Aachen - Nadelfabrik: Von diesem Haus gehen Impulse aus

Nadelfabrik: Von diesem Haus gehen Impulse aus

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Eindrucksvolles Äußeres: Die Nadelfabrik ist nach ihrer Renovierung ein echtes Schmuckstück. Auch im Inneren hat sie einiges bieten. Dort finden das Stadtarchiv und 13 weitere Institutionen Platz. Foto: Andreas Hermann
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Spannende Talk-Runden: Sadio Barry (r.) und Nassim Navvabi-Garakani (2.v.l.) sprechen bei den Moderatoren Bernd Büttgens und Esra Güner über ihre Standpunkte zum Thema Integration.

Aachen. Fünf Jahre hat es gedauert. Planung, Konzeption und Umbau haben die Verantwortlichen und Mieter lange auf Trab gehalten. Nun ist die Nadelfabrik fertig. Heute haben alle Aachener die Möglichkeit, das über 11.000 Quadratmeter große „Haus der Integration und Identität“ am Reichsweg beim Tag der offenen Tür zu „erobern“. Neben dem Stadtarchiv sind dort nun 13 Vereine und Initiativen zu Hause.

Bereits am Freitag kamen die Gäste bei der Eröffnungsfeier ins Staunen. Die Gestaltung und die Nutzung des Zwölf-Millionen-Euro-Projekts beeindruckten viele Besucher. Dabei gab es verschiedene Talkrunden, die von Bernd Büttgens, stellvertretender AZ-Chefredakteur, und Esra Güner moderiert wurden.

Einem war die Freude besonders anzusehen: Der Chef des Hauses, Walter Köth, strahlte über das ganze Gesicht. „Ich bin ganz ergriffen, ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute zur Eröffnung kommen“, sagte er. Köth bescheinigte der Stadt eine gehörige Portion Mut, dieses Projekt durchgezogen zu haben. Es habe zu Beginn auch kritische Stimmen gegeben.

Aber: „Das man etwas tun musste, war klar“, sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp. Einen Ort für gesellschaftliche Integration brauche Aachen – das sei unbestritten. „Dieses Haus ist eine tolle Chance die Integration auf eine neue Ebene zu heben“, sagte Philipp. Dass man mit der Nadelfabrik einen Standort mitten im Ostviertel – gleich neben dem Kennedypark – wählte, soll nicht bedeuten, dass man ein Angebot nur für dieses Viertel schaffen wollte. „Es muss sich durchsetzen, dass das ein Haus für alle Aachener ist – nicht nur für einen Stadtteil oder bestimmte Bevölkerungsgruppen“, sagte Philipp.

Für das Thema Integration seien „Bildung und Chancengleichheit für Migranten“ bedeutend, sagte Sadio Barry, Vorsitzender des Integrationsrats. Es kämen häufig Migranten zu ihm, deren Kinder in der Schule nicht zurecht kommen oder die sich über Diskriminierung beschweren.

Impulse in Sachen Bildung erwartet auch Beigeordneter Manfred Sicking von der Nadelfabrik. Im Ostviertel machten die Migranten 35 Prozent der Bevölkerung aus, dazu sei die Arbeitslosenquote überdurchschnittlich hoch. Sprache, Ausbildung und Qualifizierung von Jugendlichen seien daher wichtige Integrations-Bausteine. „Teilhabe ist das Entscheidende in diesem Kontext“, sagte Sicking. Dabei setzt Nassim Navvabi-Garakani, Fachbereichsleiterin Kitas der Arbeiterwohlfahrt, auf Zusammenarbeit von Erziehern, Eltern, Vereinen und Initiativen. „Man muss die Kinder so nehmen, wie sie sind und schauen, welche Ressourcen und welche Bedürfnisse sie haben.“ Das Ganze gelinge am besten vernetzt mit der Verwaltung, Institutionen und „allen Menschen aus dem Viertel, die den Kindern gut tun“.

Das Gedächtnis der Stadt

Ein großes Stück Identität spendet das Stadtarchiv. Die Schriftstücke, Karten und Fotos, die dort auf 13 Kilometer Regalen untergebracht sind, bildeten das „Gedächtnis der Stadt“, sagte Thomas Kraus, Leiter des Stadtarchivs. Zudem vereine es Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart: „Wenn man in die Zukunft plant, vergewissert man sich zunächst, wo wir heute stehen und wie man an diesen Punkt gelangt ist“, sagte Kraus. Er führte die Besucher am Freitag bereits durch die insgesamt rund 4300 Quadratmeter großen Räume des Archivs.

Um Identität geht es auch in der Ausstellung „Bewegung – Migration in Aachen seit 1945“, die in der Nadelfabrik gezeigt wird. Winfried Casteel, kommissarischer Leiter der VHS Aachen, sieht eine enge Verbindung zur Integration: „Was Identität ausmacht, ist, dass wir uns hier als Öcher fühlen. Das hat damit zu tun, wie man sich in der Stadt integriert fühlt“, sagte er.

Dass in der ehemaligen Nadelfabrik nun ein Ort für Begegnung, kulturellen Austausch, Sport, Bildung, soziales Engagement und Geschichte entsteht, freut auch Rheinnadel-Chef Klaus Pavel, dessen Firma noch im Haus ansässig ist.

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