusstopfen, die aussehen wie Kanonenkugeln - alles original - wie auch die Fliesen und Kacheln. „Diesen historischen Charakter müssen wir einfach erhalten”, sagt Chaumet.

Es gibt viele historische Details, denen sich die Bauleute in den nächsten Jahren widmen werden - verkachelte Flure, Wasserspeier, Brunnen. „Es gibt hier viele Schätze”, sagt Chaumet. Auf alten Fotos hängen Kronleuchter über dem Becken. Das ist nicht mehr möglich - zu gefährlich. Aber die Wandbeleuchtung wird mit Rundleuchten bald wieder der historischen entsprechen. Vor den Duschen werden die Rundbögen wieder herausgearbeitet, die Stahlbronzegeländer werden saniert.

Neptun wird sich also an Bauleute zu seinen Füßen gewöhnen müssen in den nächsten Jahren. Doch nicht nur dort, auch weit oben über seinem Haupt wird gearbeitet. Denn bis Ende 2010 wird das sanierte Flachdach begrünt. Chaumet erzählt, wie schön das aussehe. Schade, dass Neptun den Kopf nicht Richtung Dach richten kann.
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