Nächste Sanierung des Aachener Doms erst im 24. Jahrhundert

Von: Hans-Peter Leisten
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Über den Dächern von Aachen: Die auf dem großen Bild zu erkennende Fläche des Sechzehnecks aus Bleiplatten ist so konstruiert, dass auch bei großer Hitze Bewegungsspielraum ist und Risse vermieden werden können. Foto: Andreas Steindl
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Dombaumeister Helmut Maintz hat am Donnerstag die letzten Handgriffe erklärt. Foto: Andreas Steindl
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Schwere Last: Auf dem Münsterplatz sorgen Spezialkräne dafür, dass die schweren Träger des Arbeitsdaches aus luftiger Höhe herabschweben. Foto: Andreas Steindl
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Echte Könner: Die Experten befestigen Lüftungsrinnen auf den Firsten, so dass die verbrauchte Luft aus dem Dom entweichen kann. Foto: Andreas Steindl
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Bald ganz dicht: Die Bleistücke werden maßgenau verarbeitet und sind von unten mit säurefestem Zinn beschichtet. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Zum Glück gibt es Akkuschrauber. Ansonsten müsste sich mancher Handwerker in den nächsten Tagen in orthopädische Behandlung begeben. 42 300 Schrauben, Bolzen und Dübel sind in den vergangenen zwei Jahren im Dachstuhl des Sechzehnecks des Aachener Domes versenkt worden. Was im Handumdrehen quasi unmöglich ist.

Aber selbstverständlich hat Aachens Dombaumeister Helmut Maintz Spezialfirmen angeheuert, die mit modernstem Equipment den Schäden mit Erfolg zu Leibe gerückt sind. Und davon gab es reichlich. Nicht nur angesichts dieser Tatsache konnten Dompropst Manfred von Holtum und Helmut Maintz entspannt und bester Laune so etwas wie den offiziellen Schlusspunkt der Außensanierung des Domes als Bestandteil des Weltkulturerbes verkünden.

Im Grunde konnten die beiden am Gründonnerstag gleich eine doppelt frohe Botschaft weitergeben: Nach 30 Jahren hat die Außenhaut des Münsters ein gelungenes Lifting hinter sich, und nach knapp zwei Jahren ist das Dach des Sechzehnecks für „mindestens 300 Jahre“ – so die Hoffnung des Dompropstes – wieder dicht. Gerade den Dombaumeister beruhigt dies ungemein, denn das alte Dach war so undicht, dass die Mosaiken im Innenbereich des Oktogons bereits erhebliche Schäden erlitten hatten. Die Mosaiken glänzen schon länger wieder wie neu, was aber nur von Dauer ist, weil jetzt auch der Schutz durch das Dach gegeben ist.

Über 1200 Jahre liegt eine Ursache für die Schäden zurück. Wie vor 25 Jahren rumpelte es auch im Jahr 803 kräftig im Aachener Boden. Die damals entstandenen Risse im Gewölbe wurden mit Blei verfüllt. Zur Sicherheit wurde jetzt auf Know-how aus der Formel 1 zurückgegriffen, in dem die Risse zusätzliche Pflaster aus Karbon erhielten, die selbst einem neuen Beben standhalten.

Deutlich mehr Schaden richtete offensichtlich das Konzept an, mit dem man bereits in den 1960er Jahren das Dach dichten wollte. Eine Rechnung, die offensichtlich ohne den Wettergott gemacht wurde. Wieso ist ein Dach nach rund 55 Jahren wieder kaputt? Helmut Maintz hat gleich mehrere Antworten. Und nennt zum Beispiel den Xylamon-Holzschutz: „Damals wurden die Holzbalken gleich mehrfach in dem Zeug getränkt. Dumm, dass das Mittel unter der enormen Sonneneinwirkung unerwartet reagiert hat und zu Weißrostbefall an den Bleiplatten geführt hat.“

Die Bleiplatten seien zuletzt „dünn wie Zeitungspapier“ gewesen, berichtet Maintz. Aus den Fehlern von damals hat man gelernt und die neuen Bleiplatten mit einer Unterschicht aus säureresistentem Zinn versehen. Auf die Bitumen-Schicht zwischen Holz und Blei haben die Dachdecker jetzt ebenfalls verzichtet – die führte nur zu ungewollten Verklebungen unter der Sommersonne.

Ein weiterer Grund für den Zerfall des Daches führt zur Konstruktion. Im Gegensatz zum jetzt fertiggestellten Dach hatte dessen Vorgänger nämlich keinerlei Durchlüftung. Jetzt sorgen Zuluft im unteren Bereich des Daches und eine Entlüftung im oberen Abschluss für eine Durchströmung mit Frischluft. So wird die von den Dombesuchern produzierte verbrauchte Luft entsorgt.

Die wohl schwerste Aufgabe war im wahren Wortsinne die Neukonstruktion der steinernen Ablaufrinne. Die hat jetzt eine Ausrichtung und das richtige Gefälle, um dem Regenwasser auch wirklich den Weg vom Dach zu weisen. „Dass das bei enorm schwerem Naturstein kein Kinderspiel war, versteht sich von selbst“, erklärte der Dombaumeister mit Blick auf die blausteinfarbenen Blöcke. Hier spielte auch der Denkmalschutz mit, der die Dachsanierung kontinuierlich begleitet hat. Eine der vielen Herausforderung klingt nämlich auf den ersten Blick etwas kurios: Von der millionenschweren Sanierung soll man im besten Fall nämlich gar nichts sehen.

Dass dies offensichtlich gelungen ist, ist auch den Handwerkern zu verdanken – was der Dompropst ausdrücklich betonte. Von den Experten gibt es so viele nicht mehr in der Region. Denn auch wenn die Maßnahmen deutschlandweit ausgeschrieben werden müssen, betont der Dombaumeister: „Wir sind natürlich froh, wenn wir die Aufträge letztlich in die Region vergeben können. Dann bekommen die Spendengelder gleich einen doppelten Sinn.“

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