Nackter „Messias“ wirft mit Dachpfannen

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
11775336.jpg
Nackt wie Gott ihn schuf: Stundenlang wirft der selbsternannte „Messias“ mit Hunderten Dachpfannen. Foto: Ralf Roeger
11775335.jpg
Alles Gute kommt von oben? Von wegen. An der Ecke Kardinalstraße/Krefelder Straße warf ein Verwirrter mit Dachpfannen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Man musste kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass der selbsternannte „Messias“, der so wie Gott in schuf stundenlang Hunderte Dachpfannen von Häusern schleuderte, in der Psychiatrie landen würde. Kurz nach 15 Uhr beendeten Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos der Polizei am Mittwochnachmittag das kostspielige Chaos.

Ein 42-jähriger Mann hatte das Chaos splitternackt in der Kardinalstraße/Ecke Krefelder Straße angerichtet. Er sollte wegen augenscheinlicher Unterkühlungen erst in ein Krankenhaus, dann in eine geschlossene Abteilung eingewiesen werden.

Dort war der offenbar verwirrte Mann, der in der Joseph-von-Görres-Straße gemeldet ist, schon im vergangenen August untergebracht worden. Damals hatte er ebenfalls randaliert, „so wie schon einige Male zuvor“, wie Polizeisprecher Paul Kemen am Mittwoch schilderte. Allerdings setzte man ihn schon nach einigen Wochen wieder auf freien Fuß.

Akute Lebensgefahr

Am Mittwochmorgen gab es ein Wiedersehen mit der Polizei. Die war um 11 Uhr alarmiert worden. Als die Beamten den Nackten ansprachen, der sich erst als „Jesus“ und dann als „Messias“ bezeichnete, hagelte es Dachpfannen. Die Beamten zogen sich zunächst zurück; es bestand Lebensgefahr für die Einsatzkräfte und den nackten Mann auf dem Dach eines fünfgeschossigen Hauses in der Soers.

Nachdem der 42-Jährige das erste Dach komplett abgedeckt und mit den herunterstürzenden Dachpfannen mehrere Autos und Einsatzfahrzeuge demoliert hatte, bahnte er sich hoch oben – offenbar über eine zufällig gefundene Leiter – den Weg aufs nächste Hausdach und setzte sein zerstörerisches Werk fort. Mehrfach spannten Rettungskräfte Sprungtücher, redeten über Stunden auf den Mann ein.

Ein Großaufgebot von Polizeikräften sperrte von 11 bis 15.30 Uhr die zweispurige Krefelder Straße stadteinwärts zwischen Soerser Weg und Bastei. Der Verkehr wurde umgeleitet; es entstanden kilometerlange Staus. Psychologen wurden hinzugezogen, um den Mann zur Aufgabe zu überreden. „Angeforderten Spezialkräften gelang es im selben Moment, den 42-Jährigen zu überwältigen“, schilderte Polizeisprecher Kemen.

In einem Rettungskorb holte die Feuerwehr den Patienten nebst bewaffneter Begleitung wieder auf den Boden zurück. Über die Hintergründe oder den Auslöser der Tat besitzt die Polizei laut Kemen noch keine Erkenntnisse.

Wie hoch der Sachschaden letztlich zu beziffern ist und ob der Täter dafür aufkommen kann, ist fraglich. Ein Hausdach wurde komplett abgedeckt, ein weiteres zu großen Teilen. Autobesitzer, die keine Vollkaskoversicherung abgeschlossen haben, bleiben auf Vandalismusschäden sitzen, wenn kein Täter dingfest gemacht wird – oder dieser mittellos ist. Dass der vermeintliche „Messias“ für die immensen Einsatzkosten von Polizei und Feuerwehr haftbar gemacht werden kann, gilt ebenfalls als unwahrscheinlich – auch nicht gerade eine frohe Botschaft.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert