Nächster Punktsieg im Heimspiel für Schulz

Von: Matthias Hinrichs
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Reichlich Applaus für den SPD-Kanzlerkandidaten und seine Mitstreiter: Mit Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt sowie den Landtagskandidaten Daniela Jansen und Karl Schultheis setzte Martin Schulz am Donnerstag zum leidenschaftlichen Endspurt im Kampf um die Wählergunst an. Foto: Ralf Roeger
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Reichlich Applaus für den SPD-Kanzlerkandidaten und seine Mitstreiter: Mit Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt sowie den Landtagskandidaten Daniela Jansen und Karl Schultheis setzte Martin Schulz am Donnerstag zum leidenschaftlichen Endspurt im Kampf um die Wählergunst an. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wilhelm Harters wahrlich hochfliegendes Geschäftsmodell geht an diesem lauen Donnerstagabend auf jeden Fall auf. Man muss eben nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Die Erkenntnis verbindet den Dürener Kleinunternehmer, der seit rund 20 Jahren auch in der Öcher Altstadt seine glitzernden Luftballons feilbietet, mit dem wohlbekannten Herrn im dezenten dunkelgrauen Anzug, der die Massen im Schatten des Rathauses – rund 700 sind nach Schätzung der Polizei gekommen – einmal mehr von seinen mindestens ebenso hochfliegenden Ideen und Konzepten zu überzeugen sucht.

Keine Frage: Auch bei seinem zweiten großen Auftritt nach der Kundgebung der Gewerkschaften am 1. Mai kann Martin Schulz, seines Zeichens Kanzlerkandidat der SPD, seinen Heimvorteil in Sachen Wahlkampf weidlich nutzen – diesmal natürlich vor allem, um den Landtagskandidaten Daniela Jansen und Karl Schultheis auf den letzten Metern Richtung NRW-Wahl reichlich Rückenwind zu geben.

Die geben dem Polit-Star aus Würselen mit kurzen, aber leidenschaftlichen Reden die ersten Steilvorlagen für den nächsten Punktsieg im Heimspiel im die Wählergunst.Begeisterter Applaus brandet immer wieder auf, als Schulz von der großen Bühne auf dem Markt zum wortgewaltigen Parforceritt rund um die größten politischen Herausforderungen in Land und Bund ansetzt – gegen die brandgefährliche neue Rechte, gegen die Benachteiligung von Frauen, gegen Ausgrenzung von Flüchtlingen, für soziale Gerechtigkeit, absolute Chancengleichheit in Sachen Bildung, bessere Förderung aufstrebender Ideengeber aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Das sollen die Pfunde sein, mit denen Merkels Herausforderer auch diesmal weidlich zu wuchern gedenkt. „Respekt“ – der Begriff durchzieht seine gut 30-minütige Rede dabei wie kein anderer. Denn der gebühre dem Busfahrer von nebenan in gleichem Maße wie dem renommierten Chirurgen – trügen doch beide auf ihre Weise höchste Verantwortung für das Wohl ihrer Zeitgenossen. „Immer mehr Menschen haben aber das Gefühl, dass sie nicht mitgenommen werden von dieser Gesellschaft“, ruft Schulz in die Menge. „Diesem gefährlichen Gift des Vertrauensverlustes müssen wir entschieden entgegentreten!“

Das kommt an. Und sogleich schlägt auch die große Stunde des Kleinunternehmers Harter, dessen kunterbunte Ware unübersehbar vor der Rathausfassade tänzelt. „Unterstützt Menschen wie ihn, kauft ihm etwas ab“, ermuntert der Kandidat seine Zuhörer – und wendet sich direkt an den verdutzten Mann mit den Ballons: „Vielleicht wählst auch du dann die SPD.“ Begeisterter Applaus.

Als Schulz mit seinen Mitstreitern Jansen und Schultheis sowie Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt von der Bühne gestiegen ist, bleiben ein paar Minuten fürs obligatorische Bad in der Menge – Selfies werden geschossen, Schulterklopfen und kurze Gespräche – so viel Zeit muss sein, bevor der Kanzlerkandidat zum nächsten Termin auf Burg Wilhelmstein eilt.

Eher unergründliche Mienen erblickt man freilich auch. Oliver Rey zum Beispiel lässt sich in Sachen Wählergunst jedenfalls nicht in die Karten schauen. „Ich bin noch unentschlossen“, gesteht der junge Mann, der im September seinen 18. Geburtstag gefeiert hat. Seine Mutter Sabine ist da schon eher geneigt, Farbe zu bekennen: „Natürlich soll er sich selbst ein Bild machen. Deswegen gehen wir am Samstag auch zu Merkel nach Burtscheid, wenn wir‘s schaffen“, sagt sie. „Ich persönlich glaube, dass ein Wechsel der Bundesregierung uns jedenfalls mal guttäte.“

Anders als Mutter und Sohn zögert am Ende auch Wilhelm Harter nicht, direkte Tuchfühlung mit dem Kandidaten aufzunehmen. „Ich hab‘ ihn gebeten, etwas gegen die Brennstofflieferungen nach Tihange zu unternehmen“, erzählt der Mann mit den Ballons kurz darauf (die gehen unterdessen weg wie die sprichwörtlichen Brötchen). Kann die SPD also auf seine Stimme setzen? Er winkt ab. „Bin schon seit 20 Jahren CDU-Mitglied“, antwortet er knapp.

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