Aachen - „Nakba”: Ruhige Töne nach heftigem Wirbel

„Nakba”: Ruhige Töne nach heftigem Wirbel

Von: Matthias Hinrichs
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„Einseitige Darstellung verur
„Einseitige Darstellung verurteilen wir aufs Schärfste”: Axel Holst, Vorsitzender der Foto: Jaspers

Aachen. Nakba - das arabische Wort für „Unglück” hat die Gemüter in einschlägigen Vereinen und Institutionen bereits im Vorfeld der gleichnamigen Ausstellung aufs Heftigste elektrisiert.

Noch bevor das evangelische Erwachsenenbildungswerk seine Pläne zur Präsentation der bundesweit höchst umstrittenen Fotodokumentation über „Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948” der Öffentlichkeit vorgestellt hat, stießen die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern massiv aufeinander. Die Schau soll ab 7. Mai zwei Wochen lang im Haus der Evangelischen Kirche an der Frère-Roger-Straße gezeigt werden.

Ein Beitrag zur sachlichen Auseinandersetzung

Vor allem die geharnischten Verbalattacken von Dr. Nathan Warszawski, bis dato jüdischer Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) und Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), an die Adresse der Initiatoren aus der evangelischen Kirche und dem Verein Aachener Friedenspreis sorgten für Irritationen auf der einen, für wütende Proteste auf der anderen Seite. Anlass genug für den Vorstand der DIG, nach teils wüst-polemischen Auseinandersetzungen mit einer konstruktiven, wenn auch dezidiert kritischen Stellungnahme nun einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte zu leisten.

Warszawski, der am Donnerstag für die AZ nicht erreichbar war, hatte den Verantwortlichen vorgeworfen, sie leisteten anti-jüdischer und faschistischer Volksverhetzung durch völlig subjektive Schilderung der Geschehnisse rund um die Gründung des jüdischen Staates aus der Perspektive der Palästinenser Vorschub, gingen eine „Koalition” mit neonazistischen Brandstiftern ein. „In der Tat verurteilen wir die einseitige Darstellung aufs Schärfste. Dies wollen wir nun mit einer Stellungnahme, die engagierte Mitglieder in Gestalt einer Broschüre zur Ausstellung konzipiert haben, unterstreichen”, erklärte Axel Holst, Vorsitzender der DIG Aachen, im Schulterschluss mit seinen Vorstands- und Beiratskollegen Dr. Radu Marinescu, Daniel Schümmer und Vladimir Shikhman sowie Bürgermeisterin Hilde Scheidt.

Eine „Steilvorlage für rechtsextreme Dumpfbacken”

Nicht von ungefähr sei die Dokumentation in Düsseldorf nach heftigen Debatten abgesetzt, von Seiten des DGB in Frankfurt ebenso klar abgelehnt worden wie etwa durch den (grünen) Oberbürgermeister in Freiburg. „Sie stellt schlicht eine Steilvorlage für rechtsextreme Dumpfbacken dar, sie ist extrem tendenziös und leistet keinen Beitrag, endlich Frieden in Nahost zu erreichen”, so Holst.

Selbstverständlich gehe man aber davon aus, dass eben daran „letztlich allen Beteiligten in jedem Fall gelegen ist”, unterstrich Scheidt, die Mitglied der DIG sowie im Aachener Friedenspreis ist. Dessen Vorsitzender Karl-Heinz Otten hatte die verbalen Ausfälle gegen die Initiative jüngst in einer zornigen Stellungnahme gekontert - Warszawski bezichtigte den Verein unter anderem, neonazistischen Schmierereien im übertragenen Sinn „die Farbe zu liefern”. Postwendend distanzierten sich auch die übrigen Vorstandmitglieder der GCJZ - und nahmen Warszawskis Ankündigung, sich aus der Gesellschaft zurückzuziehen, dankend an. „Wir müssen und wollen jetzt aber endlich zur gemeinsamen Diskussion auf sachlicher Ebene zurückkehren, so wie das in Aachen von jeher Tradition war”, bekräftigte Scheidt.

Dies unterstrich auch Hans-Peter Bruckhoff auf AZ-Anfrage nochmals. Der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises war im Zusammenhang mit dem „Nakba”-Projekt nicht nur von Warszawski massiv angegriffen worden. „Ich finde es gut, dass der Beitrag der DIG während der Schau ausgelegt wird”, betonte er. „Wir maßen uns nicht an, die Schiedsrichterrolle im Nahost-Konflikt zu übernehmen. Wir wollen lediglich einen geschützten Raum und Gedankenanstöße bieten.” Im Übrigen hielten die Organisatoren an ihrem Vorhaben fest, bei der öffentlichen Vorstellung der Dokumentation am kommenden Montag ausführlich Stellung zu beziehen.
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