Aachen - Nächtlicher Ärger vor Gericht: viel Lärm um nichts im Sträßchen

Nächtlicher Ärger vor Gericht: viel Lärm um nichts im Sträßchen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die lange Geschichte, die am Dienstagmorgen vor Amtsrichterin Ricarda Grammann verhandelt wurde, könnte als simpler Nachbarschaftsstreit durchgehen, wenn sie sich nicht in Aachens Antoniusstraße zugetragen hätte – jenem Sträßchen also, das Politikern, Stadtplanern und Polizei in jüngster Zeit so viel Kopfzerbrechen macht.

Hier gab es nämlich richtig Krach zwischen zwei Nachbarn, in deren Häusern täglich der Prostitution nachgegangen wird. Einer der Hausinhaber, Nikolaus G. (66), soll seine ehemalige Mieterin am 4. Februar dieses Jahres gegen 22.40 Uhr massiv bedroht haben – was er nachdrücklich bestritt.

Er habe der 37-jährigen Bordellbetreiberin Angela S. im Vorbeigehen den Griff einer Pistole in seiner Jacke gezeigt, die er dort in einem Holster trug, hieß es in der Anklage. Sie habe dadurch viel Angst aufgebaut, sagte die Betroffene als Zeugin, G. habe als passionierter Jäger oft mit seinem Jagdgeschick geprahlt und sie eingeschüchtert.

Alles Unfug, sagte der ehemalige Boxer aus und berichtete, dass die Betreffende und ihr Mann ganz simpel einen Rechtsstreit gegen ihn verloren hätten und sie deswegen sauer seien. Er habe ihnen gekündet, weil es dort in dem Haus eine heftige Schießerei gegeben hatte, das wollte er nicht dulden.

Haustüre eingetreten

Seine angebliche Pistole sei zudem eine reine Abwehrwaffe mit Pfefferspray gewesen, mehr nicht und völlig legal, berichtete der Angeklagte aufgebracht. Auch der Mann von Angela S., der ebenfalls in der Antoniusstraße im Bordellwesen tätig ist und das Haus Nummer 30 bis Ende 2016 noch nutzen durfte, lag seit langem im Streit mit G., warum genau, war nicht herauszubekommen.

Jener Ehemann war wegen des erzwungenen Auszugs anscheinend so erzürnt, dass er, wie die Zeugin der Richterin bestätigte, an jenem Abend die Haustüre der Hausnummer 30 eintrat. Dabei stand er laut einer späteren Blutprobe stark unter Alkoholeinfluss. Das geschah um 22.41 Uhr, Überwachungsvideos bestätigten das eindeutig.

Polizei lag offenbar falsch

Daraufhin wurde G. als Hausbesitzer informiert, er rief die Polizei und traf gegen 23.30 Uhr in der Antoniusstraße ein. Angela S., die bei ihrem Ehemann war, als dieser die Tür eintrat, hatte ebenso die Polizei alarmiert. Die Beamten kümmerten sich aber weniger um den Sachschaden, sondern fixierten Nikolaus G., durchsuchten ihn, fanden Pfefferspray und ein Jagdmesser.

Laut Strafbefehl sollte G. wegen der Bedrohung von S. eine Buße zahlen. Das aber lehnte er ab, weil er gar nicht zu der angegeben Zeit dort gewesen sei, sagte er, vier Zeugen habe er dafür. Schließlich stellte sich heraus, dass auch die Polizei laut Hauptbelastungszeugin Angela S. die Sache falsch aufgenommen hatte, das Verfahren brach damit in sich zusammen.

Zähneknirschend stimmte die Staatsanwaltschaft einer Einstellung zu. Viel Lärm um Nichts.

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