Neä, wat'n Elend: Es hat sich ausgestrunxt

Von: Manfred Kutsch
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Zielsicher: 23 Nummern – hier befassen sich Grautvornix mit den Nachwuchssorgen der Polizei – bietet die 22. und ultimativ letzte Strunx-Sitzung in der Kappertz-Hölle. Kommenden Sonntag schließt sich der Vorhang endgültig. Foto: Andreas Herrmann
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Der „Herr des Leerstands an der Krefelder Straße“ im Kreuzverhör: Alt-OB Jürgen Linden (Manni Rüsel, Mitte)wird von Rudi Zins (l.) und Manfred Hammers ins Visier genommen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Ein letztes Mal: das Brodeln der Kappertz-Hölle auf wackligen Bänken, die alternativen Jecken zusammengepfercht wie im Heringstopf. Das war's dann: Das Schmettern der anarchischen Hymne („Vür lieben den Skandal, total ejal“), das Brechen von Tabus, die längst keine mehr sind, knallbunt, komisch, fetzig. Ein letztes Mal Strunx.

Manni Hammers und Rudi Zins, die Leithammel der alternativen Narren, beide über zweimal elf Strunx-Jahre leicht ergraut, haben es ausgerechnet: „500 Buchseiten würden unsere Moderationen füllen, 15 Stunden bräuchten wir, um sie vorzutragen.“ Und wieder durchkämmen die Wortjongleure den Dschungel ihrer Themen, beißen sich am Tierschutz fest („Wie zynisch mag das für eine Eintagsfliege klingen, wenn man sagt ‚morgen ist auch noch ein Tag‘?“) oder an Alt-OB Jürgen Linden, „dem Macher des schwarz-gelben Leerstandes an der Krefelder Straße“, der sich „wegen einer Demenzia Abrupta“ an nichts mehr erinnern könne.

Mit 23 Programmpunkten zaubern die Strunxler ein letztes, großes Finale auf die Bretter der Kappertz-Hölle, deren Vielfalt an Kostümen und Requisiten den Bühnenbütteln – wie immer mit dem Fraktionschef der NRW-Grünen Reiner Priggen – viel Übersicht abverlangt.

Slapstick und Parodien non-stop – die Ideen sind den Strunxlern nicht ausgegangen: Ob das Generve rund um die Baustellen in der „Buddelstadt Aachen“, die kreativen Lösungen der Nachwuchssorgen bei der Polizei oder das Austragen der „Ersten Aachener Laubbläsermeisterschaften“. Ob die Kiddy-TV-Show „Dingsda“ mit ekindgerechter Erläuterung von Präimplantationsdiagnostik, Patchwork und Ritalin, der Kampf der beiden Prolo-Urlauber Carmen und Robert mit den Liegestühlen oder wie immer die „4 lustigen 5“ („Neä, wat´n Elend“), die diesmal nur drei sind: Der Mix an Szenen, Themen und Choreographien stimmt.

Mit zahllosen musikalischen Impulsen (wie immer unterstützt durch die legendäre „West-K-pelle“) zaubern die Strunxler die unterschiedlichsten Welten in den Saal. Hier Meikel Freialdenhoven als Jacques Schabrack mit rauchiger Stimme, Gitarre und frankophilem Nonsens („Pigalle, Pigalle, der Puff ist keine Lesehalle“), dort der mitreißende Klatschrhythmus eines Paketepack-Quartetts um Claudia Schmitte. Witzig auch die köstlich klischeetriefende Lehrerkonferenz an der PKKG (politisch korrekte Karls-Gesamtschule) sowie das „Blind Date Ü 60“ mit Ladies wie Arsen und Spitzhäubchen, deren schrullige Liebhaber „in unser Beuteschema passen“. Auch der Sketch „bei Pferdens zu Hause“ kommt gut rüber in der CHIO-Stadt, übertragen von „Striegel-TV“ mit Günter Jauche, der auch den „Tod im Sauerbraten-Palast“ ermittelt.

„Über diese Bühne musst du geh´n, 22 Jahre übersteh´n“, schmalzt Rudi Zins wie Peter Maffay – und lässt dem Kollegen Hammers natürlich den Raum für dessen Büttenrede. Naheliegendes Thema: Abschied. „Der vom eigenen Übergewicht fällt dem Menschen am schwersten“, hat das Bütten-As erkannt. Und lässt sich über weitere Abschiede aus – am Telefon, auf dem Bahngleis, im Liedgut. Schade, dass der „Strunxhäuptling“ das facettenreiche Thema nicht weiter vertieft, sondern stattdessen auf ein beliebiges „Best of“ aus Reden der letzten Jahre zurückgreift. Total ejal ist auch das. Der Strunx findet mit dieser Inszenierung einen guten Ausstieg.

Von kommenden Donnerstag bis Sonntag sind die allerletzten – natürlich ausverkauften – Vorstellungen angesetzt. Aachen verliert mehr als einen etwas anderen Karneval. Ein starkes Stück Kultur bricht weg.

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