Nächster Akt im Drama ums Stadttheater

Von: Matthias Hinrichs
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Bestürzende Diagnose: Zur finanziellen Gesundung des Theaters – hier ein Probenfoto aus der aktuellen Operntrilogie „Il Trittico“ – haben die Politiker weiterhin kein klares Rezept auf den Blöcken. Die Reserven im Etat des Eigenbetriebs sind bald aufgebraucht, eine Erhöhung der Zuschüsse steht ebenso zur Debatte wie eine „Anpassung“ der Ticketpreise. Foto: Carl Brunn
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Verlässt das Dirigentenpult im Sommer: Etliche Kandidaten für den Posten des Generalmusikdirektors Kazem Abdullah sind noch im Rennen. Im Herbst soll ein(e) Nachfoger(in) gekürt sein. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein wahrer Klassiker steht spätestens am Donnerstag wieder auf dem politischen Spielplan. Besonders dramatische Szenen sind (zumindest auf offener Bühne) allerdings nicht zu erwarten.

Die Fraktionen im Betriebsausschuss des Rates werden die Jahresbilanz des Theaters Aachen zur jüngsten Spielzeit wohl eher routiniert zur Kenntnis nehmen (17 Uhr im VHS-Forum am Bushof). Vorerst. Denn das heißt wohl auch, dass an einer „Preisanpassung“ im Hinblick auf die Eintrittstarife über kurz oder lang kein Weg vorbeiführen wird.

„Das Stadttheater Aachen ist auch zukünftig auf Zuschüsse der Stadt Aachen zur Abdeckung des Jahresfehlbetrags angewiesen“, heißt es beinahe lakonisch im externen Prüfbericht zum Jahresabschluss 2015/2016 – auch dies längst eine Art klassisches Zitat in der unendlichen Geschichte ums Schicksal der größten Bühne der Region.

Rund 20 Millionen Euro fließen derzeit per anno aus den Schatullen der kommunalen Kassenchefs, um den Spielbetrieb im Schatten des „fröhlichen Hengstes“ zu sichern. Denn allein die Personalkosten für rund 300 Mitarbeiter schlagen mit über 16 Millionen Euro zu Buche. Die letzten Reservetöpfe des Eigenbetriebs dürften derweil spätestens in der nächsten Saison blankgefegt sein – trotz hervorragender Auslastung zahlreicher Produktionen. Die Gretchenfrage lautet folglich: Kann – und muss – die Kämmerin den fatalen Druck nun doch ein Stück weit aus dem Kessel namens Subventionstopf herausnehmen und mehr Geld bereitstellen?

„Wir werden in den kommenden Monaten allerdings auch über andere Maßnahmen nachdenken müssen, um die Enden zur Finanzierung des Hauses zusammenbekommen“, erklärt Hubert Bruynswyck, CDU-Ratsherr und Vorsitzender des Betriebsausschusses für VHS und Theater. Denn abgesehen von den Piraten herrscht interfraktioneller Konsens im Rat, die bestehenden Spartenstrukturen auf jeden Fall zu erhalten.

Also dürfte beim Dreh an der Preisschraube jetzt weniger das „Ob“ als vielmehr das „Wie“ zur Diskussion gestellt werden: „Wir könnten zum Beispiel die Ticketpreise für Plätze in besseren Kategorien etwas anheben und generell darüber nachdenken, wie man die Platzstrukturen neu ordnet“, schlägt Bruynswyck vor. Ob es dazu kommt, ist freilich offen. Denn die Gespräche hinter den Kulissen müssen erst mal wieder Fahrt aufnehmen, nachdem der Verwaltungschef des Theaters, Udo Rüber, vor kurzem krankheitsbedingt eine längere Auszeit nehmen musste.

Dass Letzterer noch in die Verlegenheit gerät, etwaige neue Beschlüsse umzusetzen, zeichnet sich ohnedies nicht ab: Rüber geht Anfang kommendes Jahr in Rente. Noch eine maßgebliche Personalie dürfte die städtischen Gestalter auf absehbare Zeit also umtreiben – Bruynswyck geht davon aus, dass die Stelle des Verwaltungsdirektors, ebenso wie jüngst die Position von Generalmusikdirektor Kazem Abdullah, demnächst ausgeschrieben wird.

Der GMD gibt den Dirigentenstab bekanntlich bereits zum Ende der laufenden Saison ab. Etwa 15 Nachfolgekandidaten sind nach wie vor im Rennen. Frühestens im Herbst, glaubt Bruynswyck, könnte ein neuer Orchesterchef gekürt sein. Das kulturelle Flaggschiff der Stadt segelt also bis auf Weiteres in stürmischer See – auch ohne dramatische politische Kursdebatten.

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