Nase voll vom Einfluss der AfD: Peter Blum tritt aus Beirat der DIG zurück

Von: stm
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Will nicht mehr mit AfD-Leuten vom rechten Flügel in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft zusammenarbeiten: Peter Blum (FDP). Foto: Jaspers

Aachen. Peter Blum hat die Nase voll. Dem FDP-Ratsherrn stinkt es gewaltig, dass er auf der Führungsebene der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Aachen mit mehreren Aktiven der Alternative für Deutschland zusammenarbeiten muss. Deswegen hat er am Mittwoch die Konsequenz gezogen:

„Da ich mit denen nicht zusammenarbeiten und an einem Tisch sitzen möchte, trete ich mit sofortiger Wirkung aus dem Beirat der DIG zurück.“ Hintergrund: Tatsächlich gehören dem Vorstand beziehungsweise dem Beirat insgesamt drei AfD-Leute an. Darunter sind mit Tanja Papenhoff (Vorstand) und Alexander Jungbluth (Beirat) zwei, die sich äußerst aktiv auch in der „Jungen Alternativen“, der AfD-Jugendorganisation, tummeln. Blum: „Diese ist mehrfach durch Veranstaltungen und Veröffentlichungen aufgefallen, die, vorsichtig ausgedrückt, einen deutlich rechtskonservativen Charakter hatten und auch teilweise antisemitisch waren. Dies ist im Internet auch nachprüfbar.“

Dass es AfD-Mitglieder in der DIG gab, sei ihm schon länger bewusst, so Blum. Anfangs habe er die Partei noch für „durchaus respektabel“ gehalten. Das habe sich durch den Rechtsruck nach dem Ausscheiden des Vorsitzenden Bernd Lucke jedoch geändert. Außerdem bekommt Blum im Stadtrat die oftmals rechtspopulistischen Wortmeldungen des AfD-Ratsherrn Markus Mohr mit. Die konnte offenbar auch dessen Ratskollegin Mara Müller nicht mehr ertragen, die jüngst aus der Ratsgruppe austrat. Schon im Juli ließ Blum seinen DIG-Beiratsposten ruhen.

Alexander Jungbluth ist indes jüngst zum neuen Aachener AfD-Vorsitzenden gewählt worden, womit die hiesige Partei ebenfalls einen deutlichen Schritt nach rechtsaußen macht. Jungbluth war oder ist den Erkenntnissen Blums zufolge zudem Angehöriger der „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks“ in Bonn (kurz: Raczeks), einer ultrarechten schlagenden Studentenverbindung. Sie machte einst auf sich aufmerksam, weil aus ihren Reihen ein Antrag gestellt wurde, wonach Neumitglieder in deutschen Burschenschaften ihre deutsche Abstammung belegen sollten („Ariernachweis“). Ein Mitglied wurde einst ausgeschlossen, weil er eine Gruppe „Burschenschafter gegen Neonazis“ gegründet hatte. Leute wie Jungbluth hätten in der DIG nichts zu suchen, sagt Blum. Und: „All dies ist für mich nicht länger tragbar!“

DIG-Vorsitzender Axel Holst wollte Blums Schritt am Mittwoch auf Anfrage mit Verweis auf Vorstandsgespräche nicht kommentieren. Aus Vorstandskreisen erfuhr die AZ, dass über die Thematik bereits länger diskutiert werde. Das sagt auch Blum, doch sei bislang eben nichts passiert. Das Problem, so ist zu hören, bestehe darin, dass der Vorstand von den Mitgliedern – 200 hat die DIG – gewählt sei und man niemanden so einfach rauswerfen könne. Offenbar hat es Versuche gegeben, die AfD-Leute von sich aus zum Rückzug zu bewegen. Gesehen worden seien sie schon länger nicht mehr bei den Sitzungen. Als sie in die DIG eintraten, sei die Parteizugehörigkeit nicht bekannt gewesen – ebenso wenig die Aktivitäten der Personen. Mit AfD-Gedankengut mache sich die DIG keinesfalls gemein.

Peter Blum zitiert in seiner Rücktrittsbegründung die Internetseite der DIG: „Die Mitglieder der DIG Aachen [...] kommen aus allen Berufen, Parteien (außer rechts- und linksaußen).“ Eben da ist sich der FDP-Ratsherr nicht mehr so sicher. Mitglied in der DIG will er bleiben, weil er mit deren Zielen grundsätzlich übereinstimme.

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